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Enerige & Management > Österreich - Verbund mit "sehr erfreulichen" Ergebnissen
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ÖSTERREICH:
Verbund mit "sehr erfreulichen" Ergebnissen
Zufrieden mit den Resultaten des ersten Halbjahres 2021 zeigten sich Verbund-Generaldirektor Michael Strugl und Finanzvorstand Peter Kollmann bei der Bilanzpressekonferenz.
 
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 wuchs das Konzernergebnis um 4,5 % auf 324,5 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 2,5 % auf 654,9 Mio. Euro, das operative Ergebnis (Ebit) um 5,5 % auf 459,1 Mio. Euro. Strugl sprach bei der Bilanzpressekonferenz am 29. Juli in Wien angesichts dessen von „sehr erfreulichen Ergebnissen. Wir haben das energiewirtschaftliche Umfeld gut nutzen können“.

Zwar sank der Stromabsatz des Verbunds um rund 7,5 % auf 28,63 Mrd. kWh. Doch der durchschnittlich erzielte Strompreis war mit 46,6 Euro/MWh um 2,2 Euro/MWh höher als im ersten Halbjahr 2020. Ferner profitierte der Verbund von den gestiegenen Preisen für CO2-Zertifikate (EU Allowances, EUAs). Da er den überwiegenden Teil seines Stroms mit Wasserkraftwerken, Windparks und neuerdings auch Photovoltaikanlagen erzeugt, benötigt er im Vergleich mit anderen europäischen Energieunternehmen nur relativ geringe Mengen an EUAs. Dies macht ihn konkurrenzfähiger gegenüber anderen österreichischen und europäischen Energieunternehmen, deren Erzeugung sich stärker auf thermische Kraftwerke stützt.

Dementsprechend gut sind laut Strugl und Kollmann die Aussichten. Für heuer habe der Verbund rund 88 % der voraussichtlich verkauften Strommenge mit einem Preis von 47,3 Euro/MWh abgesichert, für kommendes Jahr etwa 47 % der voraussichtlichen Verkaufsmenge mit einem Preis von 56,3 Euro/MWh. Kollmann bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass die Großhandelspreise für Futures für die kommenden Jahre tendenziell sinken. Diese Futures-Preise lägen jedoch „immer noch höher als die, die wir in unseren Absicherungen angenommen haben“.

Strugl und Kollmann bestätigten daher den angepassten Ergebnisausblick für das Gesamtjahr 2021. Diesem zufolge sollte sich das Ebitda auf 1,31 bis 1,41 Mrd. Euro belaufen, das Konzernergebnis auf 590 bis 660 Mio. Euro. Bei der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal 2021 am 12. Mai hatte der Verbund das voraussichtliche Ebitda mit 1,13 und 1,30 Mrd. Euro beziffert, das Konzernergebnis mit 480 bis 590 Mio. Euro.

„Nicht aussagekräftig“

Als „nicht aussagekräftig“ bezeichnete Kollmann auf Anfrage der Redaktion die Angabe im Halbjahresbericht, die Umsatzerlöse seien um 41,6 % auf 1 Mrd. Euro gesunken. Hierbei handle es sich um Effekte aufgrund geänderter IFSR-Bilanzierungsregeln. Im Wesentlichen geht es dabei um Folgendes: Laut den neuerdings geltenden IFSR-Bestimmungen musste der Verbund noch nicht erfüllte Stromverkaufsverträge abwerten. Der Grund ist: Seit dem Abschluss dieser Verträge sind die Strompreise gestiegen. Dies bringt dem Verbund jedoch keinen Nutzen, er muss den Strom zu den vormals vereinbarten niedrigeren Preisen verkaufen. Der Wert der Verträge hat sich also verringert, womit sich auch die Umsatzerlöse verminderten. In etwa ausgeglichen wird das durch die Bewertung vom Verbund noch nicht wahrgenommener Strombezugsverträge. Zwar sind die Strompreise seit Abschluss der Verträge gestiegen. Doch kann der Verbund die elektrische Energie zu den seinerzeit vereinbarten niedrigeren Preisen erwerben, was sich positiv auf seine Bilanz auswirkt.

Strategisch sei der Verbund gut positioniert, betonte Strugl. Er verwies unter anderem auf den im Herbst beginnenden Bau des Pumpspeicherkraftwerks Limberg III. Damit werde die Leistung der Kraftwerksgruppe Kaprun um 480 MW auf etwa 1.300 MW gesteigert. Somit könne der Verbund die Flexibilität seiner Stromproduktion weiter erhöhen. Limberg III soll 2025 in Betrieb gehen. Die Investitionen bezifferte Strugl mit 480 Mio. Euro.

Strategische Bedeutung hat laut Strugl auch die Übernahme von 51 % der Gasfernleitungsgesellschaft Gas Connect Austria (GCA), die Verbund von der OMV erwarb. Durch seine Übertragungsnetzgesellschaft Austrian Power Grid (APG) sei der Verbund im Stromsektor schon bislang der wichtigste Infrastrukturbetreiber Österreichs gewesen. Mit dem Erwerb der GCA-Mehrheit habe er diese Position nun auch im Gasbereich inne. Dies ist Strugl zufolge im Zusammenhang mit der Sektorkopplung zwischen Strom und Gas von großer Bedeutung, die wiederum eine Schlüsselfrage für das Gelingen der Energiewende sei.

Ferner sieht Strugl das Leitungsnetz der GCA auch als Teil der künftigen Infrastruktur für die Versorgung der EU mit grünem Wasserstoff. Es sei kaum möglich, die benötigten Mengen zu akzeptablen Kosten in der EU selbst herzustellen. Daher müssten diese importiert werden: „Und das geht am günstigsten über Pipelines.“
 

Klaus Fischer
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Donnerstag, 29.07.2021, 14:44 Uhr

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