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Enerige & Management > Europaeische Union - Verteilnetzbetreiber erhalten neue Vertretung in Brüssel
Bild: Shutterstock/Savvapanf Photo
EUROPAEISCHE UNION:
Verteilnetzbetreiber erhalten neue Vertretung in Brüssel
Der neue europäische Verband der Verteilnetzbetreiber mit Namen "EUDE" (EU DSO Entity) hat seine Arbeit aufgenommen.
 
Auf der ersten Mitgliederversammlung des Verbands wurden Vincenzo Ranieri zum Präsidenten sowie Johan Mörnstam, Sylvain Gomont und Stefan Sedin zu Vizepräsidenten gewählt. Ranieri ist Geschäftsführer des italienischen Verteilnetzbetreibers E-Distribuzione SpA. Mörnstam leitet das zum Eon-Konzern gehörende ungarische Unternehmen Eszak-dunantuli Aramhalozati, Gomont den Verteilnetzbetreiber der französischen Kommunen SRD und Sedin die schwedische Jämtkraft Elnät AB.

In den 27-köpfigen Vorstand wurden unter anderen die Geschäftsführer der EWE Netz (Torsten Maus), der Wesernetz Bremen GmbH (Patrick Wittenberg) und der Netzgesellschaft Forst Lausitz (Maik Wortmeier) gewählt. Sie vertreten die deutschen Netzgesellschaften mit weniger als 100.000 Anschlusspunkten (Lausitz), mit 100.000 bis zu 1 Mio. Anschlüssen (Wesernetz) und mit mehr als 1 Mio. Anschlüssen (EWE). Alle drei Gesellschaften sind Mitglieder im deutschen Interessenverband VKU (Verband kommunaler Unternehmen), der mit 240 Verteilnetzbetreibern die meisten Mitglieder des neuen Verbands stellt.

VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing gratulierte den gewählten Kandidaten: „Wir freuen uns sehr, dass wir die Wahl der Kandidaten aus den VKU-Mitgliedsunternehmen in allen drei Kategorien des neuen Vorstands der EUDE erfolgreich unterstützen konnten.“ Die neue Organisation werde eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung von Regeln für die Stromnetze in der EU spielen, die auch in Deutschland verbindlich würden.

Themen Cybersicherheit und Flexibilität im Vordergrund

Man betrachte die Wahl der deutschen Vertreter als Vertrauensbeweis, sagte Torsten Maus und verwies auf die lange Erfahrung seines Unternehmens mit der Energiewende: „Durch unsere Netze im Nordwesten Deutschlands fließen schon heute nahezu 100 Prozent grüner Strom – und dies sicher und sehr zuverlässig.“ Damit das so bleibe, stehe für die europäischen Verteilnetzbetreiber das Thema Cybersicherheit im Vordergrund. Daneben gehe es vor allem darum, die Netze so flexibel zu machen, dass sie den Anforderungen der Elektromobilität gewachsen sind.

Die Gründung des EUDE geht auf eine Initiative der EU zurück. Der europäische Gesetzgeber verlangt in der 2019 verabschiedeten Elektrizitätsbinnenmarktverordnung den Zusammenschluss und die systematische Einbeziehung der Verteilnetzbetreiber in die Erarbeitung der Netzstandards. Bislang ist dafür allein die Dachorganisation der Übertragungsnetzbetreiber, Entso-E, zuständig. Die Netzwerk-Kodizes sind unmittelbar anwendbares europäisches Recht.

Entso-E begrüßte die Gründung des neuen Verbands. Man werde mit dem EUDE genauso gut zusammenarbeiten wie mit den bereits existierenden Organisationen E.DSO oder Eurelectric. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern sei entscheidend für das Management einer volatileren Erzeugung, werde die Integration eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien erleichtern und zur Netzstabilität beitragen.

Neben der Beteiligung an den Netzwerk-Kodizes soll der EUDE die Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern in der EU fördern und ihre gemeinsamen Interessen wahrnehmen. Im Unterschied zur existierenden Dachorganisation der Branche, Eurelectric, die vor allem politische Interessen der Branche vertritt, soll der EUDE sich auf technische und operative Fragen konzentrieren.

Verband ist offen für neue Mitglieder

Mitglied kann jeder der rund 2.500 Verteilnetzbetreiber in der EU werden, Verteilnetzbetreiber aus Drittstaaten können assoziierte Mitglieder werden. Letztere können zwar an der Hauptversammlung teilnehmen, sie haben aber kein Stimmrecht. Der VKU und der BDEW bieten ihren Mitgliedern darüber hinaus an, sie in der Hauptversammlung des EUDE zu vertreten. An den Vorstandssitzungen nehmen sie als Beobachter teil.

Sie versuchen außerdem ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Verteilnetzbetreiber zu organisieren. Im „Verteilnetzbetreiber-Koordinierungskreis“ (VEKO) werden deutsche Verteilnetzbetreiber über die laufende Arbeit im EUDE informiert und können sich mit den anderen Mitgliedern austauschen. Dadurch sollen gleich gelagerte Interessen der deutschen Netzbetreiber effektiver zur Geltung gebracht werden.

Interessierte Verteilnetzbetreiber können sich über die Internetseite des BDEW  registrieren lassen.
 

Tom Weingärtner
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Mittwoch, 09.06.2021, 15:45 Uhr

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