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Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Zeitungausgabe - Weiter Weg zur Smart City
Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN ZEITUNGAUSGABE:
Weiter Weg zur Smart City
Viele Städte zeigen gute Ansätze. Doch die Bezeichnung Smart City verdient einer Analyse von Haselhorst Associates und der TU Darmstadt zufolge noch keine Kommune.
 

Welches Verständnis haben kommunale Entscheider und Stadtplaner vom Begriff Smart City? Diese Frage werfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt in einem 2021 veröffentlichten Bericht zur digitalen Transformation von Städten auf. Die in Zusammenarbeit mit den Beratern von Haselhorst Associates entstandene Analyse untersucht die Verbindung smarter und nachhaltiger Stadtentwicklung. Zumindest in der Theorie sei die Vernetzung beider Bereiche klar verankert. Umso verwunderlicher sei es, dass die Umsetzung in der Praxis noch viel zu wünschen übrig lasse, schreiben die Autoren des Reports. Nachhaltigkeit und eine intelligente Stadtentwicklung würden sogar oft getrennt voneinander betrachtet.

Dass eine Smart City ihr volles Potenzial nur dann entfalten kann, wenn sie auf der Grundlage einer umfassenden Digitalisierungsstrategie geplant und realisiert wird, liegt auf der Hand. Doch nur wenn die Digitalisierung in ihren verschiedenen Facetten von den Nutzern, vor allem von den Bürgerinnen und Bürgern, angenommen wird, kann sie auch ihre Wirkung entfalten. Deshalb sehen die Verfasser der Smart-City-Analyse die Kommunikation des Konzepts als wesentlichen Erfolgsfaktor, um zu einer nachhaltigen und letztlich auch auf Resilienz ausgerichteten Stadtentwicklung zu kommen. Denn Resilienz − also die Fähigkeit eines Systems, sich an Krisensituationen anzupassen, diese durchzustehen und sich danach auch wieder davon zu erholen − sei mittlerweile angesichts der Risiken des Klimawandels und einer fortschreitenden Urbanisierung als „politisches Narrativ und vorausschauendes sozio-technisches Konzept“ etabliert.

Stadtentwicklung auch auf Resilienz ausgerichtet

Vor diesem Hintergrund haben die Wissenschaftler und Berater die 403 größten deutschen Städte mit mehr als 30.000 Einwohnern untersucht und anhand von acht Kategorien bewertet: Strategie und Umsetzung, Digitale Infrastruktur, Digitale Mobilität, Digitale Energie und Umwelt, Digitale Gebäude und Quartiere, Digitale Gesundheit, Digitale Bildung sowie Digitale Verwaltung.

Die Analyse zeigt, dass eine intelligente Stadtentwicklung grundsätzlich keine Frage der Einwohnerzahl ist. So belegt das rund 32.000 Einwohner zählende Bad Nauheim im hessischen Wetteraukreis, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt, knapp hinter der südhessischen Universitätsstadt Darmstadt den fünften Platz, während München, Hamburg und Köln die ersten drei Plätze einnehmen. Arno Haselhorst, Gründer und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft, gibt allerdings zu bedenken: „Noch nicht einmal die aktuellen Spitzenreiter erzielen einen Digitalisierungsgrad von 50 Prozent.“ Die Mehrheit lag sogar unter 20 %. Die Defizite beginnen demnach schon beim strategischen Vorgehen: Knapp ein Viertel der untersuchten Kommunen habe noch nicht einmal eine Roadmap für ihre Digitalisierung aufgestellt.

Befürchtung, dass Klimaziele verfehlt werden

Wenn die Digitalisierung in den Kommunen nicht endlich „massiv“ voranschreite, werde Deutschland seine Klimaziele verfehlen, befürchtet Haselhorst. „Eine Energiewende ohne eine intelligente und ressourcenschonende Fortentwicklung der Kommunen ist schlichtweg nicht machbar“, so der Berater.

Vorbildlich in Sachen „Digitale Infrastruktur“ − mit Gesamtwert 100 % − ist Norderstedt. An zweiter Stelle dieser Kategorie, die vor allem den Glasfaserausbau als Maßstab heranzieht, steht das bayerische Rosenheim (96 %), gefolgt vom nordrhein-westfälischen Ahaus mit gleicher Punktzahl. Köln und Passau folgen im Abstand von jeweils einem Prozentpunkt knapp dahinter.

In der Kategorie „Energie und Umwelt“ liegt Darmstadt auf dem ersten Platz mit einem Digitalisierungsgrad von 48 %, gefolgt von Wolfsburg, Köln und Bonn mit jeweils 44 %. An fünfter Stelle kommt Kiel mit 42 %. Die Berater weisen darauf hin, dass ein Ausbau der erneuerbaren Energien eine Digitalisierungsstrategie voraussetze, die beispielsweise die Stromnetze einschließt. „Viele Städte haben den Ausbau der Erneuerbaren bereits in den Fokus gestellt und umfangreiche Klimaschutzkonzepte aufgestellt, die jedoch teilweise schon veraltet sind. Was häufig noch fehlt, sind gezielte Digitalisierungsinitiativen, die mit den Klima- und Umweltschutzstrategien sinnvoll verzahnt sind“, schreiben sie in ihrer Zusammenfassung.

In der Kategorie „Mobilität“ hat Gera die Nase vorn mit 39 %. Dahinter folgen Darmstadt (38 %) und Arnsberg in Nordrhein-Westfalen sowie Cottbus mit jeweils 37 %. Es zeige sich zwar, dass eine große Zahl von Städten bereits Pilotprojekte im Bereich E-Mobilität und Carsharing gestartet hat, eine intelligente, vernetzte Verkehrssteuerung und Smart-Parking-Strategien seien bislang jedoch wenig verbreitet.

Eine wesentliche Bedeutung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Städten hat der Gebäudesektor. Allerdings hinkt er bei der Umsetzung der nationalen Klimaziele anderen Sektoren hinterher. Dies liegt den Verfassern der Analyse zufolge daran, dass die Emissionen der privaten Haushalte im Jahr 2020 weiter gestiegen waren auf insgesamt 120 Mio. Tonnen. Um diesen Wert bis 2030 auf 67 Mio. Tonnen zu reduzieren, sei vor allem eine Versorgung mit erneuerbaren Energien notwendig sowie energieeffizientes Bauen und Sanieren.

„Auch wenn bei der Neuentwicklung von Quartieren inzwischen häufiger nachhaltige Bauprojekte umgesetzt werden, hinken viele Kommunen noch massiv hinterher und greifen viel zu selten auf den Einsatz gezielter Digitalisierungstechnologien in diesem Bereich zurück“, heißt es weiter. Führend in dieser Kategorie ist Darmstadt mit einem Wert von 41 %, gefolgt von Heidelberg und Dortmund (jeweils 38 %) sowie München und Mannheim (jeweils 37 %).

 

Fritz Wilhelm
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