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Enerige & Management > Stromnetz - Tennet schafft bei Südostlink Tatsachen
Die Kabeltrommeln im Regensburger Hafen, Quelle: E&M / Günter Drewnitzky
STROMNETZ:
Tennet schafft bei Südostlink Tatsachen
Jetzt sind es 19, irgendwann werden es 300 sein: Im Regensburger Hafen hat die Einlagerung der Kabeltrommeln für das Südostlink-Projekt begonnen. Jede bringt 80 Tonnen auf die Waage.
 
„Der Südostlink wird jetzt greifbar“, fasst Thorsten Dietz zusammen, was sich an diesem 26. Januar im Regensburger Hafen abspielt. Er ist beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der den bayerischen Teil der Stromleitung Südostlink baut, für große Gleichstromprojekte verantwortlich. So eines ist der Südostlink. Er soll 2.000 MW Windkraftleistung aus dem Norden und Osten der Republik in den Süden schaffen, der die Energie, vor allem auch nach der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke, dringend braucht.

Bezeichnenderweise endet diese Stromtrasse auch in Ohu bei Landshut, wo bis Ende des Jahres noch das Kernkraftwerk Isar einspeist. Ab 2027 soll dort ein Konverter stehen, der den Gleichstrom aus Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt, wo der Südostlink startet, in Wechselstrom verwandelt, so dass er ins Verteilnetz eingespeist werden kann. 270 Kilometer ist die Stromtrasse lang, und sie wird später auch noch ein Schwesterchen bekommen: Bis 2030 soll das sogenannte Vorhaben 5a mit weiteren 2.000 MW unter Strom gesetzt werden, das in Klein Rogahn in Mecklenburg-Vorpommern seinen Anfang nimmt und ebenfalls im bayerischen Ohu bei Landshut endet.

Bereits seit sechs Jahren laufen die Planungen, Umplanungen und Neuplanungen erinnerte Dietz bei einer Pressekonferenz an die wechselvolle Geschichte eines Projekts, das immer wieder Verzögerungen erlebt hat. Jetzt hofft man – auch mit Unterstützung der neuen Bundesregierung, die sich das Erreichen der Klimaziele ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat – dass es entschlossen vorangeht.

Bis 2023 erwartet man, den Planfeststellungsbeschluss mit dem genauen und endgültigen Trassenverlauf zu erhalten, die Baufreigabe sozusagen. Und dann soll es sofort losgehen. Damit es nicht wieder zu Verzögerungen kommt, wird das Projekt parallelisiert, wie Dietz es ausdrückte: Dass die Kabel schon jetzt gefertigt werden, ist ein Teil dieser Taktik, oder auch, dass die Konverter schon geplant werden: Einen Tag nach der Baufreigabe soll es losgehen.

Die Bedeutung solcher Projekte untermauert man bei Tennet vor allem mit Zahlen zu den Klimazielen, zur Energiewende und zu den Redispatch-Maßnahmen: Für dieses jonglieren, um die Überlastung der noch viel zu schwachen Nord-Süd-Verbindungen zu vermeiden, müsse allein Tennet 1,5 Mrd. Euro pro Jahr ausgeben, hieß es. Zum Beispiel dann, wenn Windanlagen im Norden abgeschaltet und Kraftwerke im Süden hochgefahren werden müssen. Wenn Südostlink und Südlink das vermeiden können, sind die Kosten von 10 Mrd. Euro für die Endausbaustufe des Erdkabelprojekts bald wieder reingeholt.

Wenn man, wie geplant, bis 2045 in der Bundesrepublik und bis 2040 in Bayern klimaneutral sein will, dann gehe es längst nicht mehr um die noch oft diskutierte Frage, ob der Netzausbau nötig sei oder man stattdessen auf dezentrale Energieversorgung oder Wasserstoff setzen soll. „Wir brauchen alles davon, um Deutschland zu dekarbonisieren“, betonte Dietz. Tennet investiere jährlich 4 Mrd. Euro in die Energiewende, 5 Mrd. Euro sollen es in den nächsten zehn Jahren allein in Bayern sein, wo aktuell zehn Netzausbauprojekte laufen.

Die Erdkabel des Unternehmens Prysmian, nach eigenen Angaben Weltmarktführer in Sachen Kabelherstellung, haben einen Durchmesser von 15 Zentimetern. Sie bestehen aus einem Kupferleiter, der von einer thermoplastischen Isolierung umgeben ist. Darüber liegt ein Kunststoffmantel und ganz außen umhüllt eine metallische Aluhaut das Ganze. Mit eingebaut sind Glasfaserleitungen zur Überwachung des Betriebszustands.

Ausgelegt sind die Kabel für eine Spannung von 525 kV und eine Stromstärke von 2.074 Ampere. Ein Meter Leitung wiegt 40 Kilogramm, die ganze Trommel mit 1,74 Kilometern bringt es auf 80 Tonnen. Hergestellt werden die Leitungen im Prysmian-Werk in Gron bei Paris. Die jetzt im Wochenrhythmus stattfindenden Schiffstransporte enden in Regensburg, wo die Trommeln auf einer großen Freifläche des Hafens gelagert werden.

Die Umsetzung der Schwergewichte dort übernimmt ein Raupenkran, den die Firma Schmidbauer eigens für dieses Projekt angeschafft hat. Etwa zehn Trommeln mit einem Durchmesser von 4,2 Metern und einer Länge von 10,5 Metern umfasst eine Schiffsladung. Ihr Weg führt über die Seine in den Ärmelkanal nach Rotterdam, dann über den Rhein, den Main und den Rhein-Donau-Kanal ans Ziel.
 
Ein Raupenkran hebt die Kabeltrommeln aus dem
Schiffsbauch und bringt sie an ihren Lagerort .
Foto: Günter Drewnitzky
 
Die Kabelrollen werden auf einer Freifläche des
Regensburger Hafengeländes abgelegt.
Foto: Günter Drewnitzky


 
15 Zentimeter Durchmesser haben die Erdkabel der Firma Prysmian.
Im Hintergrund ein Leerrohr.
Foto: Günter Drewnitzky
 

Günter Drewnitzky
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Mittwoch, 26.01.2022, 16:48 Uhr

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