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Quelle: Fotolia / Gina Sanders
STROMNETZ:
Tausende Schikanen gegen Suedlink-Projekt
Suedlink soll 2028 fertig werden, bekräftigt ein Übertragungsnetzbetreiber. Doch die Gesetzeslage ermögliche Privatleuten und Gemeinden Schikanen gegen das Energiewendeprojekt.
 
Werner Götz, Chef des Übertragungsnetzbetreibers (ÜNB) Transnet BW, hat den Fertigstellungstermin 2028 für die Stromleitung Suedlink von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) nach Leingarten-Großgartach bei Heilbronn bekräftigt. Gleichzeitig übte er Kritik am Rechtsrahmen, der Gegnern zeitraubende Schikanemöglichkeiten biete. Man werde den bereits von 2022 auf 2028 verschobenen Termin weiter "fest verfolgen, sagte Götz am 1. Juni vor Journalisten. Suedlink soll künftig Windstrom aus Norddeutschland mit je 2.000 MW in die Verbrauchszentren Bayern und Baden-Württemberg bringen, die vom Atomausstieg besonders betroffen sind. Transnet verantwortet den südlichen, Tennet den nördlichen Abschnitt des Projektes.

Die Hälfte der Verzögerung bei Suedlink, also drei Jahre, gehen Götz zufolge aufs Konto des von der damaligen bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) durchgesetzten Übergangs von der Freileitung zur Erdkabel-Verlegung, mit dem alle umweltrechtlichen Verfahren wiederholt werden mussten. Bis dahin erreichte Planfeststellungsbeschlüsse wurden alle wertlos. Suedlink ist seit 2012 im Bundesbedarfsplan aufgeführt. Bis heute gibt es zumindest für den Transnet-Abschnitt nirgendwo Baurecht

Die weiteren Verzögerungen liegen nach Götz' Einschätzung an einem Rechtsrahmen aus grob 14.000 europäischen und deutschen Gesetzen und Vorschriften, die dem Planungsfortschritt "nicht unbedingt förderlich" seien, wodurch "wir jede Menge Sand ins Getriebe bekommen".

So behinderten außerhalb von Baden-Württemberg tausende Anwohnerinnen und Anwohner die artenrechtliche Kartierung und die geologische Baugrund-Untersuchung, indem sie den dafür nötigen Zutritt zu ihren Grundstücken verweigerten. Die ÜNB müssten dann bei der Bundesnetzagentur für jeden Einzelfall eine Verfügung beantragen. Die Verweigerinnen und Verweigerer schöpften in der Regel alle rechtlichen Fristen aus. Allein dies koste im Schnitt drei Monate und verschiebe dann fallweise die Kartierung um zwölf Monate, weil die nächste Vegetationsperiode abgewartet werden müsse. "Wir müssen das Vorkommen von 106 Arten untersuchen", erläuterte Götz.

Hinzu komme das Verhalten gegnerischer Anrainergemeinden, die plötzlich Verkehrswege, die für Baufahrzeuge benötigt werden, zu Forstwegen umwidmeten. Götz brachte es auf die Faustformel: "Die Genehmigung einer solchen Leitung braucht 10 bis 15 Jahre, die Bauzeit dauert vier Jahre." Er sei "nicht so optimistisch", dass sich daran in absehbarer Zeit etwas Substanzielles ändern werde.

Der Widerstand, so Götz, sei nördlich von Baden-Württemberg stärker, weil es sich dort um ein reines Transitprojekt handle. Im Ländle dagegen habe man "den Nutzen eindeutig beschreiben können": Das Land verliert durch Atom- und Kohleausstieg 8.400 MW Leistung, habe aber einen Bedarf von 11.000 MW.

Bis 2030 lasse sich, so der Transnet-Chef, der Strombedarf von 74 Mrd. kWh/a "gerade mal so" mit Importen von 50 Mrd. kWh/a decken. Danach entstehe durch erhöhte Stromnachfrage im Zuge der Elektromobilität und der Digitalisierung ein Bedarf für weitere 4.000 MW Importleitungen. Das habe eine interne Studie unter dem Titel "Die Energiewende zu Ende denken" ergeben, so Götz, die freilich noch nicht so detailliert abgesichert sei wie ein Netzentwicklungsplan. "Wir werden weitere Suedlinks brauchen, wenn wir die Energiewende durchführen wollen", äußerte sich Götz sicher.

Wann geht es los?

Der Transnet-Anteil von Suedlink ist in neun Planungsabschnitte unterteilt. Vieles spricht laut dem ÜNB dafür, dass der südlichste bis Leingarten den ersten Planfeststellungsbeschluss erhält. "In der Sekunde fangen wir an, zu bauen", kündigte Götz an.
 
Der geplante 16-Kilometer-Abschnitt von Suedlink im Salzbergwerk bei Heilbronn im Schema (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Transnet BW / Tennet

Suedlink wird eingesalzen

Im Raum Heilbronn wird es eine vom Land ins Spiel gebrachte und von der Netzagentur genehmigte technische Premiere geben: Auf 16 Kilometer wird Suedlink nicht in offener Grabenlegung in 1,80 m Tiefe verlegt, sondern unter Tage in 200 m Tiefe im Schachtsystem der Südwestdeutschen Salzbergwerke (SWS) in Bad Friedrichshall. "Wir hätten in diesem dichtbesiedeltsten Abschnitt von Suedlink wahrscheinlich keine oberflächennahe Trasse gefunden", begründete Werner Götz. In der bergmännischen Variante gebe es "keinerlei Akzeptanzprobleme", und man nutze vorhandene Infrastruktur.

Transnet will eine Bergbauspezialgesellschaft zwei zusätzliche Schächte für Suedlink teufen lassen. Bisher gibt es vier Schächte für den Salzbergbau. SWS erhalte für das Wegerecht und die Beeinträchtigungen eine "marktübliche" Vergütung, so Götz. In dem salzhaltigen Verfüllungsmaterial jedenfalls fühlten sich die betonummantelten Strom- und Breitbandkabel "wohl", hieß es von Transnet. Es sei dort unten trocken und die Temperatur stabil.
 

Georg Eble
Redakteur
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Mittwoch, 01.06.2022, 16:32 Uhr

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