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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Von Braun zu Grün
Bild: pict rider / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Von Braun zu Grün
Seit mehr als 25 Jahren wartet Emis Braunkohlekraftwerke in der Lausitz. Neuerdings ist das Familienunternehmen auch als Service- und Wartungsdienstleister in der Windbranche tätig.
 
Markus Romberg wirkt wirklich zufrieden. Als Geschäftsführer der REpartner Wind GmbH zieht es ihn in diesen Vorfrühlingstagen häufiger in den Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Hier am Stadtrand der kleinen brandenburgischen Kommune Lübbenau, etwa 80 km südöstlich von Berlin, betreut er die angelaufenen Bauarbeiten für die Erweiterung eines Windparks seines Auftraggebers. Im Frühjahr 2010 hatte die Schweizer REpower einen Windpark mit acht Anlagen der 2-MW-Klasse übernommen, der bis Jahresende um sechs Maschinen der neuen 3,45-MW-Generation ausgebaut wird.

Neben dem Neubau ist Romberg auch für die technische Betriebsführung des Bestandsparks zuständig. Als vor einiger Zeit ein Fehler in der sogenannten Kompensationsanlage für die Netzanbindung des Windparks auftrat, fand Romberg Hilfe sozusagen vor Ort, genau genommen bei den Fachleuten der Emis-Gruppe.
Hinter Emis steckt ein mittelständisches Familienunternehmen, das sich mit seinen gut 500 Mitarbeitern auf die Geschäftsfelder Elektrotechnik, Automatisierung und Energieversorgung konzentriert. Die vier Buchstaben des Firmennamens stehen für Elektro – Messen/Steuern/Regeln – Installation – Service. „Nachdem drei Unternehmen inklusive des Herstellers nicht den Fehler behoben konnten, hatten die Jungs von Emis schnell den Dreh raus“, erzählt Romberg, „und alles zu einem absolut wettbewerbsfähigen Preis.“

Seit Gründung ist Emis in ständiger Konversion

Was auch den Beginn einer wunderbaren Freundschaft einleitete. Neben seiner Tätigkeit für Repower verdient Markus Romberg sein Geld auch als Unternehmensberater: „Bei dem vorhandenen elektrotechnischen Know-how der Emis-Mannschaft war mir von Anfang klar, dass die Unternehmensleitung diese Expertise nicht allein für konventionellen Energien nutzen sollte.“
 
Christopher Perschk: "Es ist zum einen nicht jedermanns Sache, in mehr als 100 Meter Höhe zu arbeiten. "
Bild: Emis

Konventionelle Energien - das heißt in der Lausitz, was nahe liegt, Braunkohle. Ohnehin ist die Gründung der Emis-Gruppe eng mit der Braunkohle verbandelt. Firmen-Senior Eberhard Perschk wagte nach der deutsch-deutschen Wende 1991 zusammen mit 27 Kollegen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Um sein Starkkapital aufzustocken, hatte Perschk damals sogar seinen Lada verkauft.
Alle zusammen waren bis dahin im Kraftwerk Lübbenau tätig gewesen, mit einer Leistung von rund 1 300 MW und einer jährlichen Stromproduktion von rund 9 Mrd. kWh das zur damaligen Zeit größte Dampfkraftwerk Europas auf Braunkohlebasis. 1995 war Schluss für das von der Veag AG (später Teil des Vattenfall-Konzerns) übernommene Werk Lübbenau, in dem zu besten Zeiten während der DDR-Epoche rund 5 000 Menschen beschäftigt gewesen sind.

Statt in Lübbenau übernahm die Emis-Crew in den Folgejahren für weitere Braunkohlekraftwerke in der Region wie Jänschwalde, Boxberg oder Schwarze Pumpe Service- und Wartungsarbeiten. Bis heute. „Von unserer Belegschaft ist rund ein Fünftel für diese Aufgaben eingesetzt, mit denen wir etwa 15 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften“, sagt Perschks Sohn Christopher, der 2015 in die Geschäftsführung eingestiegen ist. Umsatzsteigerungen in diesem Bereich erwartet er angesichts des mittlerweile festgelegten (auch wenn der gesetzliche Rahmen noch fehlt) Kohleausstiegsdatum im Jahr 2038 nicht mehr: „Hinzu kommt, dass die Betreiber der Kraftwerke keine so großen Summen mehr in deren Wartung investieren, wie es bei einem längeren Weiterbetrieb nötig wäre“, so Christopher Perschk.

Mehr oder weniger seit Gründung ist Emis in ständiger Konversion, sprich auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. So stieg das Unternehmen beispielsweise 2001 in die Energieversorgung mit der Übernahme eines rund 900 km langen Leitungsnetzes in den Sanierungsgebieten der Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH ein. Vor gut drei Jahren kauften die Brandenburger einen kleineren Dienstleister mit Sitz in Gelsenkirchen, dessen Tätigkeitschwerpunkt in der Chemieindustrie liegt. 2017 erfolgte schließlich dank der Kontakte von Unternehmensberater Romberg der Einstieg in die Windbranche – und zwar als Service- und Wartungsdienstleister für die Enercon GmbH aus dem ostfriesischen Aurich, hierzulande der Marktführer unter den Windturbinenherstellern und mit einem Pool von mehreren tausend Anlagen in der Betreuung.
 
In immer Windparks bundesweit zu sehen: Ein Einsatzfahrzeug von Emis.
Bild: Emis

Dass Enercon sozusagen „Fremdfirmen“ auf die eigenen Mühlen lässt, kommt nicht von ungefähr: Die Ostfriesen setzen ihre Fachkräfte zunehmend im Ausland ein, wo sie das Wind- und damit das Servicegeschäft angesichts der derzeit politisch verursachten Delle in Deutschland gezielt forcieren. „Für uns ist das natürlich eine Chance, die wir nutzen wollen, um unsere Kompetenzen in diesem Bereich zu unterstreichen“, sagt Benjamin Oppermann, der als Mitglied der Emis-Geschäftsleitung für die Geschäftsentwicklung auch für den Aufbau der Windaktivitäten zuständig.“ Selbstbewusst sagt er: „Das Know-how haben wir, am Ende des Tages geht es bei den Windturbinen wie bei den Kohlekraftwerken um Elektrotechnik.“

Offen für Aufträge weiterer Unternehmen und von Windmüllern

Nach einer mehrwöchigen Schulung durch Enercon-Fachleute ist der Start der ersten Oberlausitzer „Windkraft-Werker“ in das Windgeschäft jedenfalls geglückt. Mittlerweile checken sie bundesweit rund 300 Windenergieanlagen auf Herz und Nieren – sozusagen immer auf Zuruf von Enercon. „Unseren Leuten ist die Enercon-Technologie, die mit einer Reihen von Motoren sehr stromlastig ist, auf jeden Fall entgegengekommen“, resümiert Oppermann zufrieden die ersten Monate im neuen Geschäftsfeld. Zufrieden zeigt er sich auch über die Zusammenarbeit mit Enercon: „Das harmoniert, die Service-Abteilung ist sehr lösungsorientiert und partnerschaftlich aufgestellt.“

In Aurich sind die Verantwortlichen jedenfalls von der Zusammenarbeit mit Emis angetan. „Wir sind mit der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Dienstleister recht zufrieden - abgesehen von ein paar Anlaufthemen zu Beginn der Zusammenarbeit, die sich inzwischen jedoch gegeben“, heißt es auf E&M-Anfrage, „wir gehen davon aus, dass sich die Zusammenarbeit in Zukunft weiter einspielen wird.“

Davon geht auch Oppermann aus. Und nicht nur das: Emis könne sich gut vorstellen, auch für andere Unternehmen, ebenso wie für Privatbetreiber den Service ihrer Windturbinen zu übernehmen. Gerne würde Emis künftig auch bei der Planung neuer Windparks, insbesondere beim elektrotechnischen Engineering beispielsweise für notwendige Umspannwerke mit eingebunden werden.
 
Benjamin Oppermann: „Unseren Leuten ist die Enercon-Technologie, die mit einer Reihen von Motoren sehr stromlastig ist, auf jeden Fall entgegengekommen."
Bild: Emis

Um im Windsektor weiterwachsen zu können, sucht Emis-Chef Christopher Perschk händeringend – wie auch andere Servicedienstleister in der Windbranche - weitere Fachkräfte. Die Vorstellung, dass all seine bisherigen Kraftwerker künftig auf Windkraftgondeln im Einsatz sind, lässt sich in der Praxis nicht umsetzen: „Es ist zum einen nicht jedermanns Sache, in mehr als 100 Meter Höhe zu arbeiten. Außerdem ist der Altersdurchschnitt unserer Kraftwerker der höchste von allen Abteilungen unserer Gruppe. Bis zum Jahr 2038 werden viele von ihnen in den Ruhestand gegangen sein und bis dahin werden sie schlussendlich ja auch im Kraftwerk benötigt.“

Markus Romberg weiß jedenfalls schon heute, welches Unternehmen nach dem Start der neuen Windturbinen im Windpark Lübbenau die Service- und Wartungsarbeiten übernehmen wird – wie es aussieht, bis in die 2040er Jahre. „Dank des Kostendrucks, den es derzeit in der Windbranche gibt, haben Unternehmen wie Emis eine wirkliche Chance sich als neuer Service-Provider zu etablieren. Denn sie schaffen es, die notwendigen Service- und Wartungsarbeiten auf Kraftwerksniveau anzuheben.“
 
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 18.03.2019, 11:57 Uhr

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