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Enerige & Management > Regenerative - Verband schlägt neues Strommarktdesign vor
Quelle: Shutterstock / lovelyday12
REGENERATIVE:
Verband schlägt neues Strommarktdesign vor
Das derzeitige Strommarktdesign sei nicht in der Lage, den klimapolitisch notwendigen Erneuerbaren-Ausbau zu gewährleisten. Daher schlägt die Branche ein alternatives Konzept vor.
 
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat mit den Fraunhofer-Instituten für Energiewirtschaft und Netzbetrieb (IEE) und Solare Energiesysteme (ISE) ein alternatives Strommarktdesign entwickelt. Dieses soll helfen, den Ausbau erneuerbarer Energien mit marktlichen Mitteln zu befördern. Die Studie wurde von der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) juristisch geprüft. Beteiligt waren zudem rund 70 Stakeholder aus dem gesamten Energiebereich, darunter die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber sowie die Strombörsen EEX und EPEX.

Insgesamt benötige Deutschland über 700.000 MW Leistung an erneuerbaren Anlagen bis 2050, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Das sei aber mit entsprechender Ambition erreichbar, sagte Matthias Stark, Leiter des Fachbereichs Erneuerbare Energiesysteme beim BEE. Wichtig sei, dass der Ausbau der Erneuerbaren eine betriebswirtschaftliche Grundlage erhalte. Dafür müsse das Strommarktdesign entsprechend verändert werden.

Wichtige Schritte

Die Kosten der Stromproduktion müssten durch die Erlöse gedeckt werden, ohne dass Strom zum Luxusgut werde. Die für die Energiewende benötigte Flexibilität in Erzeugung und Verbrauch müssen sich rechnen. Und trotz des zunehmend volatilen Systems müsse natürlich die Versorgungssicherheit weiterhin gewährleistet sein. Dafür setzt der BEE auf mehr regionalen Ausgleich, weil dies auch die Errichtung weiterer Stromtrassen über die bereits geplanten hinaus überflüssig mache.

"Die Reform würde zugleich die heutige Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern und ein hohes heimisches Wirtschaftspotential entfalten", warb Stark. Dafür sei es aber nötig, regionale Flexibilitäten zu errichten wie Elektrolyseure, Speicher oder Power-to-Heat-Anlagen. So könnte mehr der erzeugten erneuerbaren Energie genutzt werden. Die aktuell festgelegte Förderdauer von 20 Jahren nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollte in eine Mengenförderung überführt werden, um den Anlagenbetreibern zu ermöglichen, selbst auf Strompreise zu reagieren. Das sichere den wirtschaftlicheren Betrieb der Anlagen.
 
Maßnahmen im Strommarkt zur besseren Integration erneuerbarer Energien in der BEE-Strommarktdesign-Studie (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: BEE

Zwei Szenarien entworfen

Der aktuelle regulatorische Rahmen sei fortzuschreiben, wofür zwei Szenarien entwickelt wurden. Bei der Reform sei es nötig, fehlende wirtschaftliche Flexibilitäten zu identifizieren und daraus Maßnahmen abzuleiten. Bei flexiblerer Nutzung erneuerbarer Energien sei laut dem ersten Szenario der BEE-Studie eine Begrenzung der Elektrolyseleistung in Deutschland auf 50.000 MW möglich. Vorgabe dafür sei eine stärkere Flexibilisierung der Bioenergie. Damit konnte im Reformszenario der Bedarf an zusätzlichen Wasserstoffturbinen auf 100 MW Leistung reduziert werden.

Im Bereich der Elektrolyse könnten laut des zweiten Szenarios auch fast 100.000 MW Elektrolysekapazität bis 2050 betriebswirtschaftlich entstehen und den Wasserstoffbedarf somit vollkommen heimisch decken. Aufgrund des starken Zubaus an erneuerbaren Energieanlagen würden die erzielbaren Marktwerte im Jahr 2030 deutlich sinken. Erst ab dem Jahr 2040 komme es aufgrund eines stärkeren Ausbaus an Flexibilitäten zu einer Erhöhung der Marktwerte, welche allerdings noch keine betriebswirtschaftliche Grundlage bilden. Daher müsse Ökostrom bis dahin weiter gefördert werden.

Erneuerbare ab 2045 auch ohne Förderung wettbewerbsfähig

Ab Mitte 2045 rechnet die BEE-Studie für Wind, PV-Freifläche und Wasserkraft mit einem betriebswirtschaftlichen Betrieb außerhalb einer Förderung. So sei auch der klimapolitisch notwendige Ausbau im Reformszenario sichergestellt, sagte Stark. Auch ein vorgezogener Kohleausstieg auf das Jahr 2030 sei möglich. Über Bioenergie, KWK-Anlagen und Speicher könne ausreichend steuerbare Leistung für die Versorgungssicherheit bereitgestellt werden, für den Ausgleich der volatilen Erzeugung aus Wind und Sonne.

Die Einzelheiten der Strommarktdesign-Studie des BEE  stehen im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 17.03.2022, 16:10 Uhr

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