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Quelle: Shutterstock / peopleandmore
STROMNETZ:
VDE FNN drängt auf beschleunigte Entscheidungsprozesse
Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung in spe birgt Zuversicht für die Energiewende 2030. Für die Umsetzung bleibt aber nicht viel Zeit. Diesen Tenor hatte ein Event des VDE FNN.
 
Keine Frage, das Energiesystem ist bereits mitten im Wandel − daran ließ Joachim Kabs, Vorstandsvorsitzender des Forums Netztechnik / Netzbetrieb im VDE (VDE FNN), keinen Zweifel. "Der Ausstieg aus der Kernenergie läuft, der Kohleausstieg soll jetzt auf 2030 vorgezogen werden", so Kabs in einer digitalen Pressegespräch des VDE FNN am 1. Dezember. 

Mit seinem erarbeiteten Zielbild "Energiesystem 2030", das das Forum am 1. Dezember der Öffentlichkeit vorstellte, will es den Weg in diesen systematischen Umbau aufzeigen. Anvisiert sei eine praxisgerechte Grundlage, mit der die Koordinierung zwischen Leistung und Verbrauch im flexiblen Energiesystem möglich werde. Hierzu will VDE FNN laut Kabs eine Roadmap mit konkreten Schritten bis 2024 im ersten Quartal 2022 vorlegen. 
 
Das Energiesystem 2030
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Quelle: VDE FNN

Der Ausgangspunkt seien wenige Kraftwerke, die bislang über die Brennstoffzufuhr gesteuert worden sind. Nun solle erstmals die Natur die Energiezufuhr über Sonne und Wind regeln, so Kabs. Zudem schwenke das Energiesystem in ganz anderen Größenordnungen. Neben den wenigen hundert Kraftwerken seien bereits zwei Millionen dezentrale Anlagen aus erneuerbaren Energien am Netz − das gelte es jetzt auszusteuern, erklärte Kabs mit Blick auf die Netze. Zudem kämen verstärkt neue Verbraucher wie die Elektromobilität dazu. Und auch die Akteure nehmen laut Kabs zu: "Früher hatten wir die reinen Consumer, dazu kamen die Prosumer, die zugleich Energie produzieren und verbrauchen. Heute haben wir auch den Flexumer, der mit seinem Energiespeicher Flexibilität im Netz anbieten kann".

"Alles nichts wirklich Neues", versuchte Dirk Biermann, ebenfalls im Vorstand von VDE FNN, den Ball flach zu halten. Er verwies auf die Arbeit des Forums: "Bereits seit Jahren sind wir dabei, das technische System so zu transformieren, dass es diese Dekarbonisierung schafft." Zum Hintergrund: Der VDE FNN steht nach eigener Aussage für zuverlässige Stromnetze. Über 450 Experten verschiedener Fachkreise − darunter Hersteller, Netzbetreiber, Energieversorger und Anlagenbetreiber − entwickeln technische Regeln und Anforderungen.

Was jedoch laut Biermann neu hinzukomme, sei das Tempo, in der die Transformation des Energiesystems vonstattengehen müsse. Wie im Koalitionsvertrag der künftigen Regierung nachzulesen sei, sollen 2030 rund 80 % Erneuerbare den sicheren Systembetrieb gewährleisten. "Wir haben heute 7 GW Offshore-Leistung in der Nord- und Ostsee stehen. Bis 2030 sollen es 30 GW sein", veranschaulichte Biermann.

Zielkonflikt Klimaschutz versus Naturschutz lösen

Dem gegenüber stünden 130 Mrd. Euro Ausbaukosten allein für das Übertragungsnetz bis 2030. "Ein Entwicklungsordnungsrahmen, in dem dies geschehen soll, ist jetzt extrem wichtig", betonte Biermann. "Wir brauchen beschleunigte Entscheidungsprozesse und Genehmigungsverfahren. Wir müssen klare Verantwortlichkeiten haben." Nicht zuletzt bedürfe es der breiten Unterstützung aus der Bevölkerung für den Ausbau der Erneuerbaren und der Netze. Zielkonflikte, wie der zwischen Klimaschutz einerseits und dem Naturschutz andererseits, gelte es rascher abzuwägen. Die von der künftigen Regierungskoalition formulierten Punkte für eine Energiewende 2030 seien "mutig formuliert". Biermann erachtet sie als machbar, wenn jetzt bei der Umsetzung aufs Tempo gedrückt werde. 
 
Halten die Energieziele der künftigen Bundesregierung unter
bestimmten Voraussetzungen für machbar: Joachim Kabs (links),
Dirk Biermann (rechts unten) mit Moderator Sven Oswald
Quelle: VDE FNN

Dies bestätigte auch Joachim Kabs: "Als Ingenieure und Techniker müssen wir frühzeitig planen. Wir brauchen die Planungsleistung und Genehmigungsleistungsfähigkeit in den Behörden, damit wir schnell zu Genehmigungen kommen." Der Ausbau der erneuerbaren Energieanlagen sei relativ schnell genehmigt. "Schwierig ist es dann, wenn Sie über viele Gemarkungen und viele Gemeinden müssen, um das Kabel zu verlegen und damit den Netzanschluss der erneuerbaren Energieanlagen zu schaffen."

Biermann bezifferte die Dauer eines Netzgenehmigungsverfahrens im Schnitt auf 15 Jahre. "Das kann einfach nicht sein, wenn man bedenkt, was wir alles bis 2030 vorhaben", so der Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb von 50 Hertz. "Wir brauchen schnellere Genehmigungen für unsere Projekte, ansonsten wird die Energiewende in Deutschland nicht funktionieren", betonte Biermann in seinem Fazit. 
Kabs wünscht sich ein breites Verständnis dafür, dass der Erneuerbaren-Zubau nur dann gut funktioniert, "wenn wir ihn synchron zum Ausbau des Netzes gestalten". Die erneuerbare Energieanlage allein bringe nichts, wenn sie zwar grünen Strom produziere, ihn aber nirgends einspeisen könne. 
 

Davina Spohn
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