• Einspeisung aus Wind und Solar lassen nach
  • Oberbürgermeister: Über kurz oder lang Gasrationierungen
  • Wenn Hacker mit dem Blackout drohen
  • Studie: Ladelücke gefährdet Klimaziele
  • Markt für nachhaltige Finanzierungen schrumpft weiter
  • EnBW engagiert sich weiter in Düsseldorf
  • Sozialdemokraten kritisieren "Antiteuerungspaket" der Regierung
  • EnBW erweitert sein Ladeangebot um sieben weitere Länder
  • Wissing fordert mehr Ladesäulen in Kommunen
  • Deneff Jahreskonferenz "Effizienzrepublik Deutschland"
Enerige & Management > Veranstaltung - Verkehrsminister gegen Tempolimit - RWE-CEO für Gaskraftwerke
Quelle: Shutterstock / Brian A Jackson
VERANSTALTUNG:
Verkehrsminister gegen Tempolimit - RWE-CEO für Gaskraftwerke
Auf der Handelsblatttagung in Berlin sprach sich Bundesverkehrsminister Wissing gegen ein Tempolimit und für freie Mobilitätswahl der Bürger aus. Der RWE-Chef forderte Gaskraftwerke.
 
Der Bundesminister für Digitales und Verkehr, Volker Wissing (FDP), nannte die Klimaschutzziele in seinem Sektor ehrgeizig. Auf der Handelsblatttagung in Berlin sagte er: „Wir müssen handeln, abwarten ist keine Option.“ Allerdings will er das Ziel, statt 145 Mio. Tonnen Klimagase bis 2030 nur noch 85 Mio. Tonnen im Verkehrssektor auszustoßen, nicht mit Zwang erreichen.

Auch ein Tempolimit auf Autobahnen lehnte er ab. „Das ist ein ganz kleines Thema“, sagte Wissing dazu. Er setze eher auf die digitale Lenkung von Verkehrsströmen, um nicht mehr Straßen zu bauen sondern die vorhandenen besser zu nutzen.

Klimafreundliche Angebote machen

Ein starker ÖPNV, eine starke Bahn, klimaneutraler Schwerlastverkehr und Flugverkehr würden die Klimaschutzziele bis 2030 erreichbar machen, hofft der Verkehrsminister. Menschen und ihre Bedürfnisse seien sehr individuell, daher gelte es, „jedem und jeder ein Angebot machen, das die Menschen als Fortschritt für sich empfinden“. Wenn ein Umstieg auf klimafreundliche Alternativen im Verkehr mehr Zeit oder mehr Geld koste, seien sie keine Option für die Bürger.

Die neue Bundesregierung werde die Förderung für Hybridfahrzeuge und Dienstwagenbesteuerung überprüfen, aber keine radikalen Änderungen vornehmen, versprach er. „Wir wollen genauso mobil sein, wie wir es immer waren, aber eben klimaneutral“, entwarf der Minister als Ziel der Verkehrspolitik. Digitalisierung solle den Umstieg und die Koordinierung verschiedener Verkehrsmittel erleichtern. „Funklöcher sind für einen Wirtschaftsstandort wie die Bundesrepublik nicht akzeptabel“, sagte Wissing. Auch um die Bürger zu überzeugen, bis 2030 auf 15 Mio. Autos mit wenigstens teilweise elektrischem Antrieb umzusteigen, setzt Wissing auf freie Wahl. Klimaneutrale individuelle Mobilität gehe nur mit ausreichend erneuerbarem Strom und genug Schnellladeinfrastruktur, besonders entlang der Autobahnen. „Laden muss so schnell gehen wie Tanken“, sagte Wissing. Das Bezahlen solle mit allen Methoden und ohne Vertragsbindung möglich sein.
 
Markus Krebber (CEO RWE) (l.) und Volker Wissing
(Bundesminister für Digitales und Verkehr) auf der Tagung
Quelle: Handelsblatt

Sichere klimafreundliche Stromversorgung mit Gas

Auf die Frage, woher genug erneuerbarer Strom auch für die Mobilität kommen soll, ging danach Markus Krebber, CEO von RWE, ein. Mit dem Kohle- und Kernkraftausstieg müsse jetzt volle Kraft „aufs Anschalten“ von Gaskraftwerken gelenkt werden, die zunächst mit Erdgas und später mit klimaneutral erzeugtem Wasserstoff betrieben werden können, sagte er.

„Wir als RWE stehen bereit, wir wollen schnell investieren“, bekräftigte Krebber sowohl in Bezug auf Gaskraftwerke wie auf erneuerbare Energieanlagen. Die Wirtschaft brauche dafür Klarheit über die Vergütung von bereitgehaltener Leistung. Alles, was helfe, Emissionen zu sparen, solle pragmatisch umgesetzt werden.

LNG-Terminal gefordert

Ohne diesen schnellen Ausbau habe Deutschland keine gesicherte grüne Energieversorgung, damit der Industriestandort erhalten bleibt, warnte er. Er begrüßte das angekündigte Sofortprogramm der neuen Ampelregierung. Zur aktuellen Strompreisrallye mit einer Verdreifachung des Preises gegenüber dem Vorjahreszeitraum nannte er sowohl die Erholung nach der Pandemie als Ursache wie auch die hohen Preise für Emissionszertifikate und die Reduktion bei der Förderung fossiler Brennstoffe. „Aluminium- oder Düngemittelproduzenten verkaufen den vorab georderten Strom lieber in den Markt zurück, als damit zu produzieren“, umriss Krebber die Situation.

Für eine künftige sichere und klimafreundliche Energieversorgung sei neben dem
Ausbau der Netze und der Erzeugung auch ein LNG Terminal für Deutschland nötig, sagte er. Wenn nur noch Gas als Energieträger benutzt würde, müsse es eine Alternative zu den Pipeline-Lieferungen geben. Da das Terminal aber rein wirtschaftlich nicht zu verantworten sei, weil es nur eine „Versicherungsprämie“ gegen Ausfälle von Pipelinegas wäre, müsse es mit staatlicher Förderung gebaut werden, warb Krebber.

Wasserstoff jetzt planen und zertifizieren

Für die Zukunft müsse das Wasserstoffnetz jetzt schnell geplant werden und eine praktikable Definition von grünem Wasserstoff her. Diese sollte nicht an Nutzungszeiten und erneuerbare Stromerzeugung gekoppelt sein, dank des CO2-ETS-Handels seien die Emissionen ohnehin schon gedeckelt. „Energieimporte sind weiter nötig, dafür könne auch eine Offshore-Kooperation mit den Nachbarn Niederlande und Dänemark helfen“, sagte er. Der RWE-Chef warb dafür, auch beim Offshore-Windstrom schon Wasserstoff und Ammoniak mitzudenken.

Zudem werde für Teile der Industrie die Abscheidung von CO2 nötig sein. Krebber begrüßte die Idee der Ampelkoalition für einen Transfomationsausschuss mit der Industrie sowie für Klimaklubs, die einen einheitlichen Rahmen bei Klimaschutzvorgaben für die Industrieländer schaffen. „Ich habe sonst Angst, dass hohe Energiepreise dazu führen, dass wir schleichend deindustrialisieren und keiner es merkt“, äußerte Krebber.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
+49 (0) 151 28207503
eMail
facebook
© 2022 Energie & Management GmbH
Montag, 17.01.2022, 16:06 Uhr

Mehr zum Thema