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Enerige & Management > Wirtschaft - Tariferhöhungen sind an der Tagesordnung
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WIRTSCHAFT:
Tariferhöhungen sind an der Tagesordnung
Die Strom- und Gaspreise für Verbraucher verharren im April auf einem sehr hohen Niveau. Das geht aus Zahlen des Vergleichsportals Check 24 hervor.
 
Ein Musterhaushalt (5.000 kWh) zahlt zurzeit im Schnitt 2.054 Euro jährlich für Strom. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 41,1 Ct pro kWh. Im Vorjahresmonat waren es 1.512 Euro – ein Plus von 36 %. Die Stromgrundversorger haben in insgesamt 1.202 Fällen die Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt betragen die Preiserhöhungen 29 % und betreffen rund 8,4 Mio. Haushalte. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 478 Euro pro Jahr.

Für April, Mai, Juni und Juli haben Stromgrundversorger bereits in 217 Fällen Preiserhöhungen durchgeführt oder angekündigt – in der Spitze über 100 %. 572 Grundversorger haben neue Tarife ausschließlich für Neukunden eingeführt. Hier wurden die Preise um durchschnittlich 64 % angehoben (+1.045 Euro). 46 Stromgrundversorger senkten die Preise zum Jahreswechsel um durchschnittlich 2,3 %. Davon profitieren rund 1,4 Mio. Haushalte. Im Schnitt spart ein Musterhaushalt 37 Euro im Jahr.

Im April kostet eine Megawattstunde an der Strombörse durchschnittlich 143 Euro (Stand: 19. April). Zum Vergleich: Im April 2021 war eine Megawattstunde für nur 52 Euro zu haben − ein Plus von 175 %.

Entlastung durch Wegfall der EEG-Umlage

"Durch gestiegene Kosten bei der Stromerzeugung in Kohle- und Gaskraftwerken, Produktionsrückgängen bei erneuerbaren Energien und gleichzeitig großer Nachfrage aus der Wirtschaft, waren die Strompreise bereits auf hohem Niveau", kommentiert Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check 24, die Entwicklung. Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland könnten die Strompreise für Endkunden weiter steigen lassen.

Bereits im Februar wurde beschlossen, dass ab 1. Juli die EEG-Umlage auf Strom entfällt. Weitere Entlastungsmöglichkeiten beim Strom könnten eine Senkung der Strom- sowie der Mehrwertsteuer bringen. Alle Maßnahmen kombiniert ergäben nach Berechnungen von Check 24 eine jährliche Entlastung von insgesamt 467 Euro für Familien und 150 Euro für Singles.

​Situation bei Gas

Der durchschnittliche Gaspreis bleibt im April hoch, sinkt aber im Vergleich zum März. Ein Musterhaushalt (20.000 kWh) zahlt im Schnitt 2.902  Euro im Jahr für Gas. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 14,5 Ct pro kWh. Im März kostete die gleiche Menge Gas noch 3.305 Euro. Im April 2021 waren es 1.264 Euro – ein Plus von 130 % zum April 2022.

Seit vergangenem Sommer haben in Deutschland die Gasgrundversorger in 1.518 Fällen Preise erhöht oder Preiserhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt betragen die Preiserhöhungen 59 % und betreffen gut 4,1 Mio. Haushalte. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 900 Euro pro Jahr.

Unsichere Lage trifft auf steigende Nachfrage

Für April, Mai, Juni und Juli haben Gasgrundversorger bereits in 218 Fällen Preiserhöhungen durchgeführt oder angekündigt – 76 Erhöhungen übersteigen 100 %. 497 Grundversorger haben neue Tarife ausschließlich für Neukunden eingeführt. Hier wurden die Preise um durchschnittlich 141 % angehoben (+2.155 Euro).

Im April kostet eine Megawattstunde an der europäischen Gasbörse (European Gas Spot Index THE) durchschnittlich 109 Euro (Stand: 19. April). Zum Vergleich: Im April 2021 kostete eine Megawattstunde lediglich 21 Euro.

Die Gründe für die Entwicklung nach Einschätzung des Vergleichsportals: Unsicherheiten, wie mögliche Energiesanktionen oder Gasimportverbote aus Russland sich auswirken, lassen die Großhandelspreise steigen. Händler greifen bereits auf andere Gasquellen zurück, wo das Angebot aber knapp ist. Nach dem Ende vieler Coronabeschränkungen zieht außerdem die Nachfrage nach Gas und Öl weiter an. Gleichzeitig waren die Gasspeicher in Europa lange Zeit deutlich leerer als normal.

"Die hohen Energiepreise werden erst mit etwas Verzögerung vollumfänglich bei privaten Strom- und Gaskunden ankommen", sagt Steffen Suttner. "Denn wenn die bereits vor der Krise beschafften Energiemengen der Versorger verbraucht sind, werden sie noch mehr zu den aktuell teuren Börsenpreisen einkaufen müssen. Dann werden sich auch die Preise für ihre Kunden weiter erhöhen."
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Dienstag, 19.04.2022, 13:58 Uhr

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