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Enerige & Management > Gastbeitrag - "Wasserstoff allein wird es nicht richten"
Bild: E&M
GASTBEITRAG:
"Wasserstoff allein wird es nicht richten"
Der Wärtsilä-Manager Ville Rimal* fordert bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung mehr Flexibiliät.
 
Wenn Deutschland die CO2-Emissionen reduzieren und seine Klimaschutzziele erreichen will, muss das Land mehr in erneuerbare Energien investieren. Mindestens genauso wichtig sind eine flexiblere Energie-Infrastruktur und die dafür notwendige Einführung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Aber zuallererst muss Deutschland seine Kohlekraftwerke abschalten, bestenfalls bis 2030. Eine reine Fokussierung auf Wasserstoff wie in der Wasserstoff-Strategie der EU reicht nicht aus.

Im Sommer 2020 hat die EU ein besonderes Papier veröffentlicht: die Wasserstoff-Strategie für ein klimaneutrales Europa bis 2030. Mit der Strategie soll Wasserstoff großflächig in Europa eingeführt und damit die Dekarbonisierung im Energiesektor weiter vorangetrieben werden.

Strategie der EU zu einseitig

Uns erscheint die Strategie der EU für die Dekarbonisierungsziele Deutschlands zu einseitig: Sie setzt fast ausschließlich auf Wasserstoff – als Treibstoff, als Energieträger und zur Energiespeicherung. Geht es aber darum, wie wir die Dekarbonisierung Deutschlands effizient und kostengünstig erreichen können, ist Wasserstoff nur ein Teil der Lösung. Denn eines muss klar sein: Grüner Wasserstoff kann sein Potenzial nur unter den richtigen Bedingungen entfalten. Er entsteht nur, wenn er aus Wasser durch Elektrolyse mittels erneuerbarer Energie hergestellt wird. Deshalb sollten wir mit der Dekarbonisierung dort ansetzen, wo es am einfachsten ist.

Wasserstoff für die „letzte Meile“

Sie fragen sich, warum ich der Meinung bin, dass Wasserstoff im Moment nicht die alleinige Lösung ist. Lassen Sie mich ein alternatives Szenario entwerfen: Im Jahr 2030 stammen rund 80 % der in der Bundesrepublik genutzten Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen. Die restlichen 20 % des Stroms kommen aus flexiblen KWK-Anlagen, die mit Gas-Motoren ausgestattet sind und natürliches Gas nutzen – dieser Treibstoff ist schon jetzt vorhanden und verursacht nur geringe Emissionen –, bis später Wasserstoff und synthetisches Methan als saubere Antriebsstoffe der Zukunft übernehmen.

Nach 2030 fokussieren wir uns dann auf die übrigen 20 % – ich nenne sie die „letzte Meile“: Etwa die Hälfte dieses Bedarfs wird weiterhin über flexible KWK-Anlagen generiert, die dann aber grünen Wasserstoff oder andere zukünftige Kraftstoffe nutzen. Die restlichen 10 % werden zunehmend von weiter zu erschließenden erneuerbaren Energiequellen mit Unterstützung von flexiblen Batteriespeichern ersetzt.
  Fazit: Mehr Investitionen, mehr Flexibilität – nicht nur Wasserstoff

Damit dieses Zukunftsszenario deutsche Wirklichkeit wird, muss die Solar- und Windstromerzeugung konsequent ausgebaut und die Investitionen verdreifacht oder sogar vervierfacht werden. Außerdem müssen Investitionen in stationäre Stromspeicher und KWK-Anlagen – die schnell an- und abgeschaltet werden können – getätigt werden, um eine flexiblere Energie-Infrastruktur zu schaffen.

Diese könnte Schwankungen der Solar- und Windenergie effektiv ausgleichen und für Stabilität des Energiesystems sorgen. Ich bin überzeugt, dass Wasserstoff ein entscheidendes Puzzleteil ist – auch wir bei Wärtsilä investieren in Forschung und Entwicklung von Energiespeichern und zukünftigen Treibstoffen. Nichtsdestotrotz sollte Wasserstoff weder zum Nachfolger von Erdöl noch zur alleinigen Lösung für die Energiewende hochstilisiert werden. Er ist weder das eine noch das andere.

*Ville Rimali, Director Growth & Development, Africa & Europe, Energy Business, Wärtsilä
 
Ville Rimali 
Bild: Wärtsilä
 

Redaktion
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Donnerstag, 04.03.2021, 10:34 Uhr

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