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Enerige & Management > Mobilität - Technologieoffenheit versus klarem Weg
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MOBILITÄT:
Technologieoffenheit versus klarem Weg
Elektromobilität braucht Forschungsförderung, Infrastruktur und gut ausgebildete Fachkräfte. Die Politik setzt für einen CO2-armen Verkehrssektor weitgehend auf Technologieoffenheit.
 
Das ist das Fazit einer Diskussion beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin zum Thema: „Braucht es eine Industriestrategie für die Elektromobilität?“ Maßgebliche Wirtschafts- und Energiepolitiker der Fraktionen von Union, SPD und FDP zeigten sich einig darüber, dass eine Industriestrategie zur Elektromobilität inklusive Batteriefertigung auf EU-Ebene entwickelt werden müsse, um der Konkurrenz aus Asien etwas entgegenzusetzen und komplette Wertschöpfungsketten in Europa zu erhalten.

Für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors in Deutschland wollen sie sich jedoch nicht auf eine Technologie festlegen, auch wenn laut dem Koalitionsvertrag die Elektromobilität voran getrieben werden soll. So zeigt sich der SPD-Energieexperte Bernd Westphal zwar überzeugt: „Wir wären gut beraten, bei der Batteriefertigung mit am Markt zu sein.“ Man sollte aber nicht nur die Elektromobilität, sondern auch nicht-elektrische Technologien entwickeln, meint er. Für ihn ist allerdings klar, dass sich die vorhandenen Wertschöpfungsketten „erheblich verändern“ werden. "Die Dampflok gibt es ja heute auch nicht mehr", so Westphal.

„Wir müssen die Optionen offen halten“, betont CSU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer. „Es ist immer gut, vier bis fünf Pfeile im Köcher zu haben.“ Er liegt damit voll auf der Linie des DIHK. Nur mit Technologieoffenheit könnten die Betriebe ihre jeweiligen Stärken voll nutzen, sagt Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Wir brauchen ohnehin alle alternativen Antriebstechnologien, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen.“

Förderung für Infrastruktur und Forschung

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hält die Lithium-Ionen-Batterie für „hoch problematisch“, findet es aber dennoch wichtig, „dass wir die Batterietechnologie beherrschen“. Für ihn sind synthetische Kraftstoffe (PtL) wie auch die Brennstoffzelle ebenfalls Optionen. Der Liberale wundert sich, „dass die Grünen Wasserstoffspeichern politisch so kritisch gegenüber stehen". Man müsse „die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen betrachten. Wenn diese erfüllt würden, könnten die Technologien auch „die Märkte erobern“. Die „Achillesferse“ sei, dass es „keine klaren Marktbedingungen“ gebe, so Theurer.

Pfeiffer geht davon aus, dass, wenn die Sektorkopplung umgesetzt wird und die Lade-Infrastruktur vorhanden ist, sich die Elektromobilität entwickeln kann. Dass die neue Bundesregierung dafür etwas tun will, zeigt sich an den Ankündigungen im Koalitionsvertrag, auf die Noch-Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig verweist. 100 000 Ladepunkte sollen in den kommenden zwei Jahren mit Hilfe der bereit gestellten Fördergelder geschaffen werden. Zudem gibt der Bund 2 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung – deren Notwendigkeit alle Beteiligten betonen.

Hunderttausende Beschäftigte arbeiten an Verbrennungsmotor

Doch stellt der Wandel des Verkehrssektors für die Unternehmen der Branche eine gewaltige Herausforderung dar. Aktuell sind nach Berechnungen des ifo-Instituts 620 000 Beschäftigte in der Industrie mit dem Verbrennungsmotor befasst. „Da ist unglaublich viel Anpassung in den Unternehmen zu stemmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Kleinere und mittlere Unternehmen verfügten oft nicht über eigene Weiterbildungsangebote in diesem Bereich.

Auch Tim Hosenfeldt, Leiter Innovation bei der Schaeffler AG und Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg, betont die Bedeutung der Ausbildung und des lebenslangen Lernens, um genügend qualifiziertes Fachpersonal zu haben. Dabei solle man auch angesichts des „Internet of Things“ nicht nur auf IT setzen, sondern „auch die Mechanik nicht vernachlässigen“.

Mittelstands-Dilemma und "Voraus-Förderung"

Dazu kommt ein weiteres Problem: Der Mittelstand steckt in einem Dilemma, wie Thomas Albiez von der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg berichtet. „Der muss in den nächsten Jahren noch mit den bestehenden Technologien Geld verdienen. Hier gibt es zwei Welten mit Schnittmengen.“ Die Herausforderung sei, „die Zulieferer mitzunehmen auf dem Weg von A nach B.“

Für den Technik-Experten Hosenfeldt liegt die Aufgabe der Politik nicht nur darin, Grundlagenforschung und Infrastruktur zu fördern, sondern vor allem auch, den Technologie-Transfer hinein in die praktische Anwendung. „Wir brauchen eine Voraus-Förderung neuer Technologien, das kann die Industrie nicht alleine schaffen“, betont er. In asiatischen Staaten werde dies gemacht.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Mittwoch, 14.03.2018, 12:46 Uhr

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