• Strom und Gas leichter, CO2 behauptet sich
  • Kohleausstieg spült Geld in die Kasse der Stadtwerke Bremen
  • Geplantes NRW-Klimagesetz "nicht zeitgemäß"
  • Ministerium sorgt für Klarheit beim Smart Meter Rollout
  • Mannheim stellt Weichen für Smart City
  • Full-Service-Angebot für Redispatch 2.0
  • Erdwärme ist der "Effizienzmeister" unter den Erneuerbaren
  • Storengy hat Speicherkapazität im Angebot
  • Klimaforscher fordern Einsatz nur in alternativlosen Bereichen
  • Stadtwerke Garbsen testen digitale Datenübermittlung und Sensorik
Enerige & Management > Österreich - Verflechtung sorgt für "schaumgebremsten Wettbewerb"
Bild: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
Verflechtung sorgt für "schaumgebremsten Wettbewerb"
Überwiegend positiv bilanzieren die Chefs des Regulierers E-Control, Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer, ihre Tätigkeit. Doch sehen sie nach wie vor Handlungsbedarf.
 
Eine weitgehend positive Bilanz über fünf gemeinsame Jahre an der Spitze der E-Control zogen am 15. März die Vorstände der österreichischen Regulierungsbehörde, Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer. Urbantschitsch berichtete, der Wettbewerb habe sich intensiviert.

Auf dem Strommarkt seien 18 neue Anbieter in den Markt eingetreten, davon sechs aus Österreich und neun aus Deutschland. Den Eintritt in den Gasmarkt hätten 17 Versorger vollzogen, davon je acht aus Österreich und Deutschland. Demgegenüber hätten nur zwei Unternehmen ihre Aktivitäten eingestellt, die Vitalis-Handels-GmbH und die 2017 in Konkurs gegangene Care-Energy. Hinsichtlich der Letzteren bewährte sich laut Urbantschitsch eine Bestimmung, die der E-Control für solche Fälle die Kompetenz verleiht, die Kunden auf andere Versorger aufzuteilen und so deren Energiebezug weiterhin zu gewährleisten. Insgesamt sind in Österreich zurzeit 155 Stromlieferanten tätig, davon 60 im gesamten Bundesgebiet. Ferner bieten 30 von insgesamt 50 auf dem Markt agierenden Gaslieferanten ihre Produkte in ganz Österreich an.

Marktkonzentration auf hohem Niveau

In Summe hat sich die Marktkonzentration laut Urbantschitsch verringert. Sie ist aber weiterhin auf hohem Niveau. Auch bedinge die vergleichsweise starke Verflechtung zwischen den etablierten Energieunternehmen einen eher „schaumgebremsten Wettbewerb“, konstatierte der E-Control-Vorstand. Ferner seien die rund 4.000 angebotenen Produkte „nach wie vor sehr homogen. Der Wettbewerb erfolgt im Wesentlichen über den Preis“. Zwar steige das Interesse der Kunden am Thema Nachhaltigkeit und damit auch an den Technologien, mit denen der genutzte Strom erzeugt wird: „Aber letzten Endes entscheidet auch bei Kunden, die sich mit solchen Fragen befassen, der Preis.“

Urbantschitsch rechnet indessen mit einer stärkeren Differenzierung der Produkte: „Die Versorger werden zusätzliche Produkte und Dienstleistungen anbieten.“ Dies betreffe beispielsweise Kombinationen von PV-Anlagen, Stromspeichern und Ladestellen für Elektrofahrzeuge. Eine Belebung des Wettbewerbs erwartet sich Urbantschitsch auch von den Energiegemeinschaften, die mit dem Paket um das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG-Paket) eingeführt werden.

Kraftwerkspark im Wandel

Unterdessen ist der österreichische Kraftwerkspark in einem erheblichen Wandel begriffen, ergänzte Eigenbauer. So fiel die Leistung der thermischen Kraftwerke von ihrem Höhepunkt von 7.768 MW im Jahr 2016 auf mittlerweile 6.388 MW. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 17,8 %. Im Gegenzug verdoppelte sich die Leistung der Photovoltaikanlagen auf etwa 2.000 MW, jene der Windparks wuchs um rund 28 % auf 3.200 MW. Um etwa 800 MW auf 8.800 MW angewachsen ist ferner die Leistung der österreichischen Pumpspeicherkraftwerke.

Die Gesamtkapazität des Kraftwerksparks bezifferte Eigenbauer mit 26.187 MW, was gegenüber 2016 einer Erhöhung um 1.400 MW beziehungsweise 5,6 % entspricht. Bereitgestellt wird diese Leistung von rund 150.000 Erzeugungseinheiten, von denen laut Eigenbauer etwa 97 % „kleine PV-Anlagen“ sind: „Das zeigt ganz gut, wie stark sich die Stromproduktion bereits in die Bevölkerung ausgedehnt hat.“

Das Rückgrat der Stromerzeugung in Österreich ist ihm zufolge nach wie vor die Wasserkraft mit rund 35 bis 50 Mrd. kWh pro Jahr. Auf thermische Kraftwerke entfallen etwa 15 Mrd. kWh, „etwas mehr als vor fünf Jahren“. Eigenbauer erklärte dies nicht zuletzt mit der seit 1. Oktober 2018 erfolgenden Kapazitätsbewirtschaftung auf den deutsch-österreichischen Stromtransversalen („Strompreiszonentrennung“). Sie führt dazu, dass weniger elektrische Energie aus Deutschland importiert werden kann und daher gasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen vermehrt zur Netzstützung gefahren werden müssen. Das letzte Kohlekraftwerk Österreichs, Mellach bei Graz, ging im Frühjahr 2020 außer Betrieb.

Nichts mehr abschalten

Laut Eigenbauer ist nunmehr eine Situation erreicht, in der aus Gründen der Versorgungssicherheit keine thermischen Kraftwerke mehr stillgelegt werden sollten: „Was wir jetzt haben, werden wir weiter brauchen.“ Bedauerlicherweise fehle es an Anreizen, die alternden Anlagen durch neue zu ersetzen. „Gaskraftwerke sind für die Politik momentan kein Thema“, konstatierte er auf Anfrage der Redaktion. Auch die von der E-Control vorgeschlagene Einführung eines Standards für die Versorgungssicherheit im Stromsektor sei bis dato nicht erfolgt.

Urbantschitsch und Eigenbauer hatten ihre Funktionen Ende März 2016 angetreten. Wie berichtet, wird Eigenbauer am 24. März durch Alfons Haber abgelöst, der bereits in den Anfangsjahren der E-Control für diese tätig war. Urbantschitschs Mandat dagegen verlängerte die zuständige Klima- und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) um fünf Jahre.
 

Klaus Fischer
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 15.03.2021, 14:13 Uhr

Mehr zum Thema