• Strom: Kalenderjahr sinkt unter 40-Euro-Marke
  • Gas: Preise gehen wieder zurück
  • Krefeld will RWE bei Erneuerbarem-Kurs unterstützen
  • Eon bekräftigt mittelfristige Ziele
  • Kollenrott: "Wir sehen noch deutlichen Nachbesserungsbedarf"
  • Lorawan und Mieterstrom
  • Untersuchung fordert Verlagerung der EEG-Umlage
  • Ads-Tec ermöglicht Hochleistungsladen in der Niederspannung
  • Altmaier: Gutes Signal für die Energiewende
  • Solarnutzung vom Balkon forcieren
Enerige & Management > Wirtschaft - Wer zahlt die Zeche des Ölpreisverfalls?
Bild: Statoil
WIRTSCHAFT:
Wer zahlt die Zeche des Ölpreisverfalls?
Der anhaltende Ölpreisverfall zeigt spürbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und das Geschäft mit fossilen Energien.
 
Niedrigere Ölpreise nutzen der Volkswirtschaft − jedenfalls in entwickelten Industrieländern. Der Absturz von 115 US-Dollar je Barrel im Juni 2014 auf unter 60 US-Dollar im Dezember sorgt bei Verbrauchern für mehr Geld in den Taschen. Das kurbelt Konsum und Konjunktur an.

Manche Industriebetriebe können Windfall-Profits abschöpfen, so die Petrochemie. Denn die Preise für von ihr verarbeitete Nebenprodukte der Ölförderung sind ähnlich wie jene für Rohöl gefallen: Ethan, der Ausgangsstoff für Ethylen, aus dem PVC für Rohre aller Art und anderes Plastik entsteht, ist auf das Preisniveau von 1998 gesunken. Das entlastet nicht nur die Industrie, sondern bringt für vielfältige Anwendungen Wettbewerbsvorteile oder macht sie plötzlich wirtschaftlich.

Doch herrscht längst nicht überall eitel Freude. Denn die plötzlich kostengünstig verfügbare fossile Energie könnte den erneuerbaren Energien den Wind aus den Segeln nehmen: Bei ohnehin in vielen Ländern gekürzten oder gar gestrichenen Subventionen rechnen sich viele Projekte nicht mehr. Auch große Ölproduzentenländer wie Russland, Brasilien, Nigeria und Venezuela geraten durch den Preisverfall wirtschaftlich enorm unter Druck.

Betroffen vom Preisverfall ist auch die Förderung von von Gas und Öl aus unkonventionellen Lagerstätten in den USA. Dort war die Förderung von Schiefer- oder Shaleöl in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden: von täglich rund 5 Mio. Barrel Öläquivalent (boe) im Jahr 2008 auf 9 Mio. boe im Dezember 2014. Gleichzeitig gingen die Importe in die USA stark zurück.

Wachstum der Ölnachfrage deutlich verlangsamt

Das wirkte sich auf die Preise am Weltmarkt anfangs nur wenig aus. Zunächst glich die steigende Nachfrage die höhere Produktion mehr als aus: 2012 wuchs weltweit der Ölverbrauch täglich um 1 Mio. boe und 2013 sogar um 1,5 Mio. boe. Die Wende kam erst mit dem zweiten Halbjahr 2014 − ausgelöst durch das nur noch mäßige Wachstum in China.

Damit stieg der Ölverbrauch weltweit 2014 nur noch um 600 000 boe pro Tag. Bei der zugleich weiter steigenden Produktion von Öl und Gas aus Schiefer- und Teersand-Vorkommen in Nordamerika sowie der unveränderten Förderung der OPEC-Länder, vor allem Saudi Arabiens und anderer Golfstaaten, sackten die Preise in den Keller.

Große Energiekonzerne reagierten darauf schnell und begannen, ihre Ausgaben für Exploration und Förderung zu kürzen sowie Programme zur Kostensenkung in Angriff zu nehmen. Das wirkt bei Shale-Produktionen viel schneller als bei herkömmlicher Förderung, weil Shale-Vorkommen ungleich schneller erschöpft sind als andere Quellen. Also muss zum Aufrechterhalten der Produktion ständig neu gebohrt werden. Wenn dafür die Mittel gekürzt werden, fällt die Fördermenge rasch.

Dienstleister rund um die Gas- und Ölförderung sehen sich derzeit mit einer deutlich geringeren Nachfrage konfrontiert. Das beschleunigt den mit der geplanten Übernahme von Baker Hughes durch Halliburton begonnenen Konzentrationsprozess. Doch wer wie viel von der Zeche niedriger Ölpreise wirklich zahlen muss, bleibt vorerst offen.

Wechsel von Öl- auf Gasförderung in den USA

Scott Sheffield, Vorstandschef von Pioneer Natural Resources, einem großen Shale-Förderer in den USA, bewertet es als „offene Kriegserklärung“, dass die OPEC-Staaten am Golf diesmal nicht durch die Rücknahme ihrer Förderung ordnend in den Markt eingreifen. Ali al-Naimi, Saudi-Arabiens Ölminister, ist dagegen der Ansicht, Produzenten mit höheren Kosten wie in Russland, Afrika und Brasilien, aber auch in den USA sollten zuerst die Produktion zurücknehmen.

Die Amerikaner haben schon reagiert: Seit Oktober ist im Ölfeld Eagle Ford im Shalegebiet von Süd-Texas laut Halliburton die Zahl der Bohrtürme um 16 auf 190 gefallen. Die Anträge für neue Bohrlizenzen fielen um 30 Prozent.

Zudem kehren viele Firmen zu verstärkter Gasförderung zurück. Von 2010 bis zum Sommer 2014 hatten sie Öl wegen der höheren Erlöse bevorzugt. Nun sind die Ölpreise stärker verfallen als jene für Gas. Flexible Unternehmen erhöhen nun die Gasgewinnung.

Der Ölpreisverfall ist eine Feuerprobe für die Branche in den USA. Aber selbst wenn die Preise noch eine Weile niedrig bleiben, muss das nicht die Öl- und Gasproduktion aus Schiefervorkommen stoppen. Unternehmen wie EOG Resources oder Anadarko Petroleum haben nach Einschätzung großer Investmentbanken ausreichend dicke Finanzpolster, um Ölpreise von 60 bis 70 US-Dollar pro Barrel „bequem“ durchstehen können − ganz zu schweigen von multinationalen Konzernen aus China, Japan oder Saudi Arabien. Dagegen könnten höher verschuldete kleinere Unternehmen wie Laredo Petroleum, SandRidge Energy oder Range Resources unter Druck geraten. Das aber beschleunigt nur die Bereinigung der Unternehmenslandschaft.
 

Katharina Otzen
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 08.01.2015, 10:39 Uhr

Mehr zum Thema