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Enerige & Management > Stromnetz - Weniger netzstabilisierende Maßnahmen im 1. Quartal 2021 nötig
Quelle: Fotolia / Miredi
STROMNETZ:
Weniger netzstabilisierende Maßnahmen im 1. Quartal 2021 nötig
In ihrem 1. Quartalsbericht 2021 stellt die Bundesnetzagentur fest, dass das  Netzengpassmanagement die hohe Zuverlässigkeit des Elektrizitätssystems in Deutschland gesichert hat.
 
Netzstabilisierende Maßnahmen haben durch den Wandel des deutschen Stromsystems in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, berichtet die Bundesnetzagentur. Dieser Wandel sei geprägt durch den Ausbau von relativ lastfernen Windenergieanlagen, Veränderungen im konventionellen Kraftwerkspark und sich ändernde Rahmenbedingungen für den Stromhandel mit anderen Staaten. In ihrem 1. Quartalsbericht 2021 stellt die Behörde einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Netzeinspeisung in Deutschland von rund 41 % fest. Im Vergleichsquartal 2020 lag der Wert bei 53 %.

Bei gleichzeitigen Verzögerungen im Netzausbau mussten die Netzbetreiber häufig mit regulierenden Maßnahmen eingreifen, um eine Überlastung zu verhindern. Allerdings sank das gesamte Maßnahmenvolumen für Netzengpassmanagement im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 %. Im ersten Quartal 2021 wurden gut 3 % der erneuerbaren Energien im Rahmen von Einspeisemanagement-Maßnahmen (EinsMan) abgeregelt. Es konnten somit rund 97 % der erneuerbaren Erzeugung transportiert und genutzt werden.

Die absoluten Reduzierungen von Strom aus erneuerbaren Energien im Rahmen des EinsMan lagen im ersten Quartal 2021 bei 1,8 Mio. kWh und sind im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 37 % gesunken, teilt die Agentur mit. Das lag zum Teil an der Witterung mit weniger Wind und damit einer um 16,2 Mrd. kWh geringeren Stromerzeugung aus Erneuerbaren-Anlagen. Zudem konnten verbesserte Stromleitungen in Betrieb genommen werden.

Kernaussagen zum ersten Quartal 2021

Mit rund 62 % der Ausfallarbeit blieb Windenergie an Land der am meisten abgeregelte Energieträger, gefolgt von Windenergie auf See mit rund 36 %. Durch die sukzessive Inbetriebnahme von Netzausbauprojekten in Schleswig-Holstein ist, wie schon in den vorherigen Quartalen, ein Rückgang in den Reduzierungsmengen festzustellen. Der fortschreitende Netzausbau in Schleswig-Holstein führt zu einer Verlagerung von Engpässen nach Niedersachsen.

Die größten Mengen an Erneuerbarer Einspeisung wurde mit 47 % der gesamtdeutschen Ausfallarbeit in Niedersachsen abgeregelt. Danach folgt Schleswig-Holstein mit rund 38 %. Auch wenn rund 64 % der EinsMan-Maßnahmen Abregelungen von Anlagen betrafen, die im Verteilnetz angeschlossen sind, lag der verursachende Netzengpass zu rund 77 % im Übertragungsnetz oder in der Umspannebene zwischen Übertragungs- und Verteilnetz.
 
Dauer von strombedingten Redispatch-Maßnahmen auf den am stärksten betroffenen Netzelementen im 1. Quartal 2021
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 Quelle: BNetzA

Gesunkene Entschädigungsansprüche für Abregelung

Die Reduzierung von Anlagen im Verteilnetz ist im Vergleich zum Vorjahresquartal prozentual und absolut gesunken. Die von den Netzbetreibern geschätzten EinsMan-Entschädigungsansprüche der Anlagenbetreiber beliefen sich im ersten Quartal 2021 auf rund 238,3 Mio. Euro, rund 31 % unter denen des 1. Quartals 2020. Im Vorjahreszeitraum waren es 346,2 Mio. Euro. Die Entschädigungsansprüche pro MWh sind im Betrachtungszeitraum gestiegen, da im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vermehrt Offshore-Windenergieanlagen reduziert wurden.

Die Entschädigungsansprüche werden über die Netzentgelte von den Letztverbrauchern getragen, allerdings wird ein Teil dieser Kosten durch die Reduktion der ebenfalls vom Netznutzer zu zahlenden EEG-Umlage kompensiert, da durch EinsMan-Maßnahmen reduzierte Anlagen keine Vergütung oder Marktprämie nach dem EEG erhalten. Gleichzeitig sank aufgrund der EinsMan-Maßnahmen der Anteil erneuerbarer Erzeugung am Bruttostromverbrauch unter das tatsächlich durch die erneuerbaren Energien mögliche und vom Stromverbraucher finanzierte Potential.

Redispatch-Maßnahmen

Im Rahmen des Redispatchprozesses wurden Einspeisereduzierungen und -erhöhungen (inkl. Countertradingmaßnahmen) in Höhe von rund 4.357 Mio.kWh (2.230 Mio. kWh Einspeisereduzierungen und 2.127 Mio. kWh Einspeiseerhöhungen) von konventionellen Marktkraftwerken angefordert. Die Anforderungen zur Leistungsveränderung von Kraftwerken lagen damit im ersten Quartal 2021 rund 25 % unter denen des Vorjahresquartals mit 5.821 Mio. kWh. Die vorläufigen Einsatzkosten für Redispatch beliefen sich im ersten Quartal 2021 auf rund 118,0 Mio. Euro und befanden sich somit etwa auf dem Vorjahresniveau von 119,5 Mio. Euro. Netzreservekraftwerke

Die vorläufigen Vorhalte- und einsatzunabhängigen Kosten für die Netzreserve für das erste Quartal 2021 sind der Bundesnetzagentur bisher in Höhe von 52,4 Mio. Euro bekannt. Die Einsatzkosten lagen bei rund 22,1 Mio. Euro, so dass sich die Kosten für die Netzreserve auf rund 74,5 Mio. Euro summierten. Netzreservekraftwerke wurden an 44 Tagen mit rund 159 Mio. kWh eingesetzt, stellt die Bundesnetzagentur abschließend fest.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Montag, 01.11.2021, 15:28 Uhr

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