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Quelle: Fotolia / Tom Bayer
STROMNETZ:
Weiterer Stresstest für Strommarkt geplant
Die Ergebnisse des ersten Stresstests der Übertragungsnetzbetreiber aus dem Frühjahr wurden nun veröffentlicht. Ein weiteres Szenario unter verschärften Bedingungen soll folgen.
 
Die Stromversorgung im Winter 2022/2023 ist sicher – so lautet das Ergebnis eines Stresstests der vier Übertragungsnetzbetreiber, den das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in Auftrag gegeben hatte und der nun veröffentlicht wurde. Die Sonderanalyse wurden in den Monaten März bis Mai durchgeführt. Nun soll eine weitere folgen, sagte eine BMWK-Sprecherin auf Anfrage der Redaktion. Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet.

Es habe ein wenig gedauert, bis die Unternehmen die Daten aufbereitet hätten, so die Ministeriumssprecherin auf die Frage, warum die Ergebnisse aus dem ersten Stresstest jetzt erst veröffentlicht wurden. „Auf Basis der getroffenen Annahmen kommt die Sonderanalyse zu dem Ergebnis, dass ein sicherer Betrieb des Elektrizitätsversorgungsnetzes im Winter 2022/23 gewährleistet ist“, heißt es vom BMWK.

Zu den Annahmen gehörte unter anderem ein Gaspreis von 200 Euro/MWh und dass systemrelevante Gaskraftwerke weiter mit Brennstoff versorgt werden, selbst bei einem Stopp der russischen Gaslieferungen. Mit eingerechnet wurde auch eine geringere Stromerzeugung der französischen Kernkraftwerke, bei gleichzeitigem Festhalten am deutschen Kernkraftwerkausstieg zum Ende des Jahres.

Annahmen werden nochmals verschärft

„Es kommt unter den getroffenen Annahmen zu keiner Lastunterdeckung“, heißt es in dem ersten Sonderbericht. Für Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist die Versorgungssicherheit im Strombereich auf Basis des ersten Stresstestes daher gewährleistet. Aber um die Vorsorge weiter zu stärken, habe er jetzt einen zweiten Stresstest veranlasst.

Wie die Ministeriumssprecherin sagte, sollen in die zweite Sonderanalyse noch höhere Gaspreise, ein noch gravierenderer Ausfall von Gaslieferungen und ein noch stärkerer Ausfall von französischen Atomkraftwerken einfließen. Es gehe darum festzustellen, ob die Versorgungssicherheit im Stromsektor und der sichere Betrieb des Netzes auch unter den verschärften Annahmen gewährleistet werden können.

Außerdem solle die Sondersituation in Süddeutschland in den Blick genommen werden. Es gebe in Bayern zwar Gaskraftwerke, aber wenige Kohlekraftwerke und auch wenige Windkraftanlagen, die letzten Kernkraftwerke sollen Ende 2022 vom Netz gehen. Zudem verzögern sich die großen Gleichstromleitungen, die Windenergie aus dem Norden in den Süden bringen sollen immer weiter. Mittlerweile ist bei Südlink und Südostlink von Ferigstellungsterminen im Jahr 2028 die Rede. Ursprüglich hätten sie zur Abschaltung der letzten Kernkraftwerke zur Verfügung stehen und Ersatzstrom liefern sollen. Zur Sicherheit werden jetzt Nofallkraftwerke gebaut. Aber auch hier gibt es, wie berichtet, Verzögerungen: Eine Anlage in Marbach wird nicht wie geplant im Oktober fertig.

Zustimmung von der Union

Die Union hat den zweiten Stresstest zur Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland begrüßt. Die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Anja Weisgerber, sagte: „Als Union haben wir seit Monaten auf eine mögliche Stromlücke vor allem im Süden hingewiesen. Die Ampel-Regierung muss die Versorgungssicherheit gewährleisten und dazu alle notwendigen Optionen ziehen.“ Hierzu gehöre auch der befristete Weiterbetrieb der letzten drei Kernkraftwerke.

Die erste „Sonderanalyse zur Stromversorgung Winter 2022/23   “ kann auf der Internetseite des BMWK heruntergeladen werden.
 

Stefan Sagmeister
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Montag, 18.07.2022, 13:58 Uhr

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