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Enerige & Management > Klimaschutz - Treibhausgasemissionen stiegen 2021 um 4,5 Prozent
Quelle: Fotolia / bluedesign
KLIMASCHUTZ:
Treibhausgasemissionen stiegen 2021 um 4,5 Prozent
Das Bundesklimaschutzministerium kündigte ein umfangreiches Sofortprogramm an, nachdem das Umweltbundesamt für 2021 einen Anstieg der Klimagasemissionen von 4,5 % ermittelt hatte.
 
Nach einem deutlichen Rückgang 2020 mit dem Covid-19-Lockdown steigen die Treibhausgasemissionen in Deutschland wieder an. So wurden laut Umweltbundesamt (UBA) im Jahr 2021 rund 762 Mio. Tonnen Treibhausgase freigesetzt. Das sind gut 33 Mio. Tonnen oder 4,5 % mehr als 2020. Insgesamt sind die Emissionen seit 1990 in Deutschland damit um 38,7 % gesunken. Das Ziel für 2020 lag aber bei 40 %, die knapp erreicht wurden, und bis 2045 will Deutschland gar keine Klimagase mehr ausstoßen.

Der Anstieg im letzten Jahr ist insbesondere im Energiesektor zu verzeichnen, da wegen gestiegener Stromnachfrage, geringerer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und des gestiegenen Gaspreises verstärkt Kohle zur Stromerzeugung genutzt wurde. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sank vor allem aufgrund schlechter Windverhältnisse um 7 %. Im Verkehrs- und Gebäudebereich lagen die Emissionen erneut über den im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahreshöchstmengen.

Sofortprogramm und Entlastungen angekündigt

Der Staatssekretär im Bundesklimaschutzministerium (BMWK), Patrick Graichen, kündigte an: „Dem wird die Bundesregierung jetzt mit einem Klimaschutz-Sofortprogramm zügig entgegenwirken.“ Darin sei ein wesentlich höheres Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien enthalten. „Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 80 % zu steigern“, sagte Graichen.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe gezeigt, wie unsicher fossile Energieversorgung sei. „Entscheidend ist dabei, die soziale Balance zu wahren“. Dafür werde die Regierung in dieser Woche ein Entlastungspaket vorlegen.
 
UBA-Präsident Dirk Messner sagte: „Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 2020 um 8,7 % ist fast zur Hälfte schon wieder verloren.“ Die Gebäude müssten von Öl und Gas auf Wärmepumpenheizung umgestellt werden. Auch Energiesparmaßnahmen seien schnellstens umzusetzen. „Hier kann jede und jeder einzelne etwas tun, was auch dem Klima hilft: Etwas weniger heizen, das Auto öfter mal stehen lassen oder, wenn es doch notwendig ist, langsamer fahren“, appellierte Messner.
 
UBA-Präsident Dirk Messner und Staatssekretär im BMWK Patrick Graichen (v.l.) bei der Vorstellung der vorläufigen Zahlen zu den Treibhausgasemissionen 2021 am 15. März 2022 in Berlin
Quelle: BPK

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) müssen binnen drei Monaten nach der Stellungnahme des Sachverständigenrates Klimaschutz zu den UBA-Zahlen Sofortprogramme vorlegen mit Vorschlägen, wie ihre Sektoren auf Kurs kommen. Geywitz sagte: „Was neu gebaut oder saniert wird, muss klimagerecht entstehen.“ Nach einer ebenfalls am 15. März veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom, erklärten acht von zehn Befragten, dass sie bewusst weniger Energie verbrauchen wollen, um einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Reaktionen aus den Verbänden

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, mahnte: „Die Bundesregierung muss alle ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um den Ausbau der Erneuerbaren massiv voranzutreiben – von der Photovoltaik-Anlage auf dem Privatdach bis hin zum Offshore-Windpark.“ Zudem müssten die Bedingungen für Netzausbau und Wasserstoff-Hochlauf schnellstens verbessert werden. „Zur Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele müssen die Energienetze in erheblichem Umfang aus- und umgebaut werden“, forderte Andreae.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) nannte „die Brücke Erdgas eine Illusion“. „Nur heimische erneuerbare Energien liefern dauerhaft bezahlbare, saubere und sichere Energie“, sagte BEE-Präsidentin Simone Peter. Darauf sei jetzt der politische Fokus zu setzen, Hemmnisse und Hürden abzubauen und Flächen und Genehmigungen schnell bereit zu stellen.

Auch Karsten Smid, Greenpeace-Klimaexperte, kommentierte: „Nach jahrelangen Versäumnissen muss die Bundesregierung jetzt an den großen Stellschrauben drehen.“ So sollten Zulassungen von neuen Autos mit Verbrennungsmotoren in Deutschland bereits 2025 enden. Eine Sanierungspflicht für ineffiziente Altbauten und ein Verbot neuer Gasheizungen seien ab 2024 unverzichtbar. Außerdem gelte es, am Kohleausstieg bis spätestens 2030 festzuhalten.

Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende plädierte für eine umfassende und sozial ausgewogene Reform der Steuern, Abgaben und Subventionen – von Kfz-Steuer und Dieselprivileg bis Pendlerpauschale und Dienstwagenbesteuerung. Kurzfristige Entlastungen sollten auf Haushalte mit niedrigem Einkommen abzielen, etwa durch höhere Sozialleistungen oder pauschale Geldprämien. Auch ein Tempolimit könne den Kraftstoffverbrauch senken.

Detaillierte Informationen zu den UBA-Emissions-Zahlen  stehen im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 15.03.2022, 16:30 Uhr

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