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Enerige & Management > Gaskraftwerke - Uniper baut neues Gaskraftwerk nur für Notfälle
Bild: Fotolia.com, Ralf Urner
GASKRAFTWERKE:
Uniper baut neues Gaskraftwerk nur für Notfälle
Das Energieunternehmen Uniper baut auf seinem Kraftwerksgelände im Vohburger Ortsteil Irsching (Bayern) einen neuen 300-MW-Block. Er soll nur in Notsituationen zum Einsatz kommen.
 
Den Bedarf für eine solche Anlage hatte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet in Übereinstimmung mit der Bundesnetzagentur festgestellt. Auf die Ausschreibung im Juni 2018 hin hat Uniper jetzt den Zuschlag zum Bau erhalten. Der neue Block soll auf dem Uniper-Gelände in Irsching entstehen, wo der Konzern aktuell drei Blöcke betreibt: Zwei moderne und effiziente Gasblöcke mit 561 und 846 MW sowie einen älteren ölbefeuerter Block mit 415 MW. Für die Absicherung in Notsituationen ist allerdings der Neubau eines Kraftwerkes vorgeschrieben.

Denn wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit wollten die Besitzer – beim 846-MW-Block gehören neben Uniper auch N-Ergie, Mainova und Entega dazu – alle Anlagen stilllegen. Das fand allerdings nicht die Zustimmung des Übertragungsnetzbetreibers und der Bundesnetzagentur, die die Versorgungssicherheit im Auge haben. Die Blöcke müssen jetzt weiter als Reserve weiter zur Verfügung stehen.

Die bestehende Infrastruktur auf dem Kraftwerksgelände biete, wie Uniper-Sprecher Georg Oppermann gegenüber E&M betonte, ideale Voraussetzungen für den Neubau. Über Kosten und Baustart wollte er allerdings keine Angaben machen. Die
Fertigstellung ist für Oktober 2022 vorgesehen.

Anders als normale Reservekraftwerke, die beispielsweise bei starken Netzbelastungen im Winter bei gleichzeitigem Rückgang von Wind- und Solarstrom einspringen können, ist das neue Kraftwerk ausschließlich als Sicherheitspuffer für den Notfall gedacht. Wenn etwa eine wichtige Leitung ausfällt, ein Umspannwerk oder ein großer Transformator.

Wichtig ist dabei die Schnellstartfähigkeit von Gaskraftwerken. Die offizielle Bezeichnung der Anlage lautet „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ und sie wird nach Uniper-Angaben dem Markt nicht zur Verfügung stehen, sondern nur kurzfristig einspringen, wenn die Systemsicherheit gefährdet ist.

Von diesen „besonderen Betriebsmitteln“ sollen im süddeutschen Raum insgesamt vier mit einer Gesamtleistung von 1 200 MW gebaut werden. Ein weiteres entsteht in Marbach (Baden-Württemberg), wo die EnBW im Auftrag des Netzbetreibers
Transnet BW ebenfalls einen 300-MW-Block errichten wird. Auch hier stehen auf dem dafür vorgesehenen Gelände schon Reserveblöcke der EnBW.

Das neue Kraftwerk erhält zwar ebenfalls eine schnellstartfähige Gasturbine, befeuert wird es aber aus dem riesigen Öllager auf dem Gelände. Wie ein EnBW-Sprecher dazu erklärte, müsse man bei den Notfallkraftwerken auf einen Energiemix achten. Das sei wichtig, falls es beispielsweise zu Problemen bei der Gasversorgung kommt. Auch dieses Kraftwerk soll Ende 2022 betriebsbereit sein. Wo genau die anderen beiden Notkraftwerke entstehen, ist noch nicht klar.

Hintergrund der ganzen Aktion sind in erster Linie die Verzögerungen beim Bau der Suedlink-Trasse, die 4 GW Windkraftstrom aus dem Norden der Republik nach Bayern und Baden-Württemberg bringen soll. Wegen der Umplanung auf Erdverkabelung kann sie frühestens 2025 in Betrieb gehen und nicht wie geplant 2022, wenn in Deutschland die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Bei dieser Lücke fürchten die Netzbetreiber, in kritischen Situationen nicht genug Reserve zu haben, um das Stromnetz stabil zu halten.
 

Günter Drewnitzky
© 2019 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 09.01.2019, 16:02 Uhr

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