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Enerige & Management > F&E - Wasserstoffimporte aus Sonnenstaaten "kein Selbstläufer"
Quelle: Fotolia / alphaspirit
F&E:
Wasserstoffimporte aus Sonnenstaaten "kein Selbstläufer"
Der Import von H2 ist hierzulande ein Baustein, um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Eine Studie bewertet das Potenzial von Energieimporten aus Sonnenstaaten.
 
Wind und Sonne liefern in Deutschland nicht genügend Energie, um künftig den Bedarf an grünem Wasserstoff zu decken. Im Jahr 2030 soll dieser bei 90 bis 110 Mrd. kWh liegen. 14 Mrd. davon soll die heimische Produktion decken, der große Rest soll aus dem Ausland kommen. 

Der verlässliche Sonnenschein in Nordafrika oder dem Mittleren Osten verspricht geringe Stromkosten zur Herstellung von grünem Wasserstoff. Eine Studie unter Beteiligung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG hat die Potenziale von Energieimporten aus den Sonnenstaaten analysiert und im Fachjournal Computers & Industrial Engineering vorgestellt. 

Die Forschenden machen ein Fragezeichen dahinter, wie die deutsche und auch andere Regierungen der EU den internationalen Handel mit grünem Wasserstoff und synthetischem Methan initiieren und wirtschaftlich gestalten wollen. Klar sei lediglich, dass der Import aus den Sonnenstaaten kein Selbstläufer sei. Die notwendigen Importe seien zu groß und zu kostspielig, um ohne starke politische Unterstützung und ohne hohe Sicherheit der langfristigen Abnahme durchgeführt zu werden. 

Import ist kein billiges Patentrezept

In ihrer Studie berechnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler detailliert Preise für grünen Wasserstoff und Methan von über 100 Euro je MWh im Jahr 2030 und knapp unter 100  Euro je MWh im Jahr 2050. Zum Hintergrund: Der derzeitige Preis für Methan liegt am europäischen Rohstoffmarkt bei rund 30 Euro je MWh. Ben Pfluger, beim Fraunhofer IEG Leiter Integrierte Energieinfrastrukturen, erklärt: "Die hohen Kosten zeigen, dass der Import von E-Fuels nach Europa kein billiges Patentrezept ist, um Engpässe beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu umgehen oder eine Transformation auf der Angebotsseite zu erreichen."

Die Kosten für aus Wasserstoff hergestellte synthetische Kraftstoffe müssten gegen andere Optionen abgewogen werden. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstoffimporte aus Nordafrika und dem Mittleren Osten nach Europa nennen die Forschenden zwei Variablen: vergleichbare Risikoaufschläge für Investitionskapital wie in Europa und geringe Transportkosten. Zudem könne ein gebremster Ausbau der Erneuerbaren in Europa, etwa aufgrund fehlender Ausbauflächen für Windkraft und Photovoltaik, Importe begünstigen.

Beträchtliche Vorlaufzeiten nötig

Die Forschenden sehen den Ball bei der Politik. "Politische Entscheidungsträger, die den Import von grünem Wasserstoff oder Kraftstoffen anstreben, sollten jetzt mit der Entwicklung von Maßnahmen in dieser Richtung beginnen, da Infrastrukturprojekte in der hier diskutierten Größenordnung eine beträchtliche Vorlaufzeit haben", appellieren sie. Ihre Analyse zeige zwar, dass die E-Fuel-Produktion in der Region von Nordafrika bis in den Mittleren Osten zwar attraktiv sei, insbesondere aufgrund des hohen Solarpotenzials. Allerdings könnten Entwicklungen bei den Kapital- und Transportkosten die Vorteile der Region schmälern oder gar ganz zunichtemachen.

Neben dem Fraunhofer IEG arbeiteten auch Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und der DVGW-Forschungsstelle am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) an der Studie mit. 

Die wissenschaftliche Originalveröffentlichung der Studie ist unter dem Titel "Supply curves of electricity-based gaseous fuels in the MENA region"    in der Dezemberausgabe des Fachjournals Computers & Industrial Engineering im Internet unter sciencedirect.com erschienen. 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Dienstag, 18.01.2022, 15:04 Uhr

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