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Enerige & Management > Wasserstoff - Weltweites Liefernetz soll Versorgung sichern
Quelle: Shutterstock / Tomasz Makowski
WASSERSTOFF:
Weltweites Liefernetz soll Versorgung sichern
Auf einer Wasserstofftagung in Essen diskutierten Experten, woher der nachhaltige Wasserstoff für eine dekarbonisierte Industrie kommen kann und wie er transportiert werden soll.
 
Auf dem „Wasserstoffgipfel“ des Handelsblatts ging es am 8. Juni in Essen auch um die künftige Energie- und Rohstoffversorgung der deutschen Industrie. Für den Stahlhersteller Thyssen Krupp kündigte Marie Jaroni, Vorstand für Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit, an, dass 2026 die erste Direktreduzierungsanlage in Betrieb gehen soll. Sie benötige allerdings allein 70.000 Tonnen Wasserstoff jährlich: „Dafür suchen wir jetzt Lieferanten.“ Zur Not könne die Anlage auch mit Erdgas betrieben werden, falls nicht genug Wasserstoff zur Verfügung stehen sollte.

Auch angesichts der unsicheren russischen Erdgaslieferungen bedaure ihr Unternehmen die Investitionsentscheidung nicht. „Wir haben uns vorgenommen, bis 2030 unsere Klimagasemissionen um 30 % zu senken“, sagte Jaroni. Das bedeute 6 Mio. Tonnen CO2-Einsparung jährlich, bei dieser Strategie bleibe es. Ein Projekt mit der Steag sei dafür im Entstehen, das Wasserstoff aus Strom in Duisburg direkt produziert. „Das kann nicht Perspektive für alle Anlagen sein, aber für die erste“, erläuterte Jaroni.

Industrieproduktion wettbewerbsfähig halten

Thyssen Krupp suche gerade nach Partnern, um künftig Wasserstoff nach Duisburg zu transportieren. Auch erneuerbarer Strom für Schmelzöfen werde mittels Direktlieferverträgen (PPA) geordert. „Die neue Bundesregierung bringt in Zuschüsse zu Opex- und Capex-Kosten noch einmal mehr Schwung hinein“, lobte Jaroni. Dies seien nur Anschubfinanzierungen in der Transformationsphase, versicherte sie.

Es ginge auch darum, weiter in Deutschland gute Produkte herzustellen und der Welt zu zeigen, dass klimafreundliche Produktion möglich ist. „Wir brauchen ein gutes Hydrogene Backbone, um die Wasserstoffwirtschaft hochfahren zu lassen“, forderte Jaroni für den Netzausbau.

Stiftung "H2Global"

Eine gemeinsame Plattform für die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette biete die Stiftung „H2Global“, warb Axel Wietfeld, CEO von Uniper Hydrogen. Sie habe schon 35 Stifter und noch von der vorherigen Bundesregierung 900 Mio. Euro bekommen. Ende des Jahres werde dafür in einer ersten Auktion je zu einem Drittel klimaneutrales Methanol, Ammoniak und Flugzeugtreibstoff ausgeschrieben. „Die neue Bundesregierung hat die Förderung bestätigt und mehr in Aussicht gestellt“, sagte Wietfeld.

Er sieht zugleich ein großes Potential auch für die inländische H2-Produktion. Sein Unternehmen habe bereits damit begonnen in einem „Reallabor der Energiewende“ im Energiepark Bad Lauchstädt. Als nächstes folge ein Elektrolyseur mit einer Leistung von bis zu 1.000 MW in Wilhelmshaven. „Wir sind aber auch in den Niederlanden und Großbritannien aktiv und bauen Kavernenspeicher für Wasserstoff um“, berichtet Wietfeld.

Diverse Lieferketten gegen Abhängigkeit

Durch Importe aus anderen Ländern entstünden natürlich auch neue Abhängigkeiten. Wichtig sei hier, das Risiko zu streuen, um im Falle politischer Instabilitäten eine breite Lieferbasis zu haben. Er favorisierte Schiffstransporte weil sie keine teuren Pipelines benötigen und keine Bindung an einzelne Lieferanten bedeuteten. Auch diese Transportmittel wären zu dekarbonisieren, aber er sei optimistisch, dass Reeder und Werften das bereits im Blick haben.

Thekla von Bülow, Principal für Commissioned Projects der Aurora Energy Research, nannte Wasserstoffpipelines aus Nordafrika als billigste Transportwege für große Mengen Wasserstoff. In Nordafrika sei die Herstellung von erneuerbarem Strom besonders günstig und die Entfernung nach Europa nicht so groß. Für den Transport per Schiff sei die Umwandlung von H2 in Ammoniak (NH3) am günstigsten. Über kürzere Strecken könnten auch Straßentransporte möglich sein, zum Beispiel aus Polen oder der Ukraine.

Diverse Lieferketten gegen Abhängigkeit

Durch Importe aus anderen Ländern entstünden natürlich auch neue Abhängigkeiten. Wichtig sei hier, das Risiko zu streuen, um im Falle politischer Instabilitäten eine breite Lieferbasis zu haben. Er favorisierte Schiffstransporte weil sie keine teuren Pipelines benötigen und keine Bindung an einzelne Lieferanten bedeuteten. Auch diese Transportmittel wären zu dekarbonisieren, aber er sei optimistisch, dass Reeder und Werften das bereits im Blick haben.
 
Bei der Diskussion auf dem Wasserstoffgipfel: v.l. Thekla von Bülow (Aurora Energy Research), Axel Wietfeld (CEO Uniper Hydrogen),
Marie Jaroni (Thyssen Krupp Steel)
Quelle: Handelsblatt

Thekla von Bülow, Principal für Commissioned Projects der Aurora Energy Research, nannte Wasserstoffpipelines aus Nordafrika als billigste Transportwege für große Mengen Wasserstoff. In Nordafrika sei die Herstellung von erneuerbarem Strom besonders günstig und die Entfernung nach Europa nicht so groß. Für den Transport per Schiff sei die Umwandlung von H2 in Ammoniak (NH3) am günstigsten. Über kürzere Strecken könnten auch Straßentransporte möglich sein, zum Beispiel aus Polen oder der Ukraine.

Blauer Wasserstoff noch im Rennen

Trotz des aktuellen Erdgasengpasses wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine habe sich blauer Wasserstoff nicht erledigt, meinte von Bülow. Die Erdgaspreise würden sich irgendwann wieder stabilisieren und mit einer Abscheidung des Treibhausgases CO2 sei auch Wasserstoff aus Erdgas klimafreundlich.

Ab 2035 bis 2040 rechnet von Bülow mit Preisen um 3 Euro/kg auch für grünen Wasserstoff aus erneuerbarem Strom. Womit er konkurrenzfähig würde. „Das ist ein Problem für heute abgeschlossene sehr langfristige PPA“, warnte die Wissenschaftlerin. Hier sollten Flexibilitäten in den Verträgen einkalkuliert werden, damit keine Nachteile für die Pioniere der Branche entstehen, riet von Bülow.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 08.06.2022, 15:37 Uhr

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