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Enerige & Management > Veranstaltung - Wärmewende braucht viele Hände
Quelle: Fotolia / Les Cunliffe
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Wärmewende braucht viele Hände
Zum Thema Wärmewende waren alle Diskutanten auf der Berliner Handelsblatt-Tagung einig, dass der Fachkräftemangel die Gebäudesanierung und den Heizungsumbau gefährdet.
 
Energieversorger von Wien, Berlin und München stellten auf der Berliner Tagung ihr Konzepte für die Wärmewende vor. Alle setzen auf eine Mischung aus Gebäudesanierung, Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung, Wärmepumpen und Wasserstoff im Gasnetz. Allerdings werde der Fachkräftemangel zum Flaschenhals der Wärmewende.

Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der Gasag, sagte, sein Unternehmen stehe für die Hälfte des Wärmemarktes Berlins. „Am Anfang klimaneutraler Wärme steht ein grünes Elektron, aber Speicher sind nötig“, sagte er. Daher wäre auch Wasserstoff für die grüne Wärme nötig.

Lokale Energieerzeugung in Gebäuden sei sinnvoll, aber eine Millionenstadt wie Berlin sei nur über Energieimporte zu versorgen, sagte Friedrichs weiter. Diese könnten als erneuerbarer Strom oder erneuerbares Gas aus dem Umland kommen. Der Gebäudebestand brauche Jahrzehnte, um klimaneutral zu werden, warnte der Gasag-Chef zugleich. Die Sanierungsrate in Berlin momentan liege bei 0,6 % und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 0,9%. „Bis 2045 wird die Hälfte des deutschen Gebäudebestands noch nicht saniert sein, daher bleibt nur die Umstellung der Heizung auf klimaneutrale Energie“, schloss Friedrichs.

Erneuerbare Fernwärme bis 2045 ist "sportlich"

Die Fernwärmeversorgung läuft deutschlandweit vielfach mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Kohle, erinnerte der Gasag-Chef. Schon das in 20 Jahren zu ändern sei sportlich. Für neue Quartiere sei Nahwärme sinnvoller und wäre auch effektiver, als neue Fernwärmenetze zu errichten. Die einzige Lösung für die Wärmewende sei die Kopplung von grünem Strom mit allen Sektoren. „Strom und Wärme müssen verschmelzen, sei es über die Nutzung von industrieller Abwärme, über Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder Strom zur Erwärmung von Wassers für die Fernwärmenetze“, sagte er.

Auf diese Kopplung setzt auch München, sagte Stadtwerkechef Florian Bieberbach. Schon in diesem Jahr werde der Kohleausstieg vollendet, kündigte er an. Mehr Fernwärmeanschlüsse sollten die Gebäude zunehmend klimaneutral versorgen, da hierfür auf Geothermie, Abwärme sowie thermische Abfallverwertung umgestellt werde. Ab 2035 solle Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen Erdgas allmählich ablösen. „Geothermie ist auch oberflächennah möglich und rund ums Jahr für Grundlast verfügbar“, warb Bieberbach. Dieses Potential sollte man deutschlandweit mehr nutzen. Geothermie ohne Wärmepumpen sei schon konkurrenzfähig zu KWK, andernfalls kämen die Stromkosten hinzu.
 
Deutsche Vorhaben für die Wärmewende
Quelle: EWI - Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

An besonders kalten Tagen werde eine Wärmespitzenlast und eine Spitzenstromlast entstehen, was mit KWK-Anlagen auf Basis von Wasserstoff sehr gut abzufangen sei. „Wir rechnen realistischerweise nicht mit einem jährlichen Sanierungsgrad über 2,5%, schon das ist ein ehrgeiziges Ziel“, sagte Bieberbach. Der Umbau der Fernwärmenetze müsse staatlich gefördert werden, wofür es schon ein Programm gebe. Im Mietrecht müssten Fehlanreize beseitigt werden, die Gasheizungen vor Fernwärme favorisieren, forderte Bieberbach.

Für die österreichische Hauptstadt erläuterte Karl Gruber, Geschäftsführer der Wien Energie, die Pläne. Auch hier werde die Fernwärme schrittweise dekarbonisiert, wofür Großwärmepumpen im Bau seien, die mit CO2-freiem Strom betrieben werden. Auch Geothermiepotenzial sei gefunden und werde schrittweise genutzt. Ein Rest müsse auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Das Kraftwerk Donaustadt wird für die Einspeisung von 15 % Wasserstoff zum Erdgas ausgebaut, „nur der Brennstoff fehlt noch“, schränkte Gruber ein.

Wien arbeitet an Kältenetz für den Sommer

Das Wiener Programm „Raus aus Gas“ propagiere den Fernwärmeanschluss und andere klimaneutrale Heizungslösungen. „Eigentlich müsste Wien seine Sanierungsrate der Gebäude vervierfachen, das ist aber mit den vorhandenen Firmen, Baumaterialien und Fachkräften nicht zu schaffen“, klagte Gruber. Sein Unternehmen verdreifache derzeit die Ausbildungsquote und stelle bewusst zur Hälfte Frauen für technische Berufe ein.

Zugleich müsse sich die Stadt auch um Kälteversorgung kümmern. Wegen seiner Tallage leide Wien bereits unter 2 Grad Temperaturanstieg und brauche für den Sommer auch eine Kälteversorgung. Da Kühlanlagen für jedes Gebäude das Stadtbild verschandeln und Strom fressen, setze sein Unternehmen für die Innenstadt auf ein Fernkältenetz. Die Regulierung müsse die Sektorkopplung weiter fördern und ermöglichen, dass man Solarenergie aus dem Sommer für den Winter speichern kann, appellierte Gruber.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 19.01.2022, 13:57 Uhr

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