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Enerige & Management > Klimaschutz - Verbände fordern mehr Tempo bei der Energiewende
Quelle: Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Verbände fordern mehr Tempo bei der Energiewende
Nach der Warnung von Agora Energiewende vor deutlich steigenden deutschen Klimagasemissionen in diesem Jahr fordern Verbände zügige Maßnahmen für den Ausbau der erneuerbaren Energien.
 
Der Ausstoß an Treibhausgasen in Deutschland wird nach Berechnungen von Agora Energiewende in diesem Jahr um rund 47 Mio. Tonnen gegenüber 2020 steigen und wäre damit der größte Anstieg seit 1990. „Das ist ein klimapolitisches Desaster“, kommentierte die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter. Der Anstieg werde auch durch ungünstige Witterungsbedingungen bei den erneuerbaren Energien und den verstärkten Einsatz von klimaschädigenden Braunkohlekraftwerken verursacht. Daher müsse die Energiewende beschleunigt werden, so die BEE-Präsidentin.

„Deutschland ist technisch und wirtschaftlich in der Lage, in allen Situationen Energie aus erneuerbaren Energien bereitzustellen“, sagte Peter. Allerdings wären die politischen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren so zögerlich gewesen, dass der ambitionierte Ausbau der früheren Jahre im Stromsektor gestoppt und die Wärme- und Mobilitätswende verschleppt wurde. „Sollen die Ziele des neuen Klimaschutzgesetzes erreicht werden, braucht es jetzt endlich wieder Tempo bei der Energiewende“, forderte sie.

Mehr erneuerbare Energie mit Vorfahrt ins Netz

Zum einen müssten Subventionen in fossile Energieträger gestoppt werden, forderte Peter. Zum anderen sei in den ersten 100 Tagen der neuen Bundesregierung ein Erneuerbaren-Beschleunigungspaket auf den Weg zu bringen, das Hürden und Hemmnisse in Gesetzen sowie bei Flächen- und Genehmigungsbereitstellung beseitigt, den Energiemarkt nach den Bedürfnissen der Erneuerbaren ausrichtet und die Beteiligung der Bürger an der Energiewende wieder deutlich erhöhe, sagte Peter abschließend.

„Der jetzige Wiederanstieg der CO2-Emissionen zeigt, dass sich in Deutschland grundlegend etwas ändern muss, damit die Emissionen dauerhaft zurückgehen“, sagte Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft (BNW). „Wir sehen in der Wirtschaft, dass manche Praktiken aus der Corona-Zeit auch ihren Weg in die Post-Corona-Zeit finden. Vor allem kurze Arbeitsbesprechungen, zu denen die Parteien mit dem Flugzeug anreisen, wirken heute aus der Zeit gefallen. Hier haben sich Video-Formate durchgesetzt“, so Reuter aus der Erfahrung der über 450 Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Nachhaltiges Wirtschaften.

„Diese Veränderungen fallen aber im Vergleich zu den Gesamtemissionen wenig ins Gewicht“, so Reuter. Der Last- und Autoverkehr setze 2021 weiter auf Verbrenner. Der Austausch der alten Gas- und Ölkessel in den Häusern komme nicht voran. „Es reicht ein windschwaches Frühjahr, um die Produktion von Ökostrom einbrechen zu lassen“, so Reuter mit Blick auf den schwächelnden Ausbau der erneuerbaren Wind-an-Land, Wind-auf-See und der Solarenergie. „Wir müssen die Grundlagen unseres Wirtschaftens klimafreundlich machen und nicht nur an der Oberfläche kratzen“, forderte Reuter.

Antje von Broock, Geschäftsführerin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte: „Das Wirtschaftsministerium und die unionsgeführten Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen haben den Ausbau der erneuerbaren Energien systematisch ausgebremst.“ Die dadurch verlorene Zeit ließe sich nur durch ein Klimaschutzsofortprogramm korrigieren. „Ziel muss sein, den Ausbau der Erneuerbaren deutlich zu beschleunigen und den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen“, forderte von Broock. Deutschland stehe vor der Herkulesaufgabe, nach der Wahl beim Klimaschutz schnell und sozialverträglich umzusteuern, schloss sie.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Montag, 16.08.2021, 15:00 Uhr

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