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STROM:
Verbände und Versorger warnen vor Heizlüftern
Heizlüfter, Radiatoren und elektrische Heizungen sind nachgefragt wie selten zuvor. VDE, DVGW und Versorger warnen nun vor einer möglichen Überlastung der Netze.
 
Sie sorgen für eine „fürchterlich hohe Stromrechnung“, haben eine „katastrophale Ökobilanz“ und belasten die Stromnetze „massiv“: Andreas Huber, Prokurist bei den Stadtwerken Erding, warnt im Gespräch mit dieser Redaktion eindringlich davor, dass im kommenden Winter Haushalte ihren Wärmebedarf mit elektrischen Heizgeräten decken könnten. „Jede Kilowattstunde Strom, die wir zusätzlich verbrauchen, kommt aus fossilen Kraftwerken“, sagt er. „Bedingt durch die Wirkungsgrade in den Kraftwerken, wird viel mehr Primärenergie eingesetzt, wenn ich Wärme über einen elektrischen Heizlüfter erzeuge, als wenn ich direkt im Haus heize“.

Hinzu komme die Möglichkeit der Netzüberlastung: „Ein typischer Heizlüfter hat 2 kW, der Betrieb ist eine massive Steigerung der Leistung einer Wohnung.“ Anders als andere große Verbraucher im Haushalt wie beispielsweise die Mikrowelle laufe ein Heizlüfter nicht nur einige Minuten, sondern gegebenenfalls mehrere Stunden am Stück. Zudem sei "die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Nachbar unten sein Gerät gleichzeitig betreibt“.

Stromausfall und fehlende Kapazitäten

Vor einer Überlastung der Netze und einem möglichen Blackout warnt auch Hendrik Lens, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Energietechnische Gesellschaft (ETG) beim Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE) in einer Mitteilung des Branchenverbandes: „Bei so einer zusätzlichen, gleichzeitig auftretenden Belastung kann es zu einem Ansprechen des Überlastschutzes und damit zu einem Stromausfall in den betroffenen Netzbereichen kommen. Auch die Wiederherstellung der Stromversorgung gestaltet sich als schwierig. Wenn nicht möglichst viele betroffene Kunden ihre Heizgeräte manuell ausschalten, würde ein Zuschaltversuch durch den Netzbetreiber sofort zu einem erneuten Abschalten führen.“

Hinzu komme das Problem, dass die derzeitige Kraftwerkskapazität für diese zusätzlichen Lasten nicht ausreiche. So heizten etwa 50 % der ca. 40 Mio. Haushalte in Deutschland derzeit mit Gas. Wäre an einem sehr kalten Wintertag in der Hälfte dieser Haushalte ein elektrisches Heizgerät mit einer typischen Leistungsaufnahme von 2 kW in Betrieb, käme man überschlägig zu einer zusätzlichen Abnahmeleistung von rund 20.000 MW. Dies entspreche einer Steigerung der aktuellen Jahreshöchstlast in Deutschland um ein Viertel. Das könnten weder die Stromnetze noch die vorhandenen Kraftwerke leisten - zumal Gaskraftwerke in einer Gasmangellage ebenfalls nicht verfügbar wären.

Nachfrage nach Heizlüfttern verdoppelt

Tatsächlich verzeichnen Baumärkte aber eine deutlich gestiegene Nachfrage nach elektrischen Heizungen, Konvektoren, Radiatoren und Heizlüftern. Einem Sprecher der Baumarktkette Hornbach zufolge hat sich die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. „Extrem stark“ gestiegen sei sie nochmal seit Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans Gas auf Bundesebene, so der Sprecher gegenüber unserer Redaktion. An vielen Marktstandorten seien Radiatoren aktuell ausverkauft – und das, obwohl die eigentliche Saison für diesen Warenbereich traditionell erst im Herbst beginne.

Ebenfalls enorm gestiegen sei die Nachfrage nach Brennstoffen, so der Sprecher der Baumarktkette, mit einem vorläufigen Höhepunkt im März und April 2022. Die Nachfrage liege bei Pellets seit Januar 100 % über dem Vorjahr. Kaminholz, Braunkohle und Holzbriketts lägen 35 % bis 55 % im Plus. Bei Gesprächen mit der Kundschaft in den Märkten höre man immer wieder vom Wunsch, autark und für Notfälle gewappnet zu sein.

Gasheizungen können weiterlaufen

Dabei müsse niemand fürchten, seine Gasheizung im Winter nicht betreiben zu können, so Frank Gröschl, Leiter des Technologie- und Innovationsmanagements beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Auch in einer Gasmangellage verbleibe Gas in den Verteilnetzen, mit dem die Wärmekunden versorgt würden. Schon aus technischen Gründen könne ein lokales Gasnetz nicht einfach abgeschaltet werden. Sicherheitseinrichtungen in den Gebäuden würden beim Unterschreiten eines Mindestdrucks des Gases oder beim Leerlaufen der Gasnetze auslösen. Jedes einzelne Sicherheitsventil müsste dann durch Fachpersonal entriegelt werden. Dies wäre in der Praxis nur mit sehr hohem Aufwand durchführbar.

Empfehlenswert sei aber, so Gröschl, jetzt im Sommer Wartungen und Effizienzmaßnahmen an den Gasheizungen anzugehen. Schnell wirkende Maßnahmen, um die Effizienz zu steigern und den Verbrauch zu senken, seien etwa:
  • die Anpassung der Heizungsregelung an das Nutzerverhalten,
  • die Online-Steuerung von Heizkörper-Thermostaten per App
  • und der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage.
 

Katia Meyer-Tien
Redakteurin
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Donnerstag, 28.07.2022, 16:06 Uhr

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