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Enerige & Management > Fusion - Versorger erwägen Klage gegen Eon-Innogy-Deal
Bild: Fotolia.com, MR
FUSION:
Versorger erwägen Klage gegen Eon-Innogy-Deal
Eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wollen einige Energieversorger nicht ausschließen, sollte es keine strengen Auflagen von der EU-Kommission für den Eon-Innogy-Deal geben.
 
Sollte die Brüsseler Wettbewerbsbehörde den Eon-Innogy-Deal mit eher „weichen Auflagen“ genehmigen, dürfte es zu einer Klage gegen den Beschluss vor dem Europäischen Gerichtshof kommen. Nach E&M-Informationen bereiten einige Energieversorger, die die Marktmacht der „neuen“ Eon fürchten, diesen Schritt bereits prophylaktisch vor. Ben Schlemmermeier von der LBD Beratungsgesellschaft, der einige Unternehmen bei ihren Einwendungen berät, hält eine solche Entwicklung für wahrscheinlich: „Alles andere würde mich überraschen, wenn es aus Sicht der Eon-Wettbewerber wirklich zum Worst Case kommt.“

Zu den größten Kritikern des Deals gehört Gero Lücking, Geschäftsführer von Lichtblick, Deutschlands führendem Ökostromstromanbieter. Er macht keinen Hehl aus seiner Ablehnung der vom Eon-Vorstand beschlossenen Zugeständnisse, um die Übernahme von Innogy von Brüssel „abgesegnet“ zu bekommen: „Das kann es wirklich noch nicht gewesen sein. Da muss noch viel mehr kommen“, sagte er gegenüber E&M.

Eon hatte neben Verkäufen des eigenen Stromkundengeschäftes in Ungarn sowie des Strom- und Gaskundengeschäfts von Innogy in Tschechien unter anderem die Aufgabe der rund 260 000 deutschen Sondervertragskunden im Heizstrombereich angeboten. Für den Verkauf dieses Geschäftszweiges sind zwei eigenständige Gesellschaft geplant, eine für Nord-, die andere für Süddeutschland. „Das wird die Marktmacht der neuen Eon nicht im geringsten einschränken, da das Unternehmen alle Heizstromkunden von Innogy behalten will“, wirft Lücking dem Eon-Vorstand „reine Luftbuchungen“ vor. Davon abgesehen: Allein in Deutschland würde Eon nach der Innogy-Übernahme 14 Mio. Strom- und Gaskunden versorgen.

Auch der von Eon angebotene Verzicht, 32 an Bundesautobahnen bereits errichtete sowie zwei weitere geplante Ladestationen für Elektrofahrzeuge abzugeben, hält der Lichtblick-Geschäftsführer für „irrelevant“: „Eon würde in diesem Zukunftsmarkt dank der zahlreichen Innogy-Aktivitäten weiterhin marktbeherrschend sein.“ Er hat die Hoffnung, dass die EU-Kommission die bislang eher „harmlosen Auflagen“ für die Innogy-Übernahme durch Eon bis zum 20. September, am anvisierten Ende des Kartellverfahrens, noch deutlich erhöht: „Ansonsten dominiert Eon nicht nur bundesweit das Vertriebsgeschäft, sondern auch Zukunftsanwendungen wie Smart Meter.“
 
In der Pflicht sieht Lücking vor allem die EU-Wettbewerbskommission in Brüssel. Ende Juni hatte die von der Dänin Margrethe Vestager geleitete Behörde zahlreiche Energieversorger per Fragebogen aufgefordert, innerhalb weniger Tage Stellung zu den vom Eon-Konzern gemachten Zugeständnissen für die Übernahme des (Noch-) RWE-Tochterunternehmens Innogy zu beziehen. Fristgerecht haben die Lichtblick-Experten vor wenigen Tagen das Antwortschreiben nach Brüssel geschickt.

Sollte Vestagers Kartellexperten die von Eon angebotenen „moderaten Zugeständnisse“ durchwinken, will Lichtblick nicht untätig bleiben. „Bei einer für Eon günstigen Entscheidung werden wir auf jeden Fall eine Klage prüfen“, kündigte Lücking gegenüber E&M an.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Freitag, 05.07.2019, 14:37 Uhr

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