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Enerige & Management > Stadtwerke - Systemintegration steigert die Energieeffizienz
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
STADTWERKE:
Systemintegration steigert die Energieeffizienz
Auf der Stadtwerketagung in Berlin stand der Einsatz erneuerbarer Energien in den Unternehmen im Fokus. Beispiele aus Wien, Hamburg und Zürich.
 
Der Geschäftsführer der Wien Energie, Karl Gruber, nannte die Systemintegration der erneuerbaren Energien als zentrales Ziel. Strom, Wärme, Abfallverwertung und Verkehr müssten sich gegenseitig ergänzen. Die Dekarbonisierung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nannte Gruber am 10. Mai auf der Handelsblatt-Jahrestagung Stadtwerke eine der größten aktuellen Herausforderungen. Dafür würden die Erdgasturbinen derzeit für bis zu 15 % Anteil an Wasserstoff umgerüstet.

Eine Stadt müsse sich aus dem Umland versorgen. Die Wiener hätten allerdings in ganz Österreich bereits den kleinsten Fußabdruck bei den Klimagasemissionen. Das resultiere daraus, dass eine der leistungsstärksten Wärmepumpen das Abwasser als Quelle nutzen werde und der Strom aus Donau-Wasserkraftanlagen kommt. Von 2040 an rechnet Gruber mit KWK-Anlagen, die zu 100 % mit erneuerbarem Wasserstoff betrieben werden können. “Aber früher wird auch nicht genug davon zur Verfügung stehen”, schränkte er ein.

Gleichzeitig laufe seit zehn Jahren eine Photovoltaikoffensive. Diese beziehe sowohl Hausdächer wie Freiflächenanlagen zum Beispiel auf einer stillgelegten Deponie ein. Um allmählich fossile Energieträger abzulösen, müsse Wasserstoff selbst erzeugt und auch importiert werden. Dafür würden jetzt die Netze ertüchtigt. Perspektivisch solle das Gasverteilnetz stillgelegt werden und stattdessen Fernwärme die Gebäude heizen. Die Energiemärkte müssten so reguliert werden, dass neue Technologien eine Chance hätten, schnell den Durchbruch zu schaffen, appellierte Gruber an den Gesetzgeber.

Hamburg als Blaupause für Geothermie

Michael Prinz von Hamburg Energie sprach über den Einsatz von Geothermie, der lang und beschwerlich gewesen sei von 2008 bis zur ersten Bohrung in eine Tiefe von 3.000 m. Die Hansestadt habe gerade alle Teile der Energieversorgung wieder rekommunalisiert. Erst durch die Verbindung von Versorger und Netz sei die Einbindung wirtschaftlich möglich geworden.

Für das Wohnviertel Wilhelmsburg mit 50.000 Einwohnern gab der Bund 22 Mio. Euro Förderung. Das Pilotprojekt mit Aquiferspeicher für sommerliche Rückspeicherung kann eine Blaupause für andere deutsche Städte werden, so die Hoffnung. Wegen der hohen Temperatur aus der Tiefe könnten auch ältere, weniger energieeffiziente Gebäude mitbeheizt werden. Am Zielhorizont habe sich ergeben, dass die Gesteinsschichten sich anders darstellen, als vorhergesagt. Dennoch rechnet Prinz mit einem Erfolg, da es im Temperaturbereich um 60 Grad Celsius auf einer Tiefe von 1.300 Meter genug Potential gebe.

Rechenzentrum als Heizzentrale

Für Zürich, die größte Stadt der Schweiz, kümmert sich Patrick Eggeler, Abteilungsleiter im Rathaus für Organisation und Informatik, um die EDV für 28.000 Beschäftigte. Die Kühlmaschinen für die zwei Rechenzentren würden bereits mit erneuerbarer Energie aus der Abfallverwertungsanlage betrieben, sagte er. Ihre Abwärme beheizt 800 Wohnungen zu 80 % klimaneutral. Auch das verwendete Kühlmittel NH3 sei klimaneutral.

Diese Umstellungen wurden von Tüvit, einer Konzerngesellschaft des Tüv Nord, begleitet, berichtete Experte Mark Wilkens. Solche Energiemanagementprojekte könnten große Effizienzpotentiale heben und durch den geringeren Gesamtenergieverbrauch mehr erneuerbare Erzeugung einbinden. Bei gleichem Energieverbrauch war in Zürich eine Verdreifachung der Rechenleistung möglich, resümierte Wilkens. Die Primärenergie werde dank KWK zu 80 % und über das ganze Jahr genutzt. Nebenbei lieferten die Notstrom-Generatoren des Rechenzentrums Regelenergie fürs Netz. “Ihre Rechenzentren können mehr als Nullen und Einsen”, warb Wilkens bei den Stadtwerkevertretern auf dem Kongress.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 10.05.2022, 16:24 Uhr

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