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Enerige & Management > Österreich - Vorerst keine Alarmstufe bei Gasversorgung
Quelle: Fotolia / YuI
ÖSTERREICH:
Vorerst keine Alarmstufe bei Gasversorgung
Österreich bleibt bei der untersten Stufe des Gas-Notfallplans. Fabriken, Kraft- und Heizwerke werden aber für den Betrieb mit Öl vorbereitet, die Bevölkerung soll Gas sparen.
 
Österreich behält vorerst die Frühwarnstufe für die Gasversorgung bei, die niedrigste Stufe des diesbezüglichen Notfallplans. Für das Ausrufen der zweiten Stufe, der Alarmstufe, bestehe zurzeit kein Anlass. Das berichteten Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) und der Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, Wolfgang Urbantschisch, nach einer Krisensitzung der Bundesregierung am 5. Juli. Gewessler erläuterte, am 28. Juni und am 1. Juli sei „deutlich“ weniger Gas eingespeichert worden als im derzeitigen Durchschnitt. Daher habe die Regierung am 28. Juni beschlossen, die Lage eine Woche lang zu beobachten und in der Folge über die weitere Vorgangsweise zu entscheiden.

Nach einer umfassenden Einschätzung der Lage durch den Krisenstab der Regierung sei die Entscheidung zur Beibehaltung der Frühwarnstufe heute erfolgt. Der Grund: Am vergangenen Wochenende habe Österreich hohe Einspeichermengen verzeichnet. Am 3. Juli seien es ohne Berücksichtigung des ausschließlich ans deutsche Netz angeschlossenen Speichers Haidach mit rund 327,3 Mrd. kWh sogar die höchsten Mengen der vergangenen beiden Wochen gewesen.

„Wir hatten also eine Delle bei der Einspeicherung, aber keinen dauerhaften Rückgang. Das ist gut, denn die Gasspeicher sind unsere wichtigste Versicherung für den kommenden Winter“, konstatierte Gewessler. Urbantschitsch ergänzte, die laufenden Importe reichten aus, um den heimischen Gasbedarf zu decken und überdies Gas einzuspeichern. Die Versorgung sei unter diesen Umständen gesichert. Laut der Aggregated Gas Storage Invetory (AGSI) waren die österreichischen Gasspeicher am 3. Juli zu rund 46 % befüllt, die Einspeichermenge lag bei 43,93 Mrd. kWh.

Dennoch sei die Lage ernst, betonte Gewessler. Als „potenziell kritisches Ereignis“ erachtet die Bundesregierung die seit langem angekündigte Wartung der Pipeline Nord Stream 1, die für den Zeitraum 11. bis 21. Juli vorgesehen ist. Die Leitung wird für diese Arbeiten stillgelegt. „Wir können nicht sicher sein, dass Russland die Pipeline danach wieder in Betrieb nimmt“, warnte Gewessler. Deshalb erarbeite die E-Control eine Verordnung gemäß dem Energielenkungsgesetz. Mit dieser sollen Großverbraucher wie Industriebetriebe sowie die Inhaber von Kraft- und von Fernheizwerken angewiesen werden, die Umstellung ihrer Anlagen vom Betrieb mit Gas auf den Betrieb mit anderen Brennstoffen, insbesondere Öl, vorzubereiten.

Die Verordnung wird, wie vorgeschrieben, nach einer − den Umständen entsprechend kurzen − Begutachtung dem Energielenkungsbeirat vorgelegt und dem Hauptausschuss des Nationalrats, der ersten Kammer des Bundesparlaments, zur Beschlussfassung. Dies erfolgt nach Möglichkeit noch im Juli, teilte Gewessler auf Anfrage der Redaktion mit. Den betroffenen Unternehmen werden die Kosten für die Vorbereitungsmaßnahmen ersetzt, „weil es um eine Energielenkungsmaßnahme geht“, stellte Gewessler klar. Laut der Bundesverfassung hat Hauptausschuss des Nationalrats Beschlüsse über derartige Verordnungen mit Zweidrittelmehrheit zu fassen. Somit benötigt die Bundesregierung die Zustimmung der Sozialdemokraten oder der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei Österreichs. Ob bereits Gespräche mit diesen Parteien erfolgten, ließ Gewessler offen.

Die Kritik, sie nehme Maßnahmen der Alarmstufe vorweg, ohne diese Stufe formell auszurufen, wies Gewessler zurück: „Für die Alarmstufe gibt es ein klares Kriterium: Wenn wir Gefahr laufen, unsere Speicher vor Beginn der kommenden Heizsaison nicht zu mindestens 80 % befüllen zu können, rufen wir sie aus.“ Die Ministerin versicherte, „so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“ in den Markt einzugreifen.

Eindringlich appellierte Gewessler an die Bevölkerung, sich „auf die kommende Heizsaison vorzubereiten“. Ähnlich wie Deutschlands Energieminister Robert Habeck (Grüne) rief die Ministerin dazu auf, die Gasthermen warten und die Heizkörper entlüften zu lassen sowie Fenster und Türen abzudichten. Mit einer gut gewarteten Therme lasse sich der Gasbedarf um etwa 15 % verringern.
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 05.07.2022, 17:02 Uhr

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