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Enerige & Management > Verbände - Verbände reagieren erleichtert auf BEW-Freigabe
Quelle: Fotolia / Rawpixel
VERBÄNDE:
Verbände reagieren erleichtert auf BEW-Freigabe
Die EU hat grünes Licht für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) gegeben. Verbände zeigen sich erleichtert, fordern aber mehr Mittel und eine längere Laufzeit.  
 
Die Europäische Kommission hat am 2. August deutsche Beihilfen für eine umweltfreundlichere Nutzung von Fernwärme genehmigt (wir berichteten). Sowohl der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) als auch der Energieeffizienzverband AGFW begrüßen die lang erwartete Entscheidung.

„Seit zwei Jahren warten die Wärmeversorger in Deutschland händeringend auf das Förderprogramm“, teilte dazu AGFW-Geschäftsführer Werner Lutsch mit. Der AGFW geht davon aus, dass die BEW einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, „die Wirtschaftlichkeitslücke beim Einsatz erneuerbarer Energien in Wärmenetzen zu schließen und damit insgesamt die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung vorantreiben“ kann.

Allerdings sei nun wichtig, dass es bei der Umsetzung des Programms nicht zu weiteren Verzögerungen kommt und „dass nach dem offiziellen Inkrafttreten des Programms Anträge zügig bearbeitet werden. Es ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen die Förderung nutzen werden“, so John Miller, stellvertretender AGFW-Geschäftsführer.

Auch für den BDEW ist die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze ein wichtiges Instrument, das lange von der Branche erwartet wurde. Die Unternehmen der Energiewirtschaft stehen laut dem Verband in den Startlöchern, um verstärkt in die Umstellung der Nah- und Fernwärmeerzeugung auf erneuerbare Wärme und Abwärme sowie in den Umbau der Wärmenetze und Hausübergabestationen zu investieren. Jedoch plädiert der BDEW, wie andere Verbände auch, für eine längere Laufzeit sowie mehr Geld für die BEW.

Wärmenetzförderung benötigt mehr Finanzmittel

„Aus Sicht des BDEW wäre es noch besser gewesen, die BEW von vorneherein bis Ende 2030 anzulegen und beihilferechtlich genehmigen zu lassen, um den Unternehmen die nötige Investitionssicherheit zu geben“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Zudem sei abzusehen, dass die geplante Fördersumme von bislang durchschnittlich 500 Mio. Euro pro Jahr über rund sechs Jahre nicht ausreichen werden, um den Bedarf zu decken. Andreae: „Wenn das Instrument erfolgreich angelaufen ist, sollte über den Bundeshaushalt mindestens eine Milliarde Euro jährlich bereitgestellt werden.“

Auch der AGFW sowie der VKU hatten in den vergangenen Monaten mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze eine wesentlich höhere Mittelausstattung und eine längere Laufzeit benötige, um den Unternehmen Planungssicherheut zu geben. Die AGFW-Studie „Perspektive der Fernwärme“, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, kommt etwa zu dem Ergebnis, dass der jährliche Investitionsbedarf für Ausbau und Transformation der Fernwärme bei rund 3,3 Mrd. Euro und der jährliche Förderbedarf bei rund 1,8 Mrd. Euro liegt.

Wichtig ist dem BDEW außerdem, dass die Transformationspläne, die die Nah- und Fernwärmeversorger für bestimmte Förderelemente der BEW erstellen müssen, auch im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung anerkannt werden. Denn sie werden die Roadmaps zu einer vollständig klimaneutralen Nah- und Fernwärmeversorgung über Wärmenetze bis 2045 bilden.

Die beihilferechtliche Genehmigung der BEW ist auch für den Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche (BEE) eine gute Nachricht. Klimaneutrale Nah- und Fernwärme nehme bei der Transformation der Wärmeversorgung eine wachsende Rolle ein. „Zahlreiche Projekt haben auf die Bewilligung der BEW gewartet und können nun endlich in die Umsetzung gehen. All das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Dekarbonisierung des deutschen Wärmesektors auf Basis heimischer erneuerbarer Energieträger und somit zur weiteren Unabhängigkeit von fossilen und immer teurer werdenden Energieimporten, allen voran Erdgas“, teilte BEE-Präsidentin Simone Peter mit.

Für die Förderung in Höhe von rund 3 Mrd. Euro für mehr Fernwärme aus erneuerbaren Energien gab die Kommission nun erst einmal grünes Licht. Bis August 2028 können demnach Betreiber von Fernwärmenetzen die Beihilfen zum Umbau auf umweltfreundlichere Energiequellen und zum Neubau nutzen.

Mit dem Förderprogramm soll laut Bundeswirtschaftsministerium Fernwärme zunehmend aus erneuerbaren Energien und aus Abwärme aus industriellen Prozessen erzeugt werden. Zudem soll das Fernwärmenetz ausgebaut werden. Die Förderung richtet sich unter anderem an Energieversorgungsunternehmen, Kommunen, Stadtwerke und Vereine oder Genossenschaften, die über die neue Förderung Zuschüsse für Investitionen in Wärmenetze erhalten können. Der Umbau der Wärmeversorgung wird neben dem Förderprogramm flankiert mit einer flächendeckenden kommunalen Wärmeplanung als zentralem Koordinierungsinstrument für lokale, effiziente Wärmenutzung.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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