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Enerige & Management > Stadtwerke - Umbau der Stadtwerke Essen erfolgt ohne Vorstand Peter Schäfer
Quelle: Jonas Rosenberger / E&M
STADTWERKE:
Umbau der Stadtwerke Essen erfolgt ohne Vorstand Peter Schäfer
Auf zu neuen Ufern, aber nicht mit dem alten Geschäftsführer-Gespann. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Essen hat sich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Peter Schäfer ausgesprochen.
 
Nach den Sommerferien wird eine Stellenannonce im Führungskräfte-Bereich besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Stadtwerke Essen haben spätestens zum 1. Januar 2024 einen ihrer beiden Geschäftsführer-Posten neu zu besetzen. Vorstandssprecher Peter Schäfer muss seinen Stuhl räumen.

Eine Sprecherin des kommunalen Versorgers bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass der Aufsichtsrat den Ende 2023 auslaufenden Vertrag mit Schäfer nicht verlängern werde. Das Unternehmen befinde sich auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. Der ehemalige Eon-Manager war im Januar 2014 kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke geworden und drei Jahre später zum Vorstandssprecher aufgerückt.

Co-Geschäftsführer Klieve der starke Mann - Vertrag bis 2028 verlängert

Die Personalie scheint dem Versorger von der Ruhr unangenehm zu sein. Die Auskunftsfreude ist überschaubar. Die Stadt Essen, die über ihre Tochter Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (EVV) mit 51 % die Mehrheit der Stadtwerke-Anteile hält, richtet auf Anfrage aus, „aus personaltechnischen und auch aus datenschutzrechtlichen Gründen“ überhaupt keine Stellung beziehen zu können.

Insider sind da hinter vorgehaltener Hand gesprächsbereiter. Die Klimaziele machen die Transformation der Stadtwerke, die den Hauptteil ihres 2021er-Gewinns von 56,6 Mio. Euro dem Wassergeschäft und dem perspektivisch auslaufenden Gasvertrieb verdanken, zur Herkulesaufgabe. Dafür, so heißt es aus den Kreisen des Aufsichtsrats, sei ein funktionierendes Leitungsteam nötig. Das Idealbild dessen hätten Peter Schäfer und Co-Geschäftsführer Lars Martin Klieve nicht abgegeben.

Klieve wechselte im April 2017 vom Essener Rathaus, wo er Kämmerer war, in den Vorstand der Stadtwerke und übernahm die kaufmännische Verantwortung. Ihm trauen die Anteilseigner, neben der Stadt noch die Eon-Tochter Westenergie (29 %) und der Stadtwerke-Verbund Thüga (20 %), den Umbau des Versorgers offenbar noch am ehesten zu. Klieves Vertrag ist inzwischen verlängert - was bis zuletzt ebenso unkommuniziert geblieben war wie die Trennung von Schäfer. Während die Stadt eine Auskunft dazu schuldig blieb, reichte ein Sprecher der Stadtwerke diese am Abend nach: Demnach gelte Klieves neuer Kontrakt nun bis 2028.

Wärmegeschäft ohne Gas wird zur Herausforderung

Es bleibt abzuwarten, wie Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), Chef des Aufsichtsrats, die Trennung von Schäfer öffentlich erklären wird. Aus dem Kontrollgremium heißt es jedenfalls, es sei zu einfach, Schäfer als Vertreter des fossilen Zeitalters mit dessen stabiler Ertragslage zu charakterisieren. Gleichwohl galt es offenbar als ausgeschlossen, Schäfer im Essener Umfeld, das von den Platzhirschen Eon und RWE dominiert ist, als Gesicht der erneuerbaren Stadtwerke-Zukunft darzustellen.

Für die Erneuerung, so lautet eine Aussage, seien daher auch ein personeller Aufbruch und eine neue Unternehmenskultur erforderlich. Dies erhofft der Aufsichtsrat sich mithin durch Impulse von außen und einer noch zu findenden Führungskraft. Für die Nachfolgesuche will die Stadt eine externe Personalberatung einbinden.

Neben Digitalisierungsprojekten ist es für die Stadtwerke von entscheidender Bedeutung, den Stromvertrieb – ohne wesentliche eigenen Erzeugungskapazitäten – auszubauen und vor allem Hauptakteur im kommunalen Wärmegeschäft zu bleiben. Gegenüber unserer Redaktion hatte Lars Martin Klieve unlängst betont: „Die Stadtwerke sind seit mehr als 150 Jahren Gasversorger in der Stadt, das werden wir in 25 Jahren nicht mehr sein, zumindest nicht mit Erdgas.“

Bislang sind in Essen laut Stadtwerke-Angaben 56.000 Immobilien an das 1.380 km lange Erdgasnetz des Versorgers angeschlossen, das macht einen Marktanteil von etwa 53 % aus. Dieses Netz muss perspektivisch für (grünen) Wasserstoff tauglich gemacht werden. Dazu will Klieve das Solarenergiegeschäft mit Blick auf die städtischen Immobilien vorantreiben.
 

Volker Stephan
© 2023 Energie & Management GmbH
Dienstag, 19.07.2022, 16:19 Uhr

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