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Enerige & Management > Bilanz - Verbio schreibt rote Zahlen
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Verbio schreibt rote Zahlen
Erhebliche Marktverwerfungen auf dem deutschen Biokraftstoffmarkt sieht die Verbio Vereinigte Bioenergie AG als Grund für das schlechte Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/2013.
 
Das zurückliegende Jahr war für Verbio „insgesamt das schwerste seit ihrem Bestehen“, resümiert der Vorstandsvorsitzende Claus Sauter in seinem Brief an die Aktionäre. Nach einem Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 13,8 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2011/2012 weist der Biokraftstoffhersteller nun ein negatives Konzernbetriebsergebnis von 122,3 Mio. Euro aus. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank unter anderem auch aufgrund von Sondereffekten von 36,8 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 3,6 Mio. Euro, teilte das Unternehmen Ende September mit.

Der Umsatz ging aufgrund rückläufiger Produktions- und Absatzmengen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 9 Prozent auf 705,2 Mio. Euro zurück. Von Anfang Juli 2012 bis Ende Juni 2013 wurden insgesamt 492 788 t Biodiesel und Bioethanol (2011/2012: 554 153 t) sowie 330 213 MWh Biomethan (2011/2012: 261 729 MWh) produziert.

„Biodieselimporte aus Argentinien und Indonesien, die aufgrund gewährter Subventionen in den Heimatmärkten in der EU erheblich billiger angeboten werden konnten als die europäische Produktion, führten zu wettbewerbsverzerrendem Preisdruck und erheblichem Produktionsrückgang“, erläutert Sauter die Marktsituation. Zudem habe sich 2012 die Verfügbarkeit von Altspeisefettmethylester, so genanntem Frittenfettbiodiesel – der doppelt auf die in Deutschland zu erfüllende Biokraftstoffquote angerechnet wurde – um ein vielfaches erhöht. „Heute wissen wir, dass große Mengen Frittenfettbiodiesel gar kein Frittenfettbiodiesel waren, sondern nur als solcher deklariert wurde“, klagt Sauter. Aufgrund fehlender Kontrollmechanismen könne dies im Nachhinein jedoch kaum mehr nachgewiesen werden.

„Die auf EU- und Bundesebene ergriffenen regulatorischen Maßnahmen greifen“

Das im Oktober 2012 von der EU-Kommission eingeleitete Antidumpingverfahren gegen Argentinien und Indonesien hatte Ende Mai 2013 zur Folge, dass Strafzölle auf Biodiesel aus diesen Ländern erhoben werden, da nachweisbar illegales Preisdumping betrieben wurde. Deutschland hat mit der Änderung der 36. Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (BImSchV) zum Anfang dieses Jahres zudem die Kontrollmechanismen für Biodiesel aus Altspeisefett massiv verschärft. „Dies sind wichtige Schritte, die wir ausdrücklich begrüßen, wenngleich die lange Verzögerung bis zu deren Umsetzung unserem Geschäft sehr geschadet hat“, so der Verbio-Chef.

Darüber hinaus ist seiner Aussage zufolge seit 2012 - entgegen anders lautender politischer Zielsetzungen - mehr Palmöl zu Biodiesel verarbeitet worden als jemals zuvor. Palmöl gilt derzeit als der günstigste Rohstoff für die Biodiesel-Produktion. Die EU hat zudem große Importmengen aus Südostasien als nachhaltig produziert anerkannt. „Das heißt, dass auch Verbio gezwungen ist, signifikante Mengen tropischer Öle zur Biokraftstoffproduktion einzusetzen“, betont Sauter. Die bisher auf lokale Wertschöpfung und den Einsatz heimischer, nachhaltig produzierter Rohstoffe (vor allem Rapsöl) ausgerichtete Strategie sei daher aufgegeben worden. Der Verkauf der für den Rohstoffhandel zuständigen Verbio-Tochter Märka GmbH soll bis Mitte 2014 abgeschlossen werden.

Statt weitere Wachstumspläne zu verfolgen, kündigte das Unternehmen im Dezember 2012 ein Sparprogramm an. Die Straffung der Organisationsstruktur, umfangreiche Ausgabenkürzungen sowie der Gehaltsverzicht von Vorständen und Führungskräften sollen in der zweiten Geschäftsjahreshälfte 2012/2013 zu Einsparungen in Höhe von rund 5 Mio. Euro führen. Die Erweiterung der bestehenden Biomethananlagen in Zörbig und Schwedt sowie Investitionen in Höhe von 100 Mio. Euro bis 2015 für weitere Biomethaneinspeiseanlagen in Osteuropa werden so lange zurückgestellt „bis wieder gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen sind, die eine langfristige Planung ermöglichen“.

Die Entwicklungen im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres zeigen, dass die auf EU- und Bundesebene ergriffenen regulatorischen Maßnahmen greifen und sich die Situation auf dem Biokraftstoffmarkt entspannt, heißt es bei Verbio. Den Angaben zufolge sind die Produktionsanlagen bis zum Jahresende gut ausgelastet, die Margen steigen wieder an. Auch die bisher umgesetzten Kostensenkungs- und Strukturmaßnahmen zeigen laut Sauter erste Erfolge. Der Verbio-Chef betrachtet das laufende Geschäftsjahr 2013/2014 daher „als ein Übergangsjahr“.
 

Michael Pecka
Redakteur
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Montag, 30.09.2013, 15:39 Uhr

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