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Quelle: Shutterstock / peopleandmore
STROMNETZ:
Übertragungsnetzbetreiber blicken bis ins Jahr 2045
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben einen neuen Szenariorahmen für den nächsten Netzentwicklungsplan Strom entworfen. Er wagt sogar einen Ausblick ins Jahr 2045.
 
Der Szenariorahmen der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), den sie jetzt der Bundesnetzagentur vorgelegt haben, enthält drei Szenarien für das Jahr 2037 und gibt erstmals einen Ausblick auf ein „Klimaneutralitätsnetz 2045“, ein Stromübertragungsnetz also in einem klimaneutralen Deutschland. Der Ausstieg aus Kohle und Kernkraft wird ebenso berücksichtigt wie die nationale Wasserstoffstrategie, Eckdaten aus dem Koalitionsvertrag und ein stärker zusammenwachsender europäischer Strombinnenmarkt.

Bei vielen Eingangsdaten haben sich die Netzbetreiber Tennet, Transnet BW, Amprion und 50 Hertz an der Agora-Studie „Klimaneutrales Deutschland 2045“ orientiert und an der Studie „Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems in Deutschland 3“ von Fraunhofer ISI, Consentec, TU Berlin und ifeu. Die einzelnen Szenarien des neuen Entwurfs bilden dabei einen unterschiedlich hohen Grad der Wasserstoffnutzung und der Elektrifizierung ab.

Integrierte Betrachtung der Sektoren immer wichtiger

Auf dem Weg in die Klimaneutralität, so die ÜNB, nimmt der Stromsektor eine Vorreiterrolle ein. Die direkte Elektrifizierung ermögliche es, andere Sektoren zu dekarbonisieren. Die CO2-Vermeidungskosten seien im Stromsektor im Vergleich zu anderen Sektoren zudem relativ gering. Als andere Möglichkeit der Dekarbonisierung führen die ÜNB den Einsatz von grünem Wasserstoff oder wasserstoffbasierten Kraftstoffen auf. Auch hier spiele der Stromsektor eine wichtige Rolle. „Die integrierte Betrachtung der Sektoren wird daher im Szenariorahmen der ÜNB immer wichtiger“, heißt es.

„Die Szenarien zur Entwicklung von Stromerzeugung und -verbrauch sind Grundlage der Ermittlung, wieviel Netzausbau notwendig ist“, erklärte dazu Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Die Ausbaurate der Erneuerbaren-Kapazitäten gegenüber dem Referenzjahr 2020 wird nach den Berechnungen der Netzbetreiber etwa verfünffacht werden müssen, um dieses Ziel bis 2045 zu erreichen. Angenommen werden für das Jahr 2045 je nach Szenario rund 520.000 bzw. 620.000 MW installierte Leistung aus erneuerbaren Energien, davon knapp zwei Drittel aus Photovoltaik. Der konventionelle Kraftwerkspark besteht dann fast ausschließlich aus Gaskraftwerken, die im Jahr 2045 ebenfalls CO2-neutral betrieben würden. Zudem prognostizieren die ÜNB für eine klimaneutrale Zukunft Deutschlands eine Verdopplung des Brutto-Stromverbrauchs auf rund 1.000 Mrd. kWh im Jahr 2045.

Zunehmender Bedarf an Flexibilitäten

In einem Stromsystem, das von volatiler Erzeugung geprägt ist, müssen Erzeugung und Verbrauch flexibel sein, so die ÜNB weiter. Die Herausforderung bestehe darin, effiziente Anreize zu schaffen, damit zusätzliche Flexibilitätspotenziale erschlossen und genutzt werden. Zudem sei der Ausbau von grenzüberschreitender Übertragungskapazität über die bisher vorhandenen Planungen hinaus erforderlich.

Die Bundesnetzagentur konsultiert nun den Entwurf öffentlich. Bürger, Verbände, Unternehmen und Behörden können sich an der Konsultation beteiligen und so Einfluss auf die Netzentwicklungsplanung nehmen. Am 3. und am 8. Februar finden zwei Online-Diskussionsveranstaltungen statt. Stellungnahmen können bis zum 14. Februar abgegeben werden.

Auf Grundlage des Szenariorahmen-Entwurfs, der Konsultation und der eigenen Einschätzung wird die Bonner Behörde einen Szenariorahmen genehmigen. Dieser ist dann die verbindliche Grundlage für die Markt- und Netzberechnungen im anschließenden Netzentwicklungsplan. Der Szenario-Rahmen-Entwurf wird alle zwei Jahre erstellt.

Weitere Information unter http://www.netzentwicklungsplan.de  
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Montag, 17.01.2022, 15:20 Uhr

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