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Enerige & Management > Unternehmen - "Verfechter von dezentralen Ansätzen"
Bild: Andreas Lander
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"Verfechter von dezentralen Ansätzen"
Die Getec Energie wird 20 Jahre alt und ist heute einer der größten Energiedienstleister bundesweit.
 
Mit der „Getec Energie sind wir im Jahr 2001 mit einer Handvoll Mitarbeitern und einem Umsatz von null gestartet“, erinnert sich Bernward Peters, ein Mann der ersten Stunde der Gesellschaft und Sprecher der Geschäftsführung der Getec Energie, die ihren Sitz in Hannover hat. Die Muttergesellschaft Getec AG − von Karl Gerhold 1993 gegründet − entwickelte zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich Wärmelösungen für die Wohnungswirtschaft.

Als die Liberalisierung an den Energiemärkten Fahrt aufnahm, war die Getec als Wärmecontractor etabliert und betrieb bundesweit Blockheizkraftwerke. „Die Gründung einer Stromhandelsgesellschaft, der Getec Energie, lag damals nahe“, erzählt Gerhold im Gespräch mit der Redaktion. „Wir mussten zum einen eine professionelle Vermarktung unserer Stromerzeugung entwickeln und zugleich suchten unsere Kunden aufgrund der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte neue Optionen.“

Heute ist die Getec Energie eine von drei zentralen Gesellschaften der Getec-Gruppe. Der Fokus des Unternehmens liegt darauf, Beschaffung und Vermarktung von Energie zu optimieren und Prozessdienstleistungen zu übernehmen. Zu den Kunden zählen Energieversorger und Stadtwerke, aber auch Industriekunden. Dazu gehören etwa Magna, Nestle oder die Deutsche Bahn.

„Ich bin ein Verfechter von dezentralen Ansätzen“, sagt Getec-Gründer Gerhold. Viele Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft seien komplex und erforderten großes spezifisches Know-how: „Das alles in einer Gesellschaft zu bündeln, ist sehr schwierig. Deshalb sind wir den dezentralen Weg gegangen und haben das Wärmecontracting, den Strom- und Gashandel, das Netzgeschäft und unsere regenerativen Ansätze in mehreren Gesellschaften organisiert und das war erfolgreich.“ Viele Geschäfte würden zwar dadurch in unterschiedlichen Unternehmen laufen, aber die Gruppe bekäme das gebündelt und könne so umfangreiche Dienstleistungen und Lösungen aus einer Hand anbieten.

Wachsen konnte die Getec-Gruppe auch deshalb, weil die Energiemärkte viele zusätzliche Chancen eröffneten. Ihn habe der effiziente Umgang mit Energie immer schon interessiert, sagt der Volkswirt, der bis September 1991 Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt war. „Ich habe dann nach der Wende die riesigen Potenziale gesehen, die sich daraus ergaben, dass die Energiewirtschaft in der DDR absolut ineffizient organisiert war. Meine ersten sehr erfolgreichen Geschäftsmodelle bestanden darin, Wohnsiedlungen, die an alten Kohlekraftwerken hingen, abzukoppeln und über neue, moderne, vielfach kraftwärmegekoppelte Gasheizwerke im Contracting zu versorgen.“

„Heute arbeiten wir hochautomatisiert und sind im höchsten Maße skalierbar“

Seit diesen Anfängen hat sich vieles gewandelt. „Wir mussten uns in all den Jahren immer wieder neu erfinden“, sagt Bernward Peters, der seit 1999 bei der Getec ist. Er war von Anfang an für den Aufbau der Strom- und Gashandelsaktivitäten verantwortlich, die dann in die Gründung der Getec Energie mündeten. „Den größten Wandel hatten wir sicherlich vor einigen Jahren, als wir konsequent daran gearbeitet haben, unsere Prozessplattform soweit es geht zu digitalisieren“, sagt Peters. „Heute arbeiten wir hochautomatisiert und sind im höchsten Maße skalierbar.“ In kürzester Zeit habe die Getec Energie die Umsätze steigern können, ist dabei immer effizienter geworden und schlank geblieben. „Das Ergebnis sind leistungsfähige Kosten, mit denen wir auch im Geschäft mit niedrigen Margen erfolgreich unterwegs sein können.“

Der Erfolg zeigt sich auch bei Übernahmen vergangener Jahre. So hat das Unternehmen etwa das Industriekundenportfolio von Engie übernommen oder auch das Portfolio von Nexus Green. Der Energiedienstleister führt seit Anfang des Jahres außerdem das Vertriebsgeschäft der Total Energie Gas fort. „Wir konnten Kundenportfolios schnell auf unsere Plattform ziehen und auf diesem Weg unprofitables Geschäft profitabel gestalten“, so der Sprecher der Geschäftsführung.
 
Die Getec in Hannover
Bild: Andreas Lander


Um Kunden immer die beste Lösung anbieten zu können, setzt die Geschäftsführung auch auf Partnerschaften. „Was die Kooperationen betrifft, sind wir ein großer Fan von Partnerschaften. Seien es Partnerschaften mit Kunden wie beispielsweise mit der Deutsche Wohnen SE oder Partnerschaften mit anderen Marktakteuren, die − ganz im Interesse unserer Kunden − etwas besser können als wir.“ Kürzlich ist Getec auch eine Partnerschaft mit der Hanwha Q-Cells eingegangen, einem Anbieter von Solarenergielösungen. „Weitere Partnerschaften verhandeln wir gerade für das In- und Ausland.“

„Was die Kooperationen betrifft, sind wir ein großer Fan von Partnerschaften“

Recht leise haben die Hannoveraner in den vergangenen Jahren auch ihr Direktvermarktungsportfolio ausgebaut und langfristige Kunden gewonnen. „Auf dieser Basis sind wir sehr früh in das PPA-Geschäft eingestiegen, konnten zahlreiche Geschäfte arrangieren und sehen großes Potenztial für die Zukunft“, erklärt Peters. Die Getec hat mittlerweile rund 250 MW an PPA-Verträgen im Haus und 3.500 MW in der Direktvermarktung, gerade das PPA-Geschäft befindet sich in einem massiven Ausbau. „Zum einen haben wir den Zugang zu den Erzeugern − und jedes Jahr kommen zusätzlich Anlagen auf den Markt, die aus dem EEG fallen − zum anderen haben wir den Endkundenzugang und alle relevanten Prozesse im Haus. Eine tolle Kombination.“

Strategisch ist die Getec Energie mit den Übernahmen sowie den Partnerschaften und Zukäufen auf drei Schwerpunkte ausgerichtet: Nachhaltigkeit, Energiewende und Digitalisierung. „Es gibt kaum noch Unternehmen, die ohne Nachhaltigkeitsstrategie unterwegs sind“, so die Erfahrung von Peters. „Im Moment sehen wir eine starke Nachfrage nach PV-Lösungen zur Eigenversorgung. Daneben sehen wir große Chancen im Ausland. In den Benelux-Staaten sind wir ja schon unterwegs und bauen unser Geschäft gerade aus. In Polen werden wir zum Ende des Jahres mit zwei Partnern aus der Windindustrie ein neues Direktvermarktungsunternehmen aufbauen.“

Und mit dem Thema Digitalisierung hätte sich die Getec als Prozessdienstleistungsunternehmen schon beschäftigt, bevor es den Begriff in dieser Breite gab. Peters: „Die Digitalisierung unserer Prozesse, die Suche nach neuen technischen Möglichkeiten haben uns seit jeher umgetrieben und wir investieren laufend in unsere IT und in neue Technologien wie beispielsweise in KI oder in Blockchain-Anwendungen für den Handel mit Kleinstmengen, um sehr schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können.“
Nach Peters Worten sieht sich Getec Energie als Partner auf Augenhöhe. „Außerdem stehen wir für Innovation, Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit. Wir haben viele Unternehmen kommen und gehen sehen und wir haben vor zu bleiben.“
 

Die Getec Energie GmbH

Am 23. April 2001 wurde die Gesellschaft ins Handelsregister eingetragen, die ihren Hauptsitz in Hannover hat. In den vergangenen Jahren konnte sie ihren Umsatz kontinuierlich steigern. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Getec Energie mit ihren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie den insgesamt 400 Mitarbeitern 2019 einen Umsatz von rund 1,4 Mrd. Euro. In diesem Jahr soll der Umsatz mit rund 2,5 Mrd. Euro nochmals deutlich höher liegen.
Tätig ist das Unternehmen in folgenden Bereichen:
  • Energieversorgung
  • Energiehandel
  • Prozessdienstleistungen und White-Labeling-Lösungen
  • Strom aus Windkraft-, PV- und Biomasseanlagen
  • Stromspeicherprojekte
  • Elektromobilität 
  • Photovoltaik
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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