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  • EnBW integriert Batteriewechselstationen
  • Ewald Woste ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Steag
  • Gasmangellage bleibt bei normalem Winter unwahrscheinlich
  • Oersted-Deutschlandchef wird BWO-Vorstandsvorsitzender
  • Aurubis-Abwärme heizt Hafencity und Gewerbegebiet in Hamburg
  • "Für Deutschland besonders attraktiv ist die Nordsee"
  • Wechsel an der Bayernwerk-Spitze
  • Südeuropäische Wasserstoff-Pipeline soll bis 2030 kommen
  • Oberfranken wollen neue Windkraftanlagen
Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Warum die Häfen so wichtig sind
Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN AUSGABE:
Warum die Häfen so wichtig sind
Güter stauen sich coronabedingt vor deutschen Seehäfen. Für die ehrgeizigeren Windkraftziele müssten diese aber auch noch mehr Crews und Komponenten umschlagen können.
 
Windkraft läuft nur mit Häfen. Das gilt auch für Onshore-Windenergieanlagen im Im- und Export und erst recht für den bevorstehenden Ausbau in Westeuropa. Einige meinen, Nachbarländer hätten die Deutschen hierin überholt. So forderte etwa die Geschäftsführerin des deutschen Offshore-Zuliefererverbands Wab, Heike Winkler, gemeinsam mit dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, den Ausbau deutscher Häfen in „multifunktionale Windenergie-Hubs“, die bis 500 Tonnen schwerlastfähig sind, Werftkapazitäten haben und überhaupt Flächen, um Cluster anzusiedeln. Andere EU-Länder hätten sich auf den Weg gemacht, so Winkler. Sonst sei das Ziel der jungen Ampelkoalition illusorisch, die installierte Leistung in acht Jahren auf 30.000 MW mehr als zu verdreifachen und in weiteren 20 Jahren auf 70.000 MW zu gehen. Im Juni forderte Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) Investitionen des Bundes in die Häfen.
Dänische Kulisse für Kanzler-Versprechen

Heike Winkler nannte keine Namen. Das tut auf Anfrage von E&M der Vorsitzende der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven, Hans-Peter Zint. Er ist im Hauptberuf Geschäftsführer des Hafenbetreibers Cuxport. Der Hafen an der Elbmündung sei für die kontinentale Nordseewindkraft die Nummer drei nach dem dänischen Esberg (Esbjerg) und dem niederländischen Eemshaven.
 
Nicht nur die Geschäftsführerin des Verbands Wab, Heike Winkler, fordert mehr Engagement des Bundes für die deutschen Offshore-Häfen
Quelle: Wab/Buchholz 2021

„Eemshaven liegt begnadet günstig zu den Offshore-Baustellen, Esberg war lange Hauptsitz der Turbinenproduzenten Vestas und Siemens. Beide Häfen waren daher maßgeblich beim bisherigen Aufbau auch der deutschen Projekte beteiligt.“

Das kann man wohl sagen. In Esberg an der westdänischen Küste sind Werke für Rotorblätter, Generatoren und Fundamente angesiedelt − an Deutschlands Häfen nur noch in Cuxhaven (Siemens Gamesa) und Rostock (Eno Energy und − auch nach Schließung seines dortigen Rotorblattwerks − Nordex). Fast die Hälfte der bisher installierten Offshore-Leistung Europas wurde über Esberg abgewickelt. Auch der Windpark „Kaskasi“ von RWE vor Helgoland, dessen erstes von 38 Windrädern am 31. Juli Strom lieferte, erhielt darüber Großkomponenten von Siemens, allerdings ebenso von Cuxhaven und auch von Eemshaven.
 
Den Hafen im dänischen Esberg (Esbjerg) − hier der Logistiker Natsea − nutzt auch die deutsche Offshore-Branche intensiv und blickt auf ihn teilweise mit Neid
Quelle: Verena Busse

Nicht von ungefähr trafen sich im Juni Kanzler Olaf Scholz (SPD), Minister Robert Habeck (Grüne) und deren dänische, holländische und belgische Kolleginnen und Kollegen in Esberg, um sich gerade dort darauf zu verpflichten, die installierte Leistung bis 2030 gemeinsam auf 65.000 MW zu steigern und bis 2050 auf die Hälfte des Ziels für die ganze EU: 150.000 MW. 

Esberg hat sich aber nur mithilfe der Politik so entwickelt, meinte jüngst die Wirtschaftswoche. Demnach hat der Hafen seine Fläche innerhalb von 15 Jahren um ein Drittel für Großkomponenten erweitert. Bis 2026 sollen weitere 500.000 Quadratmeter aufgeschüttet werden.

Oder die Niederlande: Von Eemshaven aus wurden seit 2009 nacheinander 15 deutsche Windparks auf See errichtet. Der „Energiehafen“ (Eigenwerbung) lag buchstäblich nahe − ein Kostenfaktor. Derzeit ist aber auch das britische Mammutprojekt „Hornsea Two“ nicht zu weit entfernt. Sechs Nordseewindparks, davon fünf deutsche, werden von Eemshaven aus gewartet, vom Hafen Emden schräg gegenüber aus sind es nur zwei (siehe Kasten Nordseehäfen). Das allein löste 328 Schiffsbewegungen aus (2020). Jack-up Vessels können sich direkt am Kai auf vier Füßen aufständern (aufjacken) und so ihre eigenen Kräne nutzen. Crews wurden zeitgleich 728-mal in anderen Schiffen (CTV) bewegt. Errichterschiffe liefen 48-mal ein und aus. Wer in Eemshaven sein Terminal direkt am Kai haben will, baut, mietet oder kauft sich eines.

Auch im Westen wieder die Politik: Eemshaven hat ein Offshore Wind Innovation Centre (OWIC), das unter anderem Projekte für einen Drohneninspektionshafen, ein Verkabelungs- und ein Energiespeicherzentrum angestoßen hat.

Die Kritik an den deutschen Verhältnissen wiederholte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im August gegenüber der dpa: „In Deutschland gibt es seitens des Bundes keine aktive nationale Politik zur Unterstützung der Häfen“, während Belgien und Holland gezielt ihre Universalhäfen Antwerpen und Rotterdam unterstützten. Die neue, bei Robert Habeck angesiedelte maritime Koordinatorin der Bundesregierung, Claudia Müller (Grüne), wirke „sehr im Hintergrund. Wenn es darauf ankommt, stehen die Hafenstädte mit ihren Entscheidungen dann doch allein da“.

Seit Juni erarbeitet der Bund mit den Ländern, Verbänden und Gewerkschaften eine Nationale Hafenstrategie. Häfen sind nämlich Ländersache. Und die Länder gehen mit ihrer Zuständigkeit unterschiedlich um. „Der Hamburger Hafenhaushalt ist der geringste Haushaltsbereich aller Behörden. Da liegt das Kernproblem“, rügte Gunther Bonz vom Unternehmensverband Hafen Hamburg Tschentscher. Die CDU-Opposition sekundierte, die Hafenbehörde habe Infrastruktur systematisch verfallen lassen und noch keine Hafenstrategie entwickelt. Hafensenator Michael Westhagemann (parteilos) sei zudem kaltgestellt.

Und das Land Bremen plant mit der Tochter Bremenports seit 2015 ein Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB), ohne mit dem Naturschutz zu reden − weil das Bundessache sei, so die originelle Begründung von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Der Senat verliert zudem die Finanzierung der nötigen 180 Mio. Euro aus den Augen, ihm kommt der Wegzug von Siemens Gamesa 2017 dazwischen und dennoch wundert er sich, dass Gerichte das Projekt OTB kassieren. Bis die Prozessserie abgeschlossen ist, wird es wohl keine bremische Hafenstrategie geben. Eine vernünftige, moderate Hafenentwicklungsstrategie wiederum hat kürzlich Niedersachsen veröffentlicht.

Schiffe, Züge, Lkw stauen sich

Seit Corona sind zudem in allen Branchen die Lieferketten gestört, Container müssen höher gestapelt werden, Schiffe stauen sich auf der einen und Züge und Lkw auf der anderen Seite. So beschreibt es der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Die Gründe dafür lägen aber „vor allem außerhalb der Terminals entlang der gesamten Transportketten“. Mit einer Normalisierung sei „frühestens gegen Jahresende zu rechnen“. Der ZDS fordert unter anderem neben Geld mehr Personal und planerische Erleichterungen, Nacht- und Wochenendfahrverbote auszusetzen.

Häfen und Hafenerweiterungen wie in Esberg und Eemshaven werden obendrein einfach auf Sand aufgeschüttet und der See abgerungen, während sich deutsche Häfen oft in die Stadt hinein entwickeln und damit auf Widerstand aus der Nachbarschaft stoßen.

Und was können jetzt deutsche Häfen für die Windkraft und was können sie nicht? Der Wartungs- und Instandsetzungsdienstleister Deutsche Windtechnik Offshore und Consulting GmbH braucht Häfen vor allem als Basis für seine Einsätze an knapp 400 Offshore-Windturbinen und als Lager für Kleinkomponenten. In Deutschland nutzt er Wilhelmshaven/Hooksiel für Crewtransporte, Emden, Borkum und Helgoland, im Ausland Esberg und Havneby sowie Eemshaven, Den Helder und IJmuiden.

Großkomponenten, von denen die Deutsche Windtechnik bisher 400 getauscht hat, werden „in der Regel“ vom Zentrallager in Schleswig-Holstein über dortige Häfen verschifft. „Häufig ergibt eine Analyse einen Standortvorteil der Häfen im Ausland“, bilanziert Geschäftsführer Calle Richardsen. In Holland und Dänemark werde „eine ausreichende Wassertiefe auch bei Niedrigwasser garantiert. Dort wird mehrmals im Jahr das Hafenbecken ausgebaggert, um einen durchlaufenden Betrieb zu ermöglichen. Das sei „essenziell für die langfristige Planbarkeit der Offshore-Einsätze“.

Windkraftschiffe müssten für deutsche Liegepunkte auch oft vor Schleusen warten, was die wertschöpfende Arbeitszeit der Crews bei gleichen Kosten verringere. Auch die Teilung in private Hafenbetreiber und öffentliche Infrastrukturentwickler bringe häufig Sand ins Getriebe.

Die Forderungen aus Cuxhaven

Hans-Peter Zint aus Cuxhaven fordert gegenüber E&M, jetzt schon zusätzliche Hafeninfrastruktur für Offshore und Onshore zu schaffen. Dies dauere bis zu drei Jahre und könne dann rechtzeitig die Projektverdichtungen durch die gesteigerten Ausbauziele zwischen 2025 und 2030 abfangen. Die 2030-Ziele stünden sonst auf dem Spiel. „An der deutschen Nordseeküste gibt es aktuell keine Häfen, die für diese Projekte noch nennenswerte Kapazitätsreserven aufweisen.“ Auf Dänemark und Holland solle man sich nicht verlassen, da sie ebenfalls durch ihre neuen Windziele ihre Häfen zusätzlich auslasten würden. Allein Dänemark will seit dem Esberg-Gipfel bis 2030 4.000 MW mehr Offshore und eine Vervierfachung bei Onshore.
 
Brennt für die Sache: Hans-Peter Zint, Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven
Quelle: Cuxport

Während Niedersachsens Wirtschaftsstaatssekretär Berend Lindner (CDU) die rasche Planung und Realisierung des LNG-Anlegers in Wilhelmshaven auf Basis des LNG-Beschleunigungsgesetzes als Vorbild für Hafenerweiterungen pries, fürchtet Hans-Peter Zint eher, dass die künftigen Projekthochläufe in der Windkraft im „LNG-Hype komplett untergehen“. Bei der maritimen Koordinatorin Claudia Müller seien seine Überlegungen aber bisher auf keine „nennenswerte“ Resonanz gestoßen.

Die ruhigere Ostsee

Die Ostsee gibt es ja auch noch: vier bestehende Offshore-Windparks gegenüber mehr als 20 in der Nordsee, nicht mal 1.100 der 7.770 MW installierter deutscher Leistung, nicht ganz so steife Brise. Doch die nächsten Projekte laufen an: Erst im Juli hat das LNG-angetriebene Errichterschiff Orion der belgischen Deme den letzten von 28 Monopfählen für den Windpark „Arcadis Ost 1“ eingerammt − von Saßnitz-Mukran auf Rügen aus (siehe Kasten Ostseehäfen).

Und für den von 2024 an kurzzeitig größten deutschen Ostseepark, das 476-MW-Projekt „Baltic Eagle“ von Iberdrola, sind die 50 Monopfähle bereits von EEW in Rostock hergestellt. Die holländische Van Oord wird sie vom Hafen Rostock aus installieren, nachdem die Fläche auf Kampfmittel untersucht wurde. 2026 will Iberdrola mit „Windanker“ ihren dritten Ostseewindpark errichten. WPD wiederum erwartet für ihr 900-MW-Projekt „Gennaker“, das im selben Jahr fertig werden soll, für Frühjahr 2023 den Netzanschluss. Und auf Bornholm wird ein Stromnetzdrehkreuz entstehen. Die Ostsee nimmt also Wind auf. Der Hafenaufsteiger dabei ist seit etwa 2010 Saßnitz-Mukran auf Rügen, Deutschlands östlichster Tiefwasserhafen: 10,5 Meter Tiefgang erlauben es allen gängigen Offshore-Schiffen einzulaufen.

Bund schon für Zu- und Ablauf zuständig

Zurück zur Nordsee: Am allerersten „Hafenabend“ der Häfenminister und der Häfensenatorin bekannten sich vier Bundesländer im Juni zu einer stärkeren Kooperation der größten drei Häfen Hamburg, Bremen/Bremerhaven und Wilhelmshaven und forderten erneut Geld vom Bund. Schon die schwarz-rote Bundesregierung hatte in einem maritimen Bericht 2021 verbal Bereitschaft zur „Prüfung“ gezeigt, aber gleichzeitig den Hafenbehörden vorgeworfen, sie unzureichend mit Wirtschaftsdaten zu versorgen. Die GroKo fürchtete zudem, dass spezialisierte Offshore-Terminals dereinst unterbeschäftigt seien.

Wenn die Länder für ihre Hafeninfrastruktur zu wenig Geld zu haben glauben, stellen sich freilich Grundfragen des Föderalismus. Die von ihnen zu Recht als zu schwach kritisierte Verkehrsanbindung der Seehäfen ist aber schon in der Zuständigkeit des Bundes, sowohl bei Kanälen als auch bei Bahn und Bundesstraßen, und es klappt trotzdem nicht. Die GroKo sagte 2021 den Ländern weder Ja noch Nein. Das Ampelkabinett will die im Koalitionsvertrag versprochene Nationale Hafenstrategie bis 2024 verabschieden. Sie scheint ähnlich viel Zeit zu haben wie die GroKo.

 
Verschiffung von Tripods im Hafen in Cuxhaven. Der Standort profitiert vom ortsansässigen Siemens-Gamesa-Werk
Quelle: Cuxport


Nordseehäfen
Diese Aufstellung zeigt schlaglichtartig Stärken und Schwächen für die Windkraft. Die Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit beruht auf eigenen Recherchen, Unternehmens- und Verbandsangaben, dem niedersächsischen Hafenentwicklungsplan sowie zu großen Teilen dem Portal Energiewinde von Oersted (von West nach Ost).
  • Emden: Begann mit der Verschiffung von Onshore-Windkraftanlagen, mittlerweile auch Produktion, Montage und Versand von Offshore-Komponenten. Tiefgang tideabhängig bis 11,70 m. 1500 ha Fläche, 460 ha Potenzial. Seit 2019 Servicestation von EnBW für „Hohe See“ und „Albatros“ mit 25 Technikern. Crewtransporte per Hubschrauber vom Flughafen Emden aus.
  • Norddeich: Service- und Versorgungshafen für „Alpha Ventus“, „Borkum Riffgrund“ (1 und 2), „Godewind“ (1 und 2), „Nordsee One“ und „Deutsche Bucht“. Ansiedlung der Windparkbetreiber Oersted und Nordsee One sowie des Reeders Frisia Offshore.
  • Borkum: Versorgungs- und Reaktionshafen, Apartments für Offshore-Servicebeschäftigte. Hubschrauberlandeplatz für Crews und Techniker/Technikerinnen.
  • Norderney: Reiner Fischerei-, Sportboot- und Fährhafen auf der Insel. Der Reeder Frisia Offshore hat dort einen Standort.
  • Wilhelmshaven (Jade-Weser-Port): Deutscher Tiefwasserhafen mit Rekordtiefgang bis zu 20 m. Universalhafen mit Containerschwerpunkt. Umschlag von Offshore-Ladung, Montagehafen, Flächen zur Endmontage von Offshore-Anlagen. Kurzfristige Gewerbeansiedlungen möglich, Außenhafen lässt sich mit weiteren Terminals ergänzen. Vom Nebenhafen Hooksiel aus laufen Serviceschiffe von Offshore-Windparks ein und aus. Seit Kurzem weitere Liegeplätze hierfür in Betrieb.
  • Helgoland: RWE betreibt und wartet von dort aus „Amrumbank West“ und „Nordsee Ost“, koordiniert von einem Kontrollraum aus den Bau von „Kaskasi“ und will ihn von dort aus ebenfalls betreiben und warten. Die Großkomponenten müssen dennoch von Cuxhaven kommen. Von der Insel aus agiert auch das Wasserstoffkonsortium „Aqua Ventus“, was ihr später noch mal Auftrieb geben könnte. 
  • Bremerhaven: 2017 wanderte Siemens Gamesa nach Cuxhaven ab. 2019 ging der ansässige Konkurrent Senvion/Repower pleite, der in Bremerhaven Komponenten installierte und verschiffte. Zuvor wollte Betreiber Bremenports mit einem Offshore-Terminal (OTB) 25 ha für Vormontage, Lagerung und Umschlag von Windkraftanlagen, 200 ha für Ansiedlungen sowie ein 500 m langes Schwerlastkai bereitstellen. Den Planfeststellungsbeschluss von 2015 kassierten aber die Gerichte, Bremenports und Hafenbehörde versuchen das Projekt seit Februar 2022 mit einer Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht zu retten. Nach wie vor: Vormontage von Windenergieanlagen-Komponenten und Seekabeln. Gegenüber an der Wesermündung liegt der niedersächsische Landeshafen Nordenham, den unter anderem Komponentenhersteller Nordenham Steel nutzt.
  • Brake: Umschlaghafen für Windenergieanlagen-Komponenten an der Unterweser. 77 ha Erweiterungsfläche, davon 45 ha an dem einen Schwerlastkai mit jeweils zwei Brückenkränen und Mobilkränen und 32 ha für Ansiedlungen.
  • Cuxhaven: Laut dem Hafenbetreiber Cuxport − einer Tochter des privaten Logistikers Rhenus und der kommunalen HHLA − drittgrößter kontinentaleuropäischer Windkrafthafen nach Esberg und Eemshaven. Mit bis zu 15 m Tiefgang und ohne Schleusen geeignet für die größten Errichterschiffe, dafür zwei Jack-up-Liegeplätze. War seit 2007 Basis für Produktion, Lagerung und Verschiffung von Komponenten für „Bard Offshore 1“ und „Amrumbank West“. Seit 2017 Werk von Siemens Gamesa und eine Reihe Zulieferer auf dem Gelände. Mit dem Export dieser Turbinen sowie dem Import von Onshore-Komponenten auf 21 ha Umschlagfläche „weitgehend ausgelastet“. Weitere 40 ha haben Baurecht und lassen sich binnen drei Jahren umsetzen, bekommen aber bisher keine Förderung. Ausreichend Liegeplätze. Die chinesische Titan Wind hat den Turmbauer Ambau und den Stahlfundamentebauer CSC am Hafen aus der Pleite aufgekauft.
  • Büsum: Umschlag von Onshore-Komponenten und Anlandung von Trafos an der Westküste Schleswig-Holsteins. 90 Ein- und Ausfahrten von Crew Transport Vessels zur Offshore-Infrastruktur (2021), Hubschraubertransporte vom nahen Flugplatz aus möglich. Schienenanschluss stillgelegt.
  • Stade: Lagerung und Umschlag von Offshore-Windkraftanlagen in geringem Umfang am Südufer der Elbmündung. Erweiterung der Terminalfläche von 6 auf 30 ha geplant. Die angedachte „große Hafenerweiterung“ würde einen 1.000 m langen Kai und 40 ha Umschlagfläche bringen.
  • Hamburg: Größter Hafen Deutschlands, laut Andeutungen aus der Branche aber ohne nennenswerten Windkraftumschlag, da angeblich zu weit weg von der Offshore-Infrastruktur.
 
Häfen sind auch für die Onshore-Windbranche wichtig − hier der Umschlag eines Windturmsegments in Brunsbüttel
Quelle: Schramm Ports and Logistics

Häfen am Nord-Ostsee-Kanal
Die hier aufgeführten Häfen bedienen beide Meere:
  • Brunsbüttel: Internationaler Umschlag von mehr als 1.500 Offshore-Komponenten pro Jahr an dem Universalhafen an Elbmündung und Nord-Ostsee-Kanal, auch von Seekabeln − Tendenz steigend. Seit 2020 Krankapazität bis 240 t, einzelne Umschläge bis 600 t. Unter anderem 7.300 m2 Stückgutfläche für hohe Punkt- und Flächenlasten. Privater Betreiber Schramm Ports & Logistics.
  • Glückstadt: Am Nordufer der Elbmündung in der Vergangenheit Lagerung und Umschlag von Windkraftkomponenten, die oftmals per Binnenschiff von Brunsbüttel aus anlandeten. Privater Betreiber Schramm Ports & Logistics. Tiefgang nur 6 m.
  • Rendsburg: Schwerlasthafen im Nord-Ostsee-Kanal hinter mehreren Schleusen. Geeignet für Offshore-Komponenten und das Aufjacken von Installationsschiffen. Zwei Hafenmobilkräne mit bis zu 250 t, Schwerlastkai für 90 t/m2. 2 ha Freilager, 2,5 ha Rückstaufläche. 50 ha Gewerbegebiet auch für Produktion, Umschlag und Lagerung von Anlagenteilen. Max Bögl Wind betreibt in unmittelbarer Nähe ein Werk für größere Onshore-Turmelemente.
  • Kiel: Doppelter Zugang zum Nord-Ostsee-Kanal und zur Ostsee. Max Bögl Wind hat dort schon Onshore-Turmelemente nach Finnland verschifft. Privater Betreiber Sartori & Berger.
Ostseehäfen (Auswahl)
  • Rostock: Umschlag von Onshore-Windkraftanlagen (Hersteller Nordex für den Ex- und Import). Seit 2019 zwei zusätzliche Hafenmobilkräne, Anlandung von Transport-, Installations- und Notfallschiffen. Verschiffung von Offshore-Stahlkomponenten bis 100 m Länge und 12 m Durchmesser des ortsansässigen Herstellers EEW Special Pipes Construction, künftig auch für „Arcadis Ost 1“. Impulse könnte das geplante Offshore-Testfeld geben. Das Konzept hierfür soll bis 2023 abgestimmt sein.
  • Saßnitz-Mukran: Auf Rügen der östlichste deutsche Tiefwasserhafen mit Tiefgang bis 10,50 m, Liegeplätze für alle gängigen Offshore-Schiffe. Crewtransporte auf CTV. Lagerung und Umschlag von Komponenten für „Baltic 2“, „Wikinger“, „Arkona Becken“ und jetzt auch „Arcadis Ost 1“.
 

Georg Eble
Redakteur
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Donnerstag, 29.09.2022, 09:12 Uhr

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