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Enerige & Management > Gas - Uniper spricht mit Bund auch über eine Beteiligung
Quelle: Shutterstock / Dabarti CGI
GAS:
Uniper spricht mit Bund auch über eine Beteiligung
Das Düsseldorfer Energieunternehmen Uniper zieht seine Ergebnisprognose für 2022 zurück. Gespräche über "Stabilisierungsmaßnahmen" sind im Gange. Grund ist das Gasgeschäft mit Russland.
 
„Uniper nimmt die Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2022 in Bezug auf das bereinigte Ebit sowie den bereinigten Jahresüberschuss zurück“, teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Meldung an seine Investoren mit. Der Grund: Das Unternehmen bezieht große Gasmengen aus Russland. Da diese teilweise ausbleiben, muss Uniper Ersatzmengen zu erheblich höheren Preisen am Gasgroßhandelsmarkt nachkaufen.

„Seit dem 16. Juni 2022 erhält Uniper lediglich 40 % der vertraglich zugesicherten Gasmengen von Gazprom“, so das Unternehmen, das mehrheitlich zum finnischen Versorger Fortum gehört. Die höheren Kosten der Ersatzbeschaffung könne Uniper bislang nicht weitergeben, daraus entstünden erhebliche „finanzielle Belastungen“.

Im ersten Halbjahr würden sowohl das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) als auch der Konzernüberschuss vorläufigen Zahlen zufolge „signifikant“ unter den Vorjahreswerten liegen, so Uniper. Konkrete Zahlen nannte Uniper nicht. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres hatte der Konzern noch ein Ebit von +580 Mio. Euro und einen Konzernüberschuss von 485 Mio. Euro erzielt.

Das Energieunternehmen war bereits im ersten Quartal dieses Jahres in die Verlustzone gerutscht. Das Ebit für die ersten drei Monate belief sich auf minus 830 Mio. Euro. Für das laufende Gesamtjahr hatte sich die Uniper eigentlich ein Ebit von 1,0 bis 1,3 Mrd. Euro und einen Nettogewinn von 0,8 bis 1,1 Mrd. Euro vorgenommen.

Wie es bei Uniper weitergeht, ist offen: Wie das Unternehmen selbst schreibt, bestünden große Unsicherheiten in Bezug auf die geopolitische Lage sowie die Dauer und den Umfang der russischen Gaslieferbeschränkungen. „Vor diesem Hintergrund ist auch die Gaspreisentwicklung derzeit schwer abzuschätzen.“
  Gespräche mit der Bundesregierung über finanzielle Lage

Die Lage für Uniper könnte sich entspannen, wenn offiziell eine Gasmangellage in Deutschland ausgerufen würde. Dann könne das Unternehmen nach eigenem Bekunden „die derzeitigen Belastungen teilweise weitergeben“. So hat die Bundesregierung zwar kürzlich die sogenannte Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Doch noch sieht sie davon ab, von Paragraf 24 des Energiesicherheitsgesetzes Gebrauch zu machen. Der Paragraf erlaubt Versorgern, ihre aktuellen Beschaffungspreise sofort und unmittelbar an Verbraucher in Industrie und Privathaushalten weiterzugeben – und damit Preisklauseln laufender Verträge außer Kraft zu setzen.

Wie Uniper weiter mitteilt, sei das Unternehmen dabei, seine Liquidität weiter zu sichern. Das Unternehmen spreche dabei auch mit der Bundesregierung über mögliche Stabilisierungsmaßnahmen. Dabei komme eine Reihe von Instrumenten in Frage. Das könnten beispielsweise Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen, noch nicht gezogenen KfW-Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital sein.

Uniper hatte sich bereits vor Beginn des Ukrainekrieges durch Kreditzusagen der staatlichen KfW-Bank Garantien für seine Zahlungsfähigkeit besorgt. So soll die KfW-Bank Uniper eine Kreditlinie in Höhe von 11,8 Mrd. Euro gewährt haben. Hintergrund sind unter anderem die deutlich höheren Sicherheitsleistungen, sogenannte Margins, bei Handelsgeschäften. Durch die starken Preisanstiege an den Gasbörsen haben sich auch die daran gekoppelten und zu hinterlegenden Margins der Handelsteilnehmer deutlich erhöht.
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Donnerstag, 30.06.2022, 13:57 Uhr

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