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Enerige & Management > Österreich - Wasserstoff zur Stromnetz-Entlastung
Quelle: Fotolia / YuI
ÖSTERREICH:
Wasserstoff zur Stromnetz-Entlastung
Das burgenländische Netz kann den geplanten weiteren Ökostromausbau nicht verkraften. Zur Abhilfe soll ein Wasserstoffprojekt dienen, das demnächst beim Regulator eingereicht wird.
 
Voraussichtlich im ersten Quartal 2023 beantragt die für die österreichische Gas-Infrastruktur verantwortliche Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) bei der Energiemarkt-Regulierungsbehörde E-Control den Bau einer Wasserstoffpipeline von Zurndorf im Nordburgenland nach dem etwa 50 Kilometer entfernten Wien. Das berichtete der Geschäftsführer der Netz Burgenland, Wolfgang Trimmel, am 7. Dezember bei einem Pressegespräch des Forums Versorgungssicherheit, einer Kooperation mehrerer ostösterreichischer Netzbetreiber.

Die Pipeline mit der Bezeichnung „H2-Kollektor Ost“ ist Teil des „Panhy“-Projekts, an dem die Netz Burgenland in einem Konsortium mit mehreren Partnern arbeitet. Zu diesem gehören unter anderem die Netz Niederösterreich und die Wiener Netze GmbH, aber auch der Stromkonzern Verbund, der die Mehrheit an der Gasnetz-Gesellschaft Gas Connect Austria (GCA) hält. Maßgeblich beteiligt ist ferner die Muttergesellschaft der Netz Burgenland, die Burgenland Energie.

Der Hintergrund für „Panhy“ ist laut Trimmel: In den vergangenen 20 Jahren baute die Burgenland Energie die Windkraft im Nordburgenland massiv aus. Zurzeit sind dort etwa 400 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.200 MW installiert. Und das ist noch nicht das Ende: Bekanntlich möchte Österreich seine Ökostromerzeugung bis 2030 um rund 50 Prozent oder 27 Milliarden kWh/Jahr steigern. Davon entfallen 10 Milliarden kWh auf die Windkraft. Und nicht zuletzt das Nordburgenland ist einer der Standorte, die dafür in Frage kommen. Überdies setzt die Burgenland Energie vermehrt auf die Photovoltaik. In Nickelsdorf nahe der Grenze zu Ungarn errichtet sie mit einem Partner ein Solarkraftwerk mit etwa 120 MW Gesamtleistung. Dabei handelt es sich um eines der bisher größten PV-Projekte Österreichs.

Großräumig abtransportieren

Das Problem: Die erzeugten Strommengen können im Burgenland bei weitem nicht genutzt werden. Daher ist es notwendig, sie großräumig abzutransportieren, wofür jedoch das Verteilnetz sowie die durch die Region führenden Übertragungsleitungen nicht ausgelegt sind. Trimmel schilderte die Lage so: „Wir sind netztechnisch am Limit. Und die für die nächsten Jahre geplanten Netzerweiterungen sind teilweise schon jetzt überbucht.“ Auch ist ein Ausbau der Stromnetze mit langwierigen und höchst aufwendigen Genehmigungsverfahren verbunden. Daher entstand die Idee zu dem Projekt „Panhy“, das nun in seine Umsetzung geht.

Im Rahmen von „Panhy“ sollen ab 2026/27 rund jährlich rund 4.000 bis 9.000 Tonnen „grünen“ Wasserstoffs von Zurndorf in Richtung der österreichischen Bundeshauptstadt transportiert werden, ab 2030 könnten es 23.000 bis 46.000 Tonnen sein. Die Route verläuft in unmittelbarer Nähe der Raffinerie Schwechat des Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV, der den Wasserstoff zur Erzeugung von synthetischen Kraftstoffen inklusive Kerosin nutzen möchte.

Wien selbst setzt auf Wasserstoffbusse und hat daher ebenfalls Verwendung für den „grünen“ Energieträger. Erzeugt würde dieser von einem Elektrolyseur, der in Zurndorf errichtet wird. In seiner ersten Ausbaustufe ist er auf 60 MW ausgelegt, in der zweiten bis 2030 umzusetzenden Stufe auf rund 300 MW. Zu den Kosten von „Panhy“ wollte Trimmel auch auf Nachfrage nichts bekannt geben, räumte allerdings ein, sie seien beträchtlich. Es handle sich um Dimensionen, bei denen staatliche Förderungen wünschenswert wären. Bei einer Präsentation des damals noch vergleichsweise vagen Projekts Ende Juli im Energieministerium sprach der Vorstand der Burgenland Energie, Stephan Sharma, von rund 400 Millionen Euro, die bis 2030 investiert werden müssten.

Einfachere Genehmigung

Vergangene Woche präsentierte das „Panhy“-Konsortium das Projekt der E-Control. Laut Trimmel befand diese es grundsätzlich für technisch gut gelungen und notwendig. Nach einer allfälligen formellen Zustimmung des Regulators gilt es, die üblichen Genehmigungsverfahren zu durchlaufen. Ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig ist, steht noch nicht fest. Laut Trimmel tendieren die „Panhy“-Partner aber dazu, eine solche jedenfalls zu beantragen: „Das soll ja etwas Gescheites werden.“ Und selbst samt UVP sei das Genehmigungsverfahren für das Projekt „um ein Vielfaches einfacher als das für eine Hochspannungsleitung.“
 

Klaus Fischer
© 2023 Energie & Management GmbH
Freitag, 09.12.2022, 10:52 Uhr

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