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Enerige & Management > Wärmenetz - Vattenfall beendet Braunkohleära in Berlin
Bild: Fotolia.com, Detlef
WÄRMENETZ:
Vattenfall beendet Braunkohleära in Berlin
Die Fernwärme in Berlin wird durch Abschalten des letzten Braunkohleheizkraftwerks erheblich klimaverträglicher – bis 2030 soll sie auch ohne Steinkohle produziert werden.
 
Die Vattenfall Wärme GmbH versorgt 1,2 Millionen Wohneinheiten in Berlin mit Fernwärme – und arbeitet intensiv daran, den dabei verursachten CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ein großer Schritt auf diesem Weg war jetzt der Verzicht auf Braunkohle als Brennstoff.

Von einem „wichtigen Meilenstein“ sprach am Tag der Abschaltung des Braunkohle-Heizkraftwerks Klingenberg, dem 24. Mai, Gunther Müller, Sprecher des Vorstandes der Vattenfall Wärme GmbH. Sein Namensvetter Michael Müller, Regierender Bürgermeister der Hauptstadt (SPD), bedankte sich beim Unternehmen für ein „starkes Signal für Berlin“, das schneller als vorgesehen ein neues Zeitalter einleite. Ziel Berlins sei, bis 2050 zu einer klimaneutralen Stadt zu werden, bekräftigte der Regierende.

Die Abschaltung der Braunkohleanlage im Osten der Hauptstadt ist Teil der Umsetzung der Klimaschutzvereinbarung, die Vattenfall im Jahr 2009 mit dem Land Berlin geschlossen hat.

Mit der Abkehr von der Braunkohle und der Umstellung der Wärmeerzeugung in Klingenberg auf Erdgas reduziert Vattenfall den CO2-Ausstoß um 600 000 Tonnen pro Jahr. Das Unternehmen hat dafür etwa 100 Mio. Euro in Klingenberg investiert.

Gut 20 Prozent der Fernwärme für die Hauptstadt wurden bis dato aus Braunkohle erzeugt. Für die nächsten Jahre soll die Fernwärme aus Erdgas (70 Prozent), Steinkohle (20 Prozent) sowie Biomasse und Müll (10 Prozent) produziert werden. Dafür baut das Unternehmen derzeit unter anderem zwei neue GuD-Heizkraftwerke in den Stadtteilen Marzahn und Lichterfelde.

Als nächster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer klimaverträglicheren Fernwärmeversorgung ist der Ausstieg aus der Steinkohlenutzung angepeilt. Schon so gut wie beschlossen ist, 2020 einen Kohleblock im Heizkraftwerk Reuter, im Westteil Berlins, stillzulegen.

Gas, Power-to-Heat und Industrieabwärme als Ersatz

Als Ersatz dafür will Vattenfall die dann größte Power-to-Heat-Anlage Deutschland mit 120 MW Erzeugungsleistung an das Netz anschließen. In den nächsten Wochen werde es grünes Licht dafür geben, kündigte Gunther Müller an. Zwei kleinere Power-to-Heat-Anlagen betreibt das Unternehmen bereits im Fernheizwerk Neukölln und im Heizkraftwerk Buch, im Norden der Hauptstadt.

Wie der kürzlich vom Land Berlin gesetzlich verankerte vollständige Ausstieg aus der Steinkohlenutzung bis 2030 zu schaffen sein soll, will Vattenfall in Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat in einer Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen. Bislang wird noch in insgesamt vier KWK-Feuerungsanlagen Wärme aus Steinkohle produziert. Gunther Müller sieht als möglichen Ersatz dafür Wärme aus Erdgas, aus Power-to-Heat-Anlagen und aus Biomasse oder Abwärme aus der Industrie.

Biomasse wird bereits in der Kohlefeuerung des Heizkraftwerk Moabit genutzt, qualitativ hochwertiger Brennstoff sei jedoch nur begrenzt verfügbar, so der Vattenfall-Manager. Bei der industriellen Abwärmenutzung kooperiert Vattenfall seit kurzem mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). „Die Kooperation mit KPM soll Signalwirkung haben“, so Gunther Müller. Das Abwärmepotenzial der Berliner Unternehmen müsse möglichst schnell und umfassend gehoben werden. Auch Erdgas werde beim Umbau der Fernwärmeerzeugung eine wichtige Rolle spielen, kündigt der Manager an.
 

Peter Focht
Redakteur
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Mittwoch, 24.05.2017, 17:55 Uhr

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