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EUROPAEISCHE UNION:
Wem gehören die Netzdaten?
Die Netzbetreiber sind dabei, die Regulierungs-Empfehlungen der EU zum Austausch ihrer Systemdaten umzusetzen. Wie lange sie dafür noch brauchen, steht in den Sternen.
 
Der Dachverband der Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E hatte schon 2017 eine Methode (KORRR: key organisational requierements, roles and responsabilities) empfohlen, nach der die eigenen Mitglieder (TSOs), die Verteilnetzbetreiber (DSO) und die wichtigsten Nutzer der Stromnetze (SGU) Daten miteinander austauschen sollten. Sie war von der europäischen Regulierungsbehörde ACER weitgehend übernommen und den nationalen Regulierungsbehörden (NRA) zur Annahme empfohlen worden.

Bis 2019 hatten alle NRAs der EU diese Methode akzeptiert. Dabei geht es etwa darum, welche Informationen wie oft benötigt werden und wem sie wofür zur Verfügung stehen. Aktuelle (real time) Daten über den Netzbetrieb etwa müssen mindestens einmal pro Minute erhoben werden. Mit der Umsetzung lassen sich die betroffenen Unternehmen aber offenbar Zeit. Das betrifft vor allem die rund 2400 DSOs. Eine Prognose, wann das Standard-Daten-Modell in allen EU-Staaten vollständig umgesetzt ist, wollte auf einer Videokonferenz des Rates der Europäischen Regulierungsbehörden (CEER) am 17. Februar niemand abgeben.

Hürden weiter abgebaut

Die meisten TSO seien inzwischen in der Lage untereinander System-Daten auszutauschen, sagte Thomas Hölzer von der Bundesnetzagentur. Grundlage dafür sei ein gemeinsamer Text, auf den sich die TSOs und die NRAs verständigt hätten. Die Vorgaben aus Brüssel hätten in vielen Fällen dazu geführt, dass Hürden für den Datenaustausch zwischen den Netzbetreibern abgebaut oder ganz beseitigt wurden. Gleichzeitig könnten auch regionale und lokale Besonderheiten beim Datenaustausch berücksichtigt werden.

Denn die Unterschiede, die beim Datenaufkommen und der -übertragung berücksichtigt werden müssen, sind groß, vor allem auf der Ebene der rund 2.400 DSOs, die auf unterschiedlichen Spannungsebenen arbeiten. Nach einer Erhebung ihres europäischen Dachverbandes E.DSO sind die Übertragungsnetzbetreiber überwiegend zufrieden mit den Empfehlungen ihrer Regulierungsbehörden.

Bei den TSOs haben die DSOs, die an der Befragung teilnahmen (DSOs aus Osteuropa waren nicht vertreten) allerdings eine gewisse Zurückhaltung festgestellt, Daten mit den anderen Marktteilnehmern zu teilen. Beim Zuschnitt und der Formatierung der Daten werde den Bedürfnissen der DSOs nicht immer ausreichend Rechnung getragen, weil sie in die Umsetzung oft zu spät einbezogen würden.

Systemdaten werden immer wichtiger

Nicht immer seien die Wünsche der TSOs an den Datenfluss technisch nachvollziehbar, sagen manche DSOs. Grundsätzlich sei der Austausch vor allem aktueller Systemdaten aber gut für alle Netzbetreiber. Sie könnten das Netz besser beobachten und seien in der Lage, flexible Ressourcen besser einzusetzen. Eine Doppelung von Datenflüssen sollte aber vermieden werden. Dazu kommt es nicht zuletzt, wenn Daten von wichtigen Nutzern der Netze, insbesondere Kraftwerken mit mehr als 1 MW Leistung (SGU), gleichzeitig an TSO und DSOs übermittelt werden.

In Brüssel sind sich Regulierer und Stromlobby einig, dass Systemdaten immer wichtiger werden, um Verteil- und Übertragungsnetze sicher und effizient zu betreiben. Eine Integration der erneuerbaren Energien, betonte Jakub Fijalkowski von der EU-Kommission, werde ohne einen reibungslosen Datenfluss zwischen allen Beteiligten nicht möglich sein. Dies werfe allerdings auch die Frage der Sicherheit auf. Die Datenflüsse müssten gegen Cyberangriffe geschützt werden und die Verarbeitung von Personendaten dürfe nur nach den Vorschriften des Datenschutzes erfolgen.

Hier gibt es einen klaren Interessenkonflikt. Übereinstimmung besteht darin, dass ein Netz mit vielen Akteuren transparent und vorhersehbar sein muss. In Italien beispielsweise erzeugten im Jahr 2000 noch 2.915 Kraftwerke Strom (277 Mrd. kWh), 2019 waren es bereits 896.417 Anlagen (295 Mrd kWh). Transparenz setze den Zugang aller zu allen vorhandenen Daten voraus, sagt Thomas Hölzer. Aus Sicherheitsgründen müssten bestimmte Informationen wie Wartungspläne für Kraftwerke oder die genaue Lage einer privaten PV-Anlage aber vertraulich bleiben.

Ein bislang ungelöstes Problem ist, wem die Daten gehören, die beim Betrieb von Kraftwerken und Stromnetzen oder bei den Verbrauchern (Smart Meter) anfallen. Grundsätzlich sollen sie allen zur Verfügung stehen, nach Möglichkeit auf öffentlich zugänglichen Plattformen. Nutzer müssten dann allerdings sicher sein, dass sie das auch dürfen oder wen sie dafür bezahlen müssen.
 
 

Tom Weingärtner
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 17.02.2021, 17:06 Uhr

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