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Enerige & Management > Baden-Württemberg - Weg frei für Brennstoffzellenfabrik
So soll das neue "Klimawerk" einmal aussehen, Quelle: Cellcentric
BADEN-WÜRTTEMBERG:
Weg frei für Brennstoffzellenfabrik
Das war unerwartet deutlich: 70 % der Bürger von Weilheim an der Teck stimmten für die Ausweisung eines Gewerbegebietes und machten so den Weg frei für eine Brennstoffzellenfabrik.
 
30 Hektar soll das neue Gewerbegebiet "Rosenloh" umfassen, über das die Bürgerinnen und Bürger der baden-württembergischen Stadt Weilheim an der Teck abstimmen konnten. Und sie entschieden sich klar dafür: 70,07 % sprachen sich für die Erschließung der Fläche aus, 29,93 % waren dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,7 %, von den 10.300 Einwohnerinnen und Einwohner waren 8.100 wahlberechtigt.

Mit der Zustimmung wurde vor allem auch der Weg frei gemacht für den Bau einer Brennstoffzellenfabrik durch die Firma Cellcentric. Sie soll etwa die Hälfte des ganzen Areals in Anspruch nehmen, das bisher landwirtschaftlich genutzt wird und am Ortsrand in der Nähe der Autobahn A 8 liegt. Das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck und Volvo will dort im sogenannten "Klimawerk" Brennstoffzellen für schwere Lastwagen entwickeln und serienmäßig produzieren.

Bisher unterhält Cellcentric Forschungsstandorte zum Thema Brennstoffzellen im benachbarten Kirchheim und in der Kreisstadt Esslingen. In neuen Gewerbegebiet soll in Zukunft alles zusammengefasst werden. Mit den Bauarbeiten will das Unternehmen im kommenden Jahr beginnen, die Produktion soll spätestens Anfang 2026 starten. Insgesamt sind am Standort 800 Arbeitsplätze geplant, davon 500 neue.

Die Erleichterung über das Abstimmungsergebnis ist in der Landes- und Kommunalpolitik riesig. Und natürlich auch bei Cellcentric selbst. Das bedeute ein klares Ja in Richtung Klimawende, sagte eine Sprecherin. Als Ausgleich für den Flächenverlust sollen ökologisch gestaltete Grünflächen geschaffen werden. Außerdem will die Firma Abwärme aus der Produktion fürs Gewerbegebiet und angrenzende Bereiche zur Verfügung stellen. Vorgesehen ist auch der Bau einer Entlastungsstraße, um den Lärmpegel im Ort zu senken. Über das Investitionsvolumen wurden keine Angaben gemacht.

Kretschmann: "Rückenwind" durch hohe Wahlbeteiligung

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der sich schon im Vorfeld für den Bau der Fabrik starkgemacht hatte, freute sich über den deutlichen Ausgang des Bürgerentscheids: "Auch die hohe Wahlbeteiligung gibt dem Projekt jetzt viel Rückenwind."

Bürgermeister Johannes Züfle (Freie Wähler) erklärte, der Bürgerentscheid eröffne ortsansässigen Betrieben Perspektiven für eine Entwicklung in der Stadt. "Arbeitsplätze und Steuerkraft werden hier gebunden." Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz, in dessen Wahlkreis die Gemeinde liegt, sprach von einer richtungsweisenden Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger.

Zufrieden ist man auch in Wirtschaft und Industrie. Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick: "Die Brennstoffzellen-Technologie ist für den Weg in eine emissionsfreie Wirtschaft unverzichtbar. Es ist von herausragender Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, dass Zukunftsindustrien hier die Möglichkeit zur Ansiedlung erhalten." Mit ihrem erfreulicherweise eindeutigen Votum hätten sich die Weilheimer für die Klimawende und die dafür notwendigen neuen Arbeitsplätze sowie für zusätzliche Wertschöpfung entschieden − "Das war eine gute Entscheidung", so Dick.

Dass das Bürgervotum so klar ausfällt, damit war in der Region nicht gerechnet worden, hatten sich doch Projektgegner in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen und massiv Stimmung gegen das Vorhaben gemacht. Bemängelt wurde vor allem der hohe Flächenverbrauch. Die Gewerbeansiedlungen ließen sich auch auf bereits bestehenden industriellen Brachflächen verwirklichen, wurde argumentiert. Auch der Landesverband des "BUND" hatte sich entschieden gegen Rosenloh gestellt.

Bei einer Informationsveranstaltung am 12. April in der Weilheimer Stadthalle mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten Kretschmann, Kommunalpolitiker und Vertreter von Cellcentric, noch einmal für das Zukunftsprojekt geworben. Da waren sich Beobachter aber nicht sicher, ob Gegner oder Befürworter bei der Abstimmung das Rennen machen würden. Umso erstaunlicher jetzt, wie klar das Ergebnis ausgefallen ist.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Dienstag, 26.04.2022, 14:44 Uhr

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