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Enerige & Management > Politik - Verbände und Versorger erleichtert über Berliner Gas-Entscheidungen
Quelle: Pixabay / martaposemuckel
POLITIK:
Verbände und Versorger erleichtert über Berliner Gas-Entscheidungen
Das Ende der Gasumlage und die gesenkte Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme rufen bei Verbänden und Versorgern ein positives Echo hervor. Einzelne Stadtwerke halten Rechnungen zurück.
 
Kein Aufschlag von 2,419 Cent/kWh für die Gasbeschaffung, stattdessen eine auf 7 % gesenkte Mehrwertsteuer auf den Verbrauch: Die Last-Minute-Entscheidungen der Ampelkoalition vom 30. September treffen mehrheitlich auf Zuspruch. Nach Ansicht der Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, könne der Bund damit den Preisanstieg für die Haushalte „spürbar dämpfen“.

Menschen mit niedrigeren Einkommen profitierten vergleichsweise stärker, so Andreae weiter, weil ein proportional höherer Anteil ihres Einkommens in indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer fließe. Die BDEW-Unternehmen würden weiter den verminderten Steuersatz auch für Strom einfordern.

Millionen Fernwärme-Haushalte "fast vergessen“

Erst in der letzten September-Woche sei es gelungen, acht Millionen mit Fernwärme beheizte Haushalte „nicht zu vergessen“ und in die Steuersenkung einzubeziehen. Darauf weist der Geschäftsführer der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff), Rüdiger Lohse, hin.

Sein Energiedienstleistungsnetzwerk habe gemeinsam mit dem Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) und dem Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting (Vedec) auf diese Erweiterung hingewirkt. Nun gelte es, Benachteiligungen von Wärmelieferanten „als Effizienzprofis“ auch bei anderen Abgaben und Förderprogrammen zu beseitigen. Dies diene dazu, in den entscheidenden kommenden Wochen möglichst viele Heizungen optimieren und Energie einsparen zu können.

Auch der Nürnberger Versorger N-Ergie hatte Haushalte und Betriebe bereits über die Einberechnung der Gasbeschaffungsumlage informiert, die nun hinfällig ist. Für Fernwärmekunden behielten allerdings Gasspeicherumlage und Bilanzierungsumlage mit zusammen 0,629 Cent je Kilowattstunde Gültigkeit. Dies ergebe im Standardtarif „Wärme“ eigentlich eine durchschnittliche Preissteigerung von 73 % auf 77 %. Durch den niedrigeren Steuersatz werde dies aber nun gemildert.

Stadtwerke Münster: Nicht durchdachtes Instrument „endlich weg“

Die Stadtwerke Münster knöpfen sich in ihrer Reaktion auch die politisch Handelnden in Berlin vor. Mit dem Aus für die Gasumlage „fällt ein von Anfang an nicht durchdachtes, handwerklich schlecht gemachtes Instrument endlich weg“, so Geschäftsführer Sebastian Jurczyk. In die Freude für die entlastete Kundschaft mischt sich bei Jurczyk „Ärger“ über die große Verunsicherung, die durch die langen Diskussionen und das Hin und Her entstanden sei. Der Münsteraner Versorger werde es trotz der kurzfristigen Änderung schaffen, die Gasumlage aus den Rechnungen herauszuhalten.

Der bundesweit tätige Regionalversorger Wemag aus Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) kündigt an, angesichts des Wegfalls der Gasumlage auch die geplanten Abschlagserhöhungen „zunächst“ auszusetzen. Die Oktoberrechnungen seien vorsorglich gestoppt. Damit will die Wemag Fehler in der Abrechnung vermeiden und auch die Mehrwertsteuersenkung direkt einrechnen. Zugleich setzt das Unternehmen Anreize zum Gas-Sparen. 100 Euro soll erhalten, wer den Verbrauch gegenüber 2021 um mindestens 10 % senkt, so Vertriebschef Michael Hillmann.

Am Niederrhein sind Abrechnungsfehler aktuell nicht völlig auszuschließen. Die Stadtwerke Düsseldorf würden die nicht eingeführte Umlage weder bei Gas noch bei der Fernwärme in Rechnung stellen, heißt es in einer Mitteilung. Falls dies dennoch versehentlich geschehe, „wird der entsprechende Betrag zurückgebucht“, so der Versorger aus der NRW-Landeshauptstadt.

Auch der für 430 Telekommunikationsunternehmen sprechende Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) nimmt den 200-Mrd.-Euro-Abwehrschirm zum Anlass für eine positive Reaktion. Um die bestehende Dynamik und Geschwindigkeit im Glasfaserausbau zu erhalten, sei es wichtig, dass der Kostendruck auf Preise und Energie abnehme. Die Maßnahmen des Abwehrschirms seien schnell und effektiv umzusetzen.
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 30.09.2022, 15:53 Uhr

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