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Enerige & Management > Gas - Versorgungssicherheit nicht nur für heute denken
Quelle: Euroforum
GAS:
Versorgungssicherheit nicht nur für heute denken
Auf der Handelsblatt-Jahrestagung Gas ging es am 28. September um die Versorgungssicherheit im Ausnahmezustand. Schnelle politische Entscheidungen für die Dekarbonisierung sind gefragt.
 
Angesichts der Gasmangellage, stetig steigender Preise und großer Unsicherheiten sei die Politik derzeit „im Feuerwehrmodus“ unterwegs. So fasste es Ludwig Möhring Hauptgeschäftsführer des BVEG zusammen. Im Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) habe man dafür Verständnis, dennoch dürften die Weichenstellungen für die Gaszukunft nicht vergessen werden, erinnerte er. Erdgas für die nächsten zwei Winter sei wichtig, auch der Ausbau alternativer Lieferrouten über LNG-Terminals richtig. Doch ebenso müsste endlich der Aufbau von Wasserstoffproduktion und -netz begonnen werden, appellierte Möhring.

Die aktuelle Erdgasknappheit sollte genutzt werden, um schneller auf Wasserstoff und Biogas umzusteigen. Doch noch seien die Projekte mit 100 MW zu klein, kritisierte Thomas Thiemann, Senior Vice President für Energy Transition Technologies der Siemens Energy. Seit 18 Monaten liege die Entscheidung der EU über die eingereichten IPCEI-Projekte Deutschlands in Brüssel auf Eis. Mit den Projekten von gemeinsamen europäischen Interesse (IPCEI) soll die Wasserstoffwirtschaft gefördert werden.

Jetzt mit Wasserstoffnetzen beginnen

Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Rhein Energie, sprach sich für Startnetze der Wasserstoffwirtschaft für die Industrie aus. Hier könne in engem räumlichen Rahmen die Technologie eingesetzt und schnell kostbares Erdgas eingespart werden. Dazu müsse die vorhandene Netzinfrastruktur einbezogen werden, sagte Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsleitung von Open Grid Europe. Ein Unbundling von Erdgas- und Wasserstoffnetzen, wie von der Europäischen Kommission geplant, sei kontraproduktiv.

„Auch laut der aktuellen Denastudie benötigen wir 2045 bei einer klimaneutralen Wirtschaft noch 30 % unseres Energieverbrauchs als Gas, auch als Rohstoff“, erinnerte Bergmann. Eine komplett elektrische Gesellschaft sei nicht möglich, auch weil Gas stofflich verwendet wird. Dem pflichtete Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der Gasag Berlin, bei. Auch bei größtmöglicher erneuerbarer Stromversorgung gebe es 1.500 Stunden im Jahr, in denen zum Beispiel Berlin nicht genug Strom bekäme ohne die Unterstützung aus Gaskraftwerken. Das habe eine Simulation ergeben. Das könnten erneuerbare Gase sein, doch diese Kraftwerke seien unabdingbar.

Energienetze integriert planen
 
Frauke Thies, Exekutivdirektorin der Agora Energiewende, plädierte dafür, alle Energienetze von Strom über Erdgas, Wasserstoff und Wärme integriert zu planen, um Synergien zu heben. Dies versuche zumindest für alle Gasnetze bereits der Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP), erläuterte Patrick Wittenberg, Geschäftsführer der Westnetz.

So stehe der größte Teil der Gasnetzbetreiber auch auf den unteren Ebenen bereit, Wasserstoff vor allem für Unternehmen ins Netz zu integrieren. „Die konkrete Transformationsplanung der Gasverteilnetze weg vom Erdgas hin zu Wasserstoff und Biomethan hat schon begonnen“, sagte er. Was fehle sei ein politischer Rahmen, in dem die Unternehmen handeln können.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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