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Enerige & Management > Regenerative - Weniger Energiegenossenschaften gegründet
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Weniger Energiegenossenschaften gegründet
Die Zahl der Neugründungen von Energiegenossenschaften ist im vergangenen Jahr um 60 % zurückgegangen. Immer mehr Bürgergenossenschaften widmen sich der Wärmeversorgung. Das zeigt die aktuelle Jahresumfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV).
 
Seit 2006 wurden in Deutschland insgesamt 772 Energiegenossenschaften gegründet. Nachdem es in den Jahren zwischen 2010 und 2013 einen Boom mit jeweils weit über 100 Neugründungen gab, ist nun die Zahl drastisch eingebrochen: Nur noch 54 Neugründungen wurden 2014 verzeichnet (2013: 129). Zwar gebe es eine gewisse Sättigung, sagte der DGRV-Vorstandsvorsitzende Eckard Ott am 16. Juli in Berlin, „doch dieser starke Rückgang ist eine direkte Folge der EEG-Reform“.

Denn mit der Verpflichtung zur Direktvermarktung ab 500 kWp sei der Einstieg nicht mehr so attraktiv. Dazu kam die Verunsicherung durch drohende Regulierungskosten einer Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), solange nicht geklärt war, ob die Genossenschaften dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) unterliegen. Dies führte zu einem Investitionsstau von 290 Mio. Euro. Das KAGB-Problem wurde kürzlich gelöst: Energiegenossenschaften fallen nicht mehr unter die Regelungen. Unsicherheit gibt es hingegen weiterhin wegen des geplanten Übergangs vom festen Einspeisetarif zu Ausschreibungen für Erneuerbaren-Projekte.

Neue Geschäftsmodelle und Investitionen in Nahwärmenetze

Die Energiegenossenschaften haben insgesamt 130 000 Mitglieder, pro Genossenschaft sind es im Durchschnitt knapp 170 Mitglieder, 92 % davon sind Privatpersonen, 4 % Unternehmen und Banken, 2 % Landwirte und 2 % Kommunen, öffentliche Einrichtungen oder Kirchen. Das Gros der Beteiligungen (knapp zwei Drittel) liegt zwischen 1 000 und 6 000 Euro. 82 % der Genossenschaften widmen sich der Stromerzeugung, 7 % der Wärmeerzeugung, 20 % betreiben ein Wärmenetz.

„In den letzten drei Jahren sind 62 Energiegenossenschaften im Bereich Nahwärmenetze entstanden“, so Ott. „Wir sehen da noch viel Potenzial für weitere Neugründungen.“ Es gebe aber auch weiterhin einen Trend zur Windenergie. 4 % der Genossenschaften betreiben bereits eigene Anlagen, 15 % sind mit durchschnittlich 544 000 Euro an Windprojekten beteiligt. Gut ein Drittel plant in den kommenden 12 Monaten weitere Investitionen in die Windenergie.

40 % der Genossenschaften wollen in die Photovoltaik investieren, hier seien vor allem Anlagenpachtmodelle attraktiv, erläutert Ott. Die errichteten Anlagen werden dabei an Kommunen verpachtet, die sie betreiben. Auch neue Geschäftsmodelle haben die Genossenschaften für sich entdeckt: die Strom-Direktlieferung an Endkunden wie auch die Gründung von Dachgenossenschaften zur Stromvermarktung.

Das Mitgliederkapital der Energiegenossenschaften beläuft sich laut den Hochrechnungen auf insgesamt 438 Mio. Euro (Stand Ende 2014). In erneuerbare Energien investiert wurden insgesamt 1,67 Mrd. Euro. Die von Energiegenossenschaften installierte Leistung beläuft sich auf 933 MW. Das durchschnittliche Investitionsvolumen lag im vergangenen Jahr bei gut 2 Mio. Euro.

Akzeptanz durch Beteiligungsmöglichkeit

Auch wenn die bisher von Energiegenossenschaften installierte Leistung nur einen geringen Anteil an der Erneuerbaren-Kapazität in Deutschland hat, so leisten diese doch einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanz der Energiewende vor Ort. Das spiegelt sich auch in einer Blitzumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien unter Energie-Kommunen wider: Fast 80 % der Befragten sind demnach der Ansicht, dass Energiegenossenschaften und andere dezentrale Akteure einen großen bis sehr großen Beitrag zur Akzeptanz der Energieprojekte in ihren Kommunen leisten.

„Ohne Akzeptanz in der Bevölkerung wäre der Ausbau der erneuerbaren Energien in den Kommunen und Regionen gefährdet“, erklärt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der AEE. „Dadurch würden auch die mit der Energiewende verfolgten Klimaschutzziele Makulatur.“ Immerhin sind in gut einem Drittel der befragten Kommunen schon einmal Erneuerbaren-Projekte aufgrund fehlender Akzeptanz gescheitert.

Große Sorge bereitet den Genossenschaftlern die Einführung von Ausschreibungsverfahren auch für kleine Erneuerbaren-Projekte. „Das Ergebnis der ersten Ausschreibungsrunde für Photovoltaik-Freiflächenanlagen zeigt, dass eher große Unternehmen zum Zuge kommen. Akteursvielfalt sieht anders aus“, kritisiert DGRV-Vorstandschef Ott. Der Verband hat daher zusammen mit Greenpeace und dem IZES ein Modell entwickelt, das die Akteursvielfalt gewährleisten soll.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Donnerstag, 16.07.2015, 17:11 Uhr

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