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Enerige & Management > Smart Meter - Voltaris sieht Rollout-Planung nur wenig beeinträchtig
Bild: Shutterstock, LeahKat
SMART METER:
Voltaris sieht Rollout-Planung nur wenig beeinträchtig
Auch, wenn das Urteil des OVG Münster zum Smart-Meter-Rollout zunächst für viel Verwirrung gesorgt hat − Metering-Dienstleister Voltaris sieht darin auch eine Chance.
 
Wenn es der Gesetzgeber wie angekündigt schaffe, die sich aus dem Urteil ergebenden Veränderungen und Präzisierungen bis zum Ende der Sommerpause in das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) zu bringen, sei das im Grunde nur zur begrüßen, sagte Voltaris-Geschäftsführer Volker Schirra bei einem Online-Expertengespräch zu dem Thema am 18. Mai: "Klarheit ist immer gut".

Allerdings stellte Schirra auch klar: "Sollten die Änderungen im MsbG nicht schnell und sauber geregelt werden, dann haben wir wirklich ein Dilemma!" Der Eilbeschluss des OVG Münster vom 4. März habe in seiner überraschenden Deutlichkeit zunächst für Verunsicherung auf vielen Ebenen gesorgt. Die Akteure in Politik und bei Verbänden hätten aber schnell reagiert. Aus diesem Grund habe sich die Verunsicherung mittlerweile wieder gelegt. Man konzentriere sich vor allem auf die Erfüllung der 10 %-Ausrollqote bis Ende 2022. "Innerhalb der Anwendergemeinschaft wird die bisherige Rollout-Planung konsequent weitergeführt", sagte Schirra mit Blick auf die mittlerweile mehr als 40 Stadtwerke und Netzbetreiber umfassende Gruppe, die Voltaris ins Leben gerufen hat.

Beschaffungssituation erfordert langfristige Planung

Trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie habe der verstärkt digital weitergeführte Erfahrungsaustausch in der Gruppe durch regelmäßige Workshops wichtige Erkenntnisse und Hilfestellungen für den weiteren Rollout der Smart-Meter-Gateways (SMGW) gebracht. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass sich vier von fünf Störungen im Zusammenhang mit den SMGW auf eine zu schlechte Mobilfunkverbindung zurückführen lassen. Dieses grundlegende Problem werde sich auf die Schnelle wohl auch nicht ändern, so der zweite Voltaris-Geschäftsführer Karsten Vortanz: "Vielleicht wird es mit 5G oder der 450-MHz-Anbindung irgendwann besser." Als kurzfristige Lösung empfiehlt der Metering-Dienstleister den frühzeitigen Einsatz von Pegelmessgeräten, um die Empfangssituation zu evaluieren.

Als eine weitere grundlegende Herausforderung habe sich die Beschaffungssituation herausgestellt. Da es erst vier zertifizierte Hersteller von SMGW gebe, müsse die Beschaffung der Geräte sehr langfristig geplant werden. "Auch der Preiswettbewerb könnte sich aus unserer Sicht noch etwas besser gestalten", so Vortanz. Durch die 10-%-Quote seien noch keine großen Stückzahlen im Markt, was den Preis im Moment derzeit hochhalte. Er erwartet allerdings mittel- bis langfristig ein Absinken des Gerätepreises von aktuell etwa 260 Euro auf ein Niveau von dann um die 150 Euro. Preisabsprachen zwischen den Herstellern seien jedenfalls nicht zu erkennen.

Einen Ausblick auf künftige Mehrwertdienste im Zusammenhang mit dem SMGW gab Marcus Hörhammer, Bereichsleiter Produktentwicklung und Vertrieb. Zwar liege aktuell der Fokus der Stadtwerke noch bei der operativen Umsetzung des Gateway-Einbaus und der Anpassung der damit in Verbindung stehenden Prozesse. Dennoch habe bei vielen Akteuren bereits ein Nachdenken über weitergehende Möglichkeiten eingesetzt.

Aus Sicht von Voltaris seien dabei in der näheren Zukunft vor allem zwei Anwendungen interessant: Zum einen das Submetering etwa von Wärmemengen, zum anderen die visuelle Aufbereitung von Verbrauchsdaten für unterschiedliche Kundengruppen. Speziell im Submetering würden sich für Stadtwerke interessante neue Tätigkeitsfelder ergeben, so Hörhammer. Voltaris habe dafür ein Konzept entwickelt, bei dem die Informationen etwa der Wärmemengenzähler an Heizkörpern in einer "Datensammler"-Box aggregiert werden. Von dort könnten sie über die CLS-Schnittstelle an das SMGW übertragen und an ein Backendsystem weitergegeben werden. "Wir arbeiten an einem dort angekoppelten Abrechnungsvorbereitungssystem, das wir Stadtwerken als White-Label-Lösung anbieten wollen", so Hörhammer.

Das andere Thema sei die Aufbereitung und Visualisierung der Daten für die Endkunden. Recht kritisch äußerte sich Hörhammer dabei zu der vom Gesetzgeber vorgesehenen Minimallösung der Transparenz- und Display-Software ("TRuDI"). Hier seien sich im Markt eigentlich alle einig, "dass es das nicht sein kann". 

Stattdessen könnten Stadtwerke und Versorger hier mit ansprechenden webbasierten und für Mobilgeräte tauglichen Lösungen punkten und diese auch als Kundenbindungs-Tool nutzen. Das gelte nicht nur für die Haushaltskunden, sondern insbesondere auch für das Segment der kleinen und mittleren Gewerbekunden. Hier könnten die Portale, zertifiziert nach DIN EN ISO 50001 auch eine Grundlage für Energieaudits darstellen. 
 

Peter Koller
Redakteur
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Dienstag, 18.05.2021, 16:11 Uhr

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