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Enerige & Management > Stromnetz - Weltmeister der Ökostrom-Integration
Bild: Fotolia.com, lekcets
STROMNETZ:
Weltmeister der Ökostrom-Integration
Während in Süddeutschland der Stromnetzausbau für die Energiewende aktuell auf starke Akzeptanzvorbehalte stößt, kommt der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz beim Leitungsbau und bei der Integration erneuerbarer Energien offenbar gut voran.
 
„Der Netzausbau hat bei uns spürbar Fahrt aufgenommen“, sagt Boris Schucht. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der 50Hertz Transmission GmbH zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 12. März in Berlin in Anbetracht des Widerstands gegen neue Stromleitungen in Bayern zufrieden mit den eigenen Fortschritten.

Der für Ostdeutschland und den Hamburger Raum zuständige Übertragungsnetzbetreiber hat seit 2009 rund 250 km neue Leitungen in Betrieb genommen, etwa 240 km seien aktuell in Bau, rund 450 km im Genehmigungsverfahren. Und auch für den dritten Abschnitt der so genannten Südwestkuppelleitung, die unter dem Namen Thüringer Strombrücke bekannt gewordene und zeitweise aus Umweltgründen stark umstrittene Übertragungsverbindung durch den Thüringer Wald, erhofft sich Schucht noch für dieses Jahr die Genehmigung.

Der erste Abschnitt – 76 km zwischen Lauchstätt in Sachsen-Anhalt und Viesselbach in Thüringen − sei fertiggestellt. Mit dem Bau des zweiten Abschnitts – 57 km zwischen Viesselbach und Altenfeld − sei im vergangenen Jahr begonnen worden. Er sei zuversichtlich, bald mit dem Bau des dritten Abschnitts im 50Hertz-Gebiet zwischen Altenfeld und der Landesgrenze zu Bayern im südwestlichen Thüringen beginnen zu können. Ziel ist, die gesamte Leitung bis zur Abschaltung des nordbayerischen Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld Ende 2015 fertigzustellen.

Fortschritte bei der Thüringer Strombrücke

Die Südwestkuppelleitung soll mit 3 600 MW Übertragungskapazität vor allem Windstrom aus Ostdeutschland in Richtung Süden transportieren und den Wegfall der Stromproduktion in Grafenrheinfeld ausgleichen helfen. Es sei aber nicht auszuschließen, dass gegen die Genehmigung des letzten Abschnitts geklagt werde, meinte Schucht, und blieb deshalb bei seiner vorsichtigen Prognose, die neue Leitung „zeitnah zur Außerbetriebnahme von Grafenrheinfeld“ in Betrieb zu nehmen.

Den Weg von 50Hertz, durch rechtzeitige, umfassende und transparente Information der Öffentlichkeit Akzeptanz zu schaffen und damit den Bau von Leitungen voranzubringen, hält er für unumgänglich – nicht zuletzt auch für die vor allem in Bayern umstrittene Gleichstrompassage Südost. „Man kann die Energiewende und den dafür notwendigen Netzausbau nicht gegen die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen erfolgreich verwirklichen und auch nicht gegen die Bevölkerung“, mahnte der 50Hertz-Chef. Die politische Unterstützung des Netzausbaus hält er für besonders wichtig. Erst das Bekenntnis der thüringischen Landesregierung zur Thüringer Strombrücke habe den Weg frei gemacht für Fortschritte bei diesem Projekt.

50Hertz ist aber im letzten Jahr nicht nur mit der Südwestkuppelleitung vorangekommen Schucht nannte als weitere wichtige Projekte die Seekabelverlegung für den Offshore-Windpark Baltic 2 in der Ostsee, die noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, die Leitung von Bärwalde nach Schmölln in Sachsen, die bei laufendem Betrieb durch einen Neubau direkt daneben ausgebaut worden sei, sowie Erweiterungen der Umspannwerke Altentreptow-Nord und Perleberg in Brandenburg. Ein Erfolg des Netzausbaus zeigte sich laut Schucht in einem erheblichen Rückgang der so genannten Kosten für Redispatch, also Eingriffe des Netzbetreibers zum Zweck der Systemsicherheit.

Milliardeninvestitionen in den Netzausbau

Die Investitionen des Unternehmens stiegen nach Aussagen von Finanzvorstand Udo Giegerich im Jahr 2013 deutlich auf 400 Mio. Euro an − nach 254 Mio. Euro im Jahr davor. Bis 2023 will 50Hertz insgesamt etwa 4 Mrd. Euro in den Netzausbau investieren. Die Finanzierung des Umbaus der Energieversorgung bedürfe eines politischen Rahmens, der für Planungs- und Investitionssicherheit sorge, forderte Schucht. Die Vorschläge der Bundesregierung zur EEG-Reform begrüßte er ausdrücklich als in die richtige Richtung gehend, weil sie den Kostenanstieg eindämmten.

Stolz zeigte sich der Unternehmenschef darauf, dass 50Hertz weiter „Weltmeister bei der Integration erneuerbarer Energien“ sei. Im vergangenen Jahr habe sich der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in der Regelzone des Netzbetreibers von 35 auf knapp 37 % erhöht. Damit sei in Ostdeutschland schon fast das erreicht, was die Bundesregierung für 2025 insgesamt plant, nämlich ein Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch von 40 %. „Das 50Hertz-Netzgebiet ist weiterhin Vorreiter bei der Integration volatiler erneuerbarer Energien – keine Region weltweit hat einen so hohen Anteil“, betonte Schucht.

Die 821 Mitarbeiter der 50Hertz Transmission GmbH erwirtschafteten 2013 rund 8,6 Mrd. Euro Umsatz. Das Nettoergebnis nach Steuern lag bei etwa 166 Mio. Euro, bereinigt um einmalige Sondereffekte bei rund 110 Mio. Euro. In der Regelzone des Netzbetreibers sind 44 000 MW Stromerzeugungsleistung installiert, knapp 23 000 davon sind erneuerbare Erzeuger. Diese produzierten 36,7 Mrd. kWh Ökostrom. Der Stromverbrauch im 50Hertz-Gebiet lag im Jahr 2013 bei 98 Mrd. kWh.
 

Peter Focht
Redakteur
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Mittwoch, 12.03.2014, 17:28 Uhr

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