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Enerige & Management > Gas - Verzerrtes Bild am deutschen Gasspeichermarkt
Quelle: Fotolia / tomas
GAS:
Verzerrtes Bild am deutschen Gasspeichermarkt
Einige Erdgasspeicher sind gut gefüllt in Deutschland, andere sind fast leer. Am Speichermarkt zeigt sich ein zweigeteiltes Bild.
 
In Deutschland liegt der Füllstand der Erdgasspeicher nach Daten des europäischen Verbands Gas Infrastructure Europe (GIE) bei rund 70 %. Beim Blick auf die Füllstände der deutschen Speicher verschiedener Gasunternehmen zeigt sich allerdings ein differenziertes Bild.

"Der aktuelle Füllstand der deutschen Gasspeicher ist mit gut 70 % historisch tief, weil vor allem der Füllstand des Gasspeichers Rehden nur bei knapp 10 % liegt", sagt der Geschäftsführer der "Initiative Energien Speichern" (Ines), Sebastian Bleschke. Dieser Gasspeicher mache mehr als 18 % der deutschen Speicherkapazitäten aus. Betreiber ist das Unternehmen Astora, eine hundertprozentige Tochter von Gazprom. Trotz des geringen Füllstands im eigenen Speicher "ist Gazprom bisher den eigenen Lieferverpflichtungen immer nachgekommen", sagt Bleschke.

Was ist der Grund für den für diese Jahreszeit geringen Füllstand in Rehden? Auf eine entsprechende Anfrage der Redaktion weist Gazprom darauf hin, dass Astora "als Betreiber von Erdgasspeichern aufgrund gesetzlicher Vorgaben keinen Einfluss auf das Kundenverhalten und die Füllstände" habe.

Die Entscheidung über Ein- und Ausspeichermengen liege bei den Kunden. Zudem teilt der Konzern mit: "In den letzten Wochen wurden auf dem Speicher Rehden die jährlichen Wartungsarbeiten an den technischen Anlagen durchgeführt. Auch der Speicher Jemgum wird zur Zeit routinemäßig überprüft, sodass die beiden Speicher für unseren Kunden in diesen Zeiträumen nicht zur Verfügung standen beziehungsweise stehen."

Überwiegend Füllstände über 80 %

Viel Luft ist auch im Kavernenspeicher "UGS Katharina", er ist aktuell (Stand: 29. Oktober) laut der Transparenzplattform des GIE zu 43 % gefüllt. Die Gesamtkapazität beträgt rund 5,5 Mrd. kWh. Der Speicher gehört dem Unternehmen Peissen in Halle (Saale), ein Joint Venture von Gazprom und VNG Gasspeicher. "Die Erdgasspeicher Peissen GmbH hat alle technisch verfügbaren Speicherkapazitäten an ihre Speicherkunden vergeben", teilt der Betreiber mit. "Alle eingehenden Kundennominierungen" seien erfüllt worden, heißt es.

Kurzfrist deutlich gefüllt hat sich der Gasspeicher "Etzel“ von OMV Deutschland. Am 28. Oktober wies die GIE einen Füllstand von 67 % auf, tags darauf kletterte der Pegel auf 79 % - das entspricht knapp 4,2 Mrd. kWh.

Alle anderen Speicherbetreiber in Deutschland geben Füllstände über 80 % an. Das Energieunternehmen Uniper etwa – es weist mit 62 Mrd. kWh die größte Speicherkapazität in Deutschland aus – meldet einen Füllstand von 88 %. Der Betreiber VNG Gasspeicher gibt 85 % an. RWE Gas Storage beziffert den Füllgrad auf 91 %.

Verrückte Börsenpreise?

"Der Füllstand der Gasspeicher ist ein wesentlicher Grund, warum die Preise bis Anfang Oktober so stark stiegen und auf hohem Niveau verharren", sagt Carsten Fritsch, Analyst für Energiethemen bei der Commerzbank. Die Anordnung von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, dass Gazprom seine Speicher in Deutschland ab 8. November füllen soll, könnte sich im bundesweiten Füllstand deutlich widerspiegeln, meint er.

"Solange keine außergewöhnlichen Herausforderungen im Winter entstehen, werden die Füllstände in den Gasspeichern in Deutschland auskömmlich sein", sagt Ines-Chef Bleschke. Man sei bereits "in der Vergangenheit mit ähnlichen Füllständen gut durch einen normalen Winter gekommen".

Die Füllstände sind, wie Bleschke erklärt, nicht die alleinigen Treiber für die Gaspreise, die sich zum Teil verzehnfacht haben. Explodiert seien die Preise unter anderem, weil "die Nachfrage weit über die Konjunkturerholung hinaus gestiegen ist", das Angebot aber offenbar nicht in gleichem Maße.

Bis August dieses Jahres nahm laut Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Gasnachfrage um 12 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Ausschlaggebend war vor allem der April, die Nachfrage war fast 60-fach höher als im selben Monat vor einem Jahr. "Im April 2021 wurde in Summe 17 Mrd. kWh aus den Speichern ausgelagert, voriges Jahr sind hingegen 3 Mrd. kWh im Saldo eingespeichert worden", sagt Bleschke.

Commerzbank-Analyst Fritsch sieht die hohe Nachfrage in Verbindung mit einer Vielzahl von Faktoren: dem Konjunkturaufschwung, dem "schwachen Windjahr", Engpässen bei der LNG-Versorgung aufgrund der großen Mengen, die China, Japan und Südkorea auf dem Weltmarkt eingekauft haben. Hinzu kam der Ausfall der Erdgasproduktion im Golf von Mexiko nach dem Hurrikan "Ida" und die zeitweilige Stilllegung von Gasverflüssigungsanlagen.
 

Manfred Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 29.10.2021, 14:28 Uhr

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