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Enerige & Management > Smart Home - Verweyen: "Beim Datenschutz hat sich viel getan"
Bild: Fotolia.com, XtravaganT
SMART HOME:
Verweyen: "Beim Datenschutz hat sich viel getan"
Dr. Norbert Verweyen, Geschäftsführer der RWE Effizienz GmbH, zeigt sich optimistisch, dass der Smart Home-Markt deutlich wachsen wird.
 
E&M: Herr Dr. Verweyen, RWE bietet bundesweit sowohl Privatkunden wie auch Stadtwerken für deren Kunden Smart Home-Systeme an: Wie unterscheidet sich das Angebot?

Verweyen: Unser Angebot an Privatkunden unter dem RWE-Brand umfasst neben den ganzen Services und Apps für die Hausvernetzung inzwischen 30 Geräte. Und die sind identisch mit dem, was wir Stadtwerken anbieten. Der Unterschied bei den Stadtwerken liegt darin, dass sie über ein neutrales Branding oder mit dem White Label sogar ihren eigenen Firmenauftritt haben. Da steht dann, überreicht von Stadtwerk XY oder ist im Fall von White Label schon direkt in der Verpackung für den Kunden zu sehen.

Ein Hinweis auf RWE ist da nicht mehr zu finden, auch wenn die grafische Oberfläche und sämtliche Funktionalitäten identisch sind.

E&M: Die Stadtwerke haben dann so eine Art Lizenzmodell und bezahlen Gebühren ans RWE, oder wie muss man sich das vorstellen?

Verweyen: Nun, wir verkaufen ja Hardware, und mit diesem Verkauf ist der Zugang zum Backend verbunden. Die Kunden melden sich über den Browser an, und zu unseren Dienstleistungen gehört dann zum Beispiel eine Hotline für die Kunden des Stadtwerks. Deren Anrufe werden beim White Label und beim neutralen Brand so geroutet, dass sich kein RWE-Mitarbeiter meldet, sondern eine neutrale Stelle den Kunden berät. Dass da über Dienstleistungsverträge dieselben Leute dahinterstecken, ist klar, aber für den Kunden ist nicht erkennbar, dass er von RWE beraten wird.

E&M: Noch mal: Das Stadtwerk muss für diese Dienstleistung nichts bezahlen?

Verweyen: Nein, es kauft bei uns die Geräte und verkauft die dann zu einem unverbindlichen Verkaufspreis weiter und kann daraus einen Nutzen ziehen. Das ist ein sehr einfaches Modell, und wir glauben, dass es für Stadtwerke ein günstiger Ausgangspunkt ist, in das große Kapitel Kundenbindung zu investieren.

„Unser Angebot ist nicht abhängig von RWE-Beteiligungen an Stadtwerken“

E&M: Um das noch mal von Ihnen bestätigt zu bekommen: Jeder Privathaushalt und jedes Stadtwerk in Deutschland ist für Sie ein potenzieller Kunde?

Verweyen: So ist es. Unser Angebot ist an keinen Strom- oder Gasliefervertrag gebunden und nicht abhängig von RWE-Beteiligungen an Stadtwerken.
Aber natürlich ist es auch so: Wenn wir oder unsere Partner einen Kunden gewonnen haben, dann werden wir beziehungsweise unser Partner ihn auch über weitere Optionen wie dezentrale Erzeugung, PV-Module, Batteriespeicher et cetera informieren.
 
Smarte Partnerschaft: Jörg Karlikowski (rechts), Geschäftsführer der Stadtwerke Werl, übernimmt Smart-Home-Systeme von RWE-Effizienz-Geschäftsführer Norbert Verweyen
Bild: RWE


E&M: Wie viele Kunden haben Sie im privaten Bereich und bei den Stadtwerken bisher, und welche Umsatzziele streben Sie in welchen Zeiträumen an? Vor mir liegt eine Statista-Marktprognose (siehe Kasten; die Red.), die Sie sicher auch kennen, und da geht der Smart-Home-Markt steil nach oben …

Verweyen: Diese Prognosen schauen wir uns natürlich auch immer sehr interessiert an.

Was unsere Umsätze und Ziele angeht, bitte ich um Verständnis, dass wir derzeit keine Zahlen herausgeben. Das hat zwei Gründe: Wie Sie sicherlich wissen, wird unser Konzern neu strukturiert und es ist ein Börsengang geplant, da ist bei Zahlen erstmal noch Zurückhaltung geboten; der zweite Grund ist direkt damit verbunden, wir wollen im Wettbewerb des Marktes keine Zahlen nennen.

Was die – zunächst mal unabhängigen – Zahlen von Statista angeht, die einen extrem stark wachsenden Markt zeigen, so können wir das aus unserer bisherigen Erfahrung gut nachvollziehen.

E&M: In der Statista-Prognose werden Smart-Home-Systeme in verschiedene Segmente unterteilt: In welchen Bereichen erkennen Sie in Ihrem Geschäftsalltag das größte Interesse?

Verweyen: Das sind bei uns Komfort und Sicherheit und damit verbunden Heizung und Raumwärme.

Damit noch mal zu Statista: In deren Prognose wird nicht fein unterschieden, wenn es zum Beispiel um Hausautomatisierungssysteme geht, da ist das private Haus genauso enthalten wie Systeme für Hotels und Bürokomplexe. Wir aber konzentrieren uns auf Ein- und Zweifamilienhäuser, was aber nicht bedeutet, dass wir die Prognosen bezweifeln.

E&M: Es gibt aber doch gerade im privaten Bereich noch Vorbehalte wegen des Datenschutzes. Das berühmte Beispiel: Ich möchte nicht, dass jemand weiß, wann ich und mit wem ich dusche …

Verweyen: Natürlich gibt es diese Diskussion, vor allem aber in der Presse. Wenn Sie aber mal schauen, was sich im Markt tut, dann hat sich das grundlegend gewandelt. Vor drei Jahren mussten wir noch erklären, was ein Smart Home ist, heute kommen die Menschen auf uns zu und wollen wissen, ob wir ihre Wünsche mit unserem System erfüllen können.

Und beim Datenschutz hat sich aufgrund solcher Dusch-Diskussionen natürlich auch bei uns viel getan. Wir haben eine Anzahl von Zertifikaten von VDI bis TÜV, die uns Datensicherheit bescheinigen, da müssen wir keinen Quervergleich mit anderen Systemen scheuen und sind Top of the Pops, wie das so schön heißt.

E&M: Sie haben 30 verschiedene Geräte in Ihr System integriert, und wir lesen immer wieder von der Schnittstellenproblematik bei solchen smarten Systemen …
Verweyen: Sie spielen wahrscheinlich darauf an, dass es unterschiedliche Protokolle und Funkprotokolle zwischen den Geräten gibt …

E&M: So ist es.

Verweyen: Wir haben uns von Anfang an ganz bewusst entschieden, nicht auf ein Standardfunkprotokoll zu setzen, sondern auf CosIP, das nennt sich Communication over secured IP. Damit sind wir in der Lage, die Schnittstellen nach außen weiter aufzumachen und über die IP-Schnittstelle problemlos Drittgeräte anzubinden.

„Die Kombination PV-Anlage, Batterie und Smart-Home-System bringt Vorteile“

E&M: Wohnen Sie eigentlich in einem Smart Home?

Verweyen: Natürlich.

E&M: So natürlich ist das natürlich nicht, denn auch nicht jeder, der für mehr Elektro-Autos plädiert, fährt auch eines …

Verweyen: Das ist leider wahr.

E&M: Mit dem Smart Home wurde automatisch der Smart Meter verbunden: Ein Fehlschluss, und somit bringt Ihnen der geplante Rollout der intelligenten Zähler auch nichts?

Verweyen: Zwischen den beiden Systemen gibt es Berührungspunkte, sie werden aber häufig durcheinandergeschmissen, obwohl es zwei völlig voneinander unabhängige Entwicklungen sind. Wir haben unseren Smart-Home-Ansatz so gewählt, dass wir ohne Smart Meter in die Steuerung des Hauses hineinkommen. Wobei sich Steuerung immer so anhört, dass man ständig etwas tun muss, mit dem Smart Phone durch die Gegend laufen, um diesen oder jenen Befehl zu geben. So ist das aber nicht: Wenn das System einmal programmiert ist, dann läuft das meiste automatisch ab.

Bei der ganzen Smart-Meter-Diskussion geht es letztlich ja nur um die Visualisierung nicht des Energie-, sondern des Stromverbrauchs. Und da haben wir aus einer Reihe von Smart-Meter-Feldtests die Erfahrung gemacht, dass die reine Visualisierung wenig dazu hilft, das Verbrauchsverhalten zu verändern. Für ein paar Wochen ist die Beobachtung für die Nutzer mal ganz interessant, aber dann wird das wieder vergessen.

E&M: Können Batteriespeicher in Verbindung mit PV-Anlagen das Smart-Home-System bereichern?

Verweyen: Wir bieten ja sowohl Batterien wie PV-Anlagen an und sehen in der Kombination mit unserem Smart Home-System durchaus Vorteile.

Dazu zwei wesentliche pauschale Pi-mal-Daumen-Botschaften: Wir bieten heute schlüsselfertige PV-Anlagen nicht für 20 000, sondern für 5 000 Euro an. Wenn wir diese mit Batteriespeichern verbinden, dann steigt der mit der PV-Anlage erzeugte Strom von 25 auf 50 Prozent Eigenverbrauch, was die Wirtschaftlichkeit deutlich steigert. Wenn wir dann noch, das ist die dritte Botschaft, über das Smart-Home-System in die Verbrauchssteuerung von Geräten eingreifen, dann kommen wir auf bis zu 70 Prozent Eigenverbrauch und mehr. Das ist bares Geld für den Kunden, und dazu noch umweltfreundlich.

E&M: Zum Pi mal Daumen: Was kostet mich für mein 170 Quadratmeter-Einfamilienhaus ein Smart-Home-System von RWE?

Verweyen: Da würde ich Ihnen als kritischem Konsumenten sagen, dass Sie erstmal ausprobieren, ob es stimmt, was wir Ihnen versprechen, dass es nämlich kinderleicht ist, mit dem System umzugehen. Sie kaufen für 200 Euro ein Starterpaket mit zwei Heizungsventilen und testen, ob die Grundfunktionalität stimmt. So fangen viele Kunden an und kaufen dann mehr und mehr Geräte, wenn sie spüren, dass sie am Morgen ein warmes Badezimmer haben und am Abend wieder, ohne dass den ganzen Tag durchgeheizt wurde und dadurch auch die Heizkosten reduziert wurden.

E&M: Bei meiner Fußbodenheizung wird das aber nicht so einfach sein …
Verweyen: Wir haben auch Fußbodensteuerung im System, aber Sie haben recht, das System ist träger und die Einsparung somit geringer.

E&M: Wer ist denn der typische Proband?

Verweyen: Als wir vor vier Jahren damit auf den Markt gegangen sind, da war es der technisch interessierte Hausbesitzer, mittlerweile hat sich die Kundengruppe aber erweitert und das allgemeine Interesse an solchen Systemen ist gestiegen.
 
 

Smart Home – der Milliardenmarkt
Das Statistik-Portal „Statista“ sieht für Smart-Home-Systeme in den nächsten Jahren weltweit einen steilen Aufschwung. Smart Home definiert das Portal so:
„Der Markt umfasst den Verkauf von vernetzten Geräten zur Hausautomatisierung an private Endnutzer (B2C) und die zugehörigen Dienstleistungen. In die Betrachtung fließen Geräte zur Steuerung, Kontrolle und Regelung diverser Funktionen im Privathaushalt ein, die über ein so genanntes Gateway direkt mit dem Internet verbunden sind. Darüber hinaus werden Dienstleistungen berücksichtigt, die zur Aufrechterhaltung des Hausnetzwerkes oder dessen Steuerung zwingend erforderlich sind (z.B. Abonnementgebühren für Steuerungs-Apps oder externe Überwachungsdienste). Nicht berücksichtigt werden Geräte, deren primäre Funktion nicht in der Automatisierung oder Fernsteuerung der Hauseinrichtung liegt (z.B. Smart Phones oder Tablets), sowie Geräte, deren Wert und Motiv zur Anschaffung nur in eingeschränktem Maße von der Vernetzung und Fernsteuerung abhängen (z.B. Kühlschränke, Smart TVs oder Backöfen).“

Auf dieser Basis prognostiziert Statista für das Jahr 2016 ein Marktvolumen von 7 316 Mio. Euro für die USA, 850 Mio. für Japan, 697 Mio. für Deutschland, 391 Mio. für China und 359 Mio. für Großbritannien.

Der durchschnittliche Umsatz pro Haushalt werde 2016 in Deutschland bei 1 484 Euro liegen, die Penetrationsrate werde bei 1,21 Prozent der Haushalte liegen, im Jahr 2020 voraussichtlich 6,23 Prozent erreichen und dann ein Umsatzvolumen von 2,457 Mrd. Euro haben.
 

Helmut Sendner
Herausgeber
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Donnerstag, 25.02.2016, 15:23 Uhr

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