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Enerige & Management > Wasserstoff - Testlauf für Schnellbetankung auf der Schiene startet
Visualisierung der Wasserstofftankstelle für Züge der Deutschen Bahn samt Tankcontainer, Bild: Wystrach
WASSERSTOFF:
Testlauf für Schnellbetankung auf der Schiene startet
Für den Einsatz alternativer Antriebe und Kraftstoffe auf der Schiene baut die Deutsche Bahn die Infrastruktur auf. Mit Partnern hat sie eine Wasserstofftankstelle für Züge konzipiert.
 
Mitte Juni erst hatte der DB-Konzern sein Ziel der Klimaneutralität von 2050 auf 2040 angehoben. Dem Ersatz der im Regionalverkehr fahrenden Dieseltriebzüge durch alternativen Antriebe und Kraftstoffe misst er hierfür eine große Bedeutung zu.

Ein Baustein ist die klimafreundliche Wasserstoffmobilität. An deren Umsetzung arbeitet die Deutsche Bahn mit Industriepartnern im Rahmen des Projekts "H2goesRail" des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). An der Infrastruktur hierfür tüftelt sie mit dem Ingenieursdienstleister Wenger Engineering aus Ulm (Baden-Württemberg) und dem Systemlieferant Wystrach aus Weeze (Nordrhein-Westfalen). Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt mit 4 Mio. Euro.

Inbetriebnahme der Tankstelle im Sommer 2022 

Seit diesem Mai arbeiteten die Partner an dem Konzept einer Wasserstofftankstelle für die Schiene. Wie die Deutsche Bahn am 7. Juli mitteilte, handelt es sich um die erste Anlage dieser Art. Das Kernelement der Tankstelle, die Schnellbetankung, wollen die Partner nun in einer Laborumgebung erproben und deren Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. Ihr Ziel: Binnen 15 Minuten soll es möglich sein, Wasserstoffzüge im eng getakteten Nahverkehr mit Wasserstoff zu betanken. Diese enge Taktung sei bislang nur bei herkömmlicher Dieselbetankung möglich, heißt es seitens der Bahn. 

"Grüner Wasserstoff kann im Bahnverkehr zum Erfolg werden, wenn schnelle, zuverlässige und konkurrenzfähige Tankzeiten zu herkömmlichen Dieselsystemen möglich sind", ist Torsten Schein, der Chef der Deutsche-Bahn-Tochter DB Energie, überzeugt. In mehrwöchigen Tests soll die Grundlage für die erstmalige Zulassung und den Bau des gänzlich neuen Systems gelegt werden. Die Partner visieren den Herbst für den Montagebeginn und den Sommer kommenden Jahres für die Inbetriebnahme der kompletten Wasserstofftankstelle an.  

Die Tankstelle ist Teil eines Gesamtsystems. Es besteht aus einem 45-ft-Tankcontainer und einer 40-ft-Tankstelle (siehe Visualisierung)​. Letztere enthält laut dem Unternehmen Wystrach unter anderem einen 500-bar-Speicher, einen Kompressor, eine Wasserstoffvorkühlung und zwei Füllgarnituren. Es handelt sich um eine mobile Konstruktion: Die Anlage kann entweder am Füllwerk oder durch Elektrolyse und Verdichtung entlang der Schiene mit grünem Wasserstoff versorgt werden. Wystrach liefert die Steuerungs- und Sicherheitstechnik. Außerdem wird im Rahmen des Projekts auch ein Kommunikationsstandard zwischen Tankstelle und Zug entwickelt. 

​Details zum Wasserstoffzug

Ein weiteres Element des Projekts ist ein neu konstruierter Nahverkehrszug, der vom Projektpartner Siemens Mobility kommen wird (wir berichteten). Wie die Deutsche Bahn und Siemens bereits im vergangenen November bekannt gegeben haben, basiert der Zug auf dem Regionaltriebzug "Mireo Plus". Er soll so leistungsfähig sein wie elektrische Triebzüge und über 600 Kilometer Reichweite verfügen.

Erprobt werden soll der Zug 2024 ein Jahr lang auf der Strecke zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim, wo er einen Dieseltriebwagen ersetzt. Angedacht sind etwa 120.000 Kilometer planmäßiger Bahnbetrieb.
 

Davina Spohn
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Mittwoch, 07.07.2021, 12:54 Uhr

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