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Enerige & Management > Stromnetz - Untersuchungsfelder sollen Erdkabel-Auswirkungen klären
Quelle: Tennet
STROMNETZ:
Untersuchungsfelder sollen Erdkabel-Auswirkungen klären
Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat in der Region Hannover mit dem Aufbau eines Erdkabel-Untersuchungsfeldes begonnen. In Baden-Württemberg sind solche Anlagen bereits in Betrieb.
 
Erdkabel-Untersuchungsfelder sollen Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Verlegung und der Betrieb unterirdischer Höchstspannungsleitungen auf Böden und Vegetation auswirken. Die Flächen werden mit zahlreichen Sensoren bestückt und mit Heizrohren versehen, die die Temperatursteigerung durch die Kabel nachbilden.

Nach der Bebauung mit verschiedenen Nutzpflanzenarten beobachten Wissenschaftler, wie sich die Böden von den Erdarbeiten erholen und wie sich die Erträge entwickeln. Dabei werden Felder mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, die typisch für die Leitungstrasse sind, einbezogen.

Konkret geht es bei den Untersuchungen um die Auswirkungen der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) Südlink. Sie soll Windkraftstrom aus Norddeutschland über eine Strecke von 700 Kilometern nach Bayern und Baden-Württemberg bringen. Die beiden weitgehend parallel verlaufenden Trassen haben eine Kapazität von zusammen 4.000 MW und arbeiten mit einer Spannung von 525 kV. Südlink gilt als wichtigstes und mit Kosten von 10 Mrd. Euro auch als teuerstes Energiewende-Projekt in Deutschland. Der Fertigstellungstermin musste mehrfach verschoben werden, mittlerweile steht 2028 auf dem Zettel. Immerhin befinden sich jetzt alle Abschnitte im Planfeststellungsverfahren, in dem der konkrete Verlauf der Leitungen festgelegt wird.

Verständnis für die Landwirte

Bei einem symbolischen ersten Spatenstich für eines der Untersuchungsfelder in Gut Dunau bei Seelze sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Leistungsstarke Stromverbindungen wie Südlink sind für die Energiewende unverzichtbar. Richtig ist aber auch, dass Erdkabelverbindungen nicht ohne einen Eingriff in den Boden errichtet werden können. Ich kann gut verstehen, dass Landwirte neben Praxiserfahrungen aus anderen Teilen Deutschlands auch ganz konkret gezeigt bekommen möchten, wie sich das Südlink-Kabel in den spezifischen Böden verhält, durch die die Trasse verlaufen soll.“ Deshalb sei es zu begrüßen, dass der in diesem Abschnitt verantwortliche Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Tennet die bisherigen Erfahrungen in einer wissenschaftlich begleiteten Felduntersuchung transparent überprüfen lässt.

Tim Meyerjürgens, COO von Tennet, erklärte: „Wir nehmen die Bedenken der Landwirte sehr ernst. Durch die Ergebnisse unserer Untersuchungen möchten wir unsere Bodenschutzkonzepte validieren und zeigen, wie der Boden vorbeugend geschützt werden kann und welche Maßnahmen helfen, ihn naturnah wiederherzustellen.“ Man habe in Deutschland bereits mehr als 1.000 Kilometer Gleichstrom-Kabel verlegt und verfüge über umfangreiche und positive Betriebserfahrungen. Die, so kündigte er an, sollen in die Südlink-Planungen einfließen, damit Einflüsse auf den Boden minimiert und dauerhafte landwirtschaftliche Ertragseinbußen vermieden werden.

Geplant sind insgesamt drei Erdkabeluntersuchungsfelder in Niedersachsen: in Heeslingen (Landkreis Rotenburg / Wümme), in Walsrode (Landkreis Heidekreis) und das jetzt begonnene in Seelze bei Hannover.

Alle drei Untersuchungsfelder sollen bis Ende 2022 eingerichtet werden und danach vier Jahre lang kontinuierlich untersucht werden. In dieser Zeit werden die Flächen von den Landwirten in die umliegende Bewirtschaftung integriert. Die Felduntersuchungen werden von unabhängigen Expertinnen und Experten der Universitäten Hannover und Erlangen-Nürnberg sowie der Fachhochschule Kiel umgesetzt und wissenschaftlich begleitet.
 
Hier wächst schon was: Das Versuchs-Maisfeld bei Kochendorf
in Baden-Württemberg steht unter Beobachtung
Quelle: Transnet BW

Versuchsflächen im Süden sind schon bebaut

Bereits in Betrieb sind – wie berichtet – Versuchsfelder am anderen Ende der Südlink-Leitung, das vom ÜNB Transnet BW verantwortet wird: Drei liegen in Baden-Württemberg im Großraum Heilbronn, eines liegt in der Nähe von Würzburg in Bayern. Die Flächen werden mit Weizen, Mais, Gerste oder Raps bebaut. In den Böden vergrabene Stahlrohre simulieren die Hitzeabstrahlung der Leitung, die, wie ein Sprecher von Transnet erklärte, maximal 40 Grad beträgt. Die Versuchsfelder stoßen nach Angaben des ÜNB auf reges Interesse bei den Landwirtschaftsverbänden, für die regelmäßig Führungen veranstaltet werden.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Dienstag, 10.05.2022, 16:00 Uhr

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