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Enerige & Management > Wasserstoff - Studie: Wasserstoff auch für Wärmeerzeugung nutzen
Quelle: iStock/Frank Harms
WASSERSTOFF:
Studie: Wasserstoff auch für Wärmeerzeugung nutzen
Im Wasserstoff sieht eine Studie der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) einen wichtigen Baustein zur raschen und sozial verträglichen Dekarbonisierung des Wärmemarktes.
 
Die Untersuchung von Frontier Economics durchgeführte Studie verweist darauf, dass der Wärmemarkt nicht nur den größten Anteil am gesamten Endenergieverbrauch hat, sondern derzeit auch noch zu 80 % mit fossilen Energieträgern versorgt wird.

Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, müssten die CO2-Emissionen im Gebäudesektor in zehn Jahren um fast die Hälfte (43 %) sinken – mehr als fünfmal so viel wie in den vergangenen zehn Jahren. Und das bei einem Gebäudebestand, der zu 87 % unsaniert oder nur teilweise saniert ist.

FNB-Geschäftsführerin Inga Posch: „Die Studie macht deutlich, dass die enorme Herausforderung der klimaneutralen Wärmeversorgung schneller und sozialverträglicher mit Wasserstoff bewältigt werden kann als mit einer vollständigen Umstellung auf strombasierte Technik wie zum Beispiel Wärmepumpen.“

Nicht ob, sondern wie viel ist die Frage

Auch für Thomas Gößmann, Vorstandsvorsitzender des FNB Gas, lässt die Analyse nur die eine Schlussfolgerung zu: „Die Frage ist nicht, ob, sondern wie viel Wasserstoff im Wärmemarkt eingesetzt werden muss. Wer die Klimaziele erfüllen will, ohne eine sichere und bezahlbare Versorgung zu gefährden, muss Ja zu Wasserstoff nicht nur für Industrie und Verkehr, sondern auch für den Wärmemarkt sagen.“

Der Vergleich von Wärmetechnologien, so heißt es seitens der FNB weiter, müsse berücksichtigen, dass der Wärmebedarf in Deutschland starken saisonalen Schwankungen unterliege. Die Gasinfrastruktur sei seit jeher auf hohe Nachfrageschwankungen ausgelegt. „Selbst bei minus 14 Grad Celsius müssen wir noch dafür sorgen können, dass es in den Wohnzimmern warm bleibt“, erklärte Gößmann. Wasserstoff, so die Studie, könne Spitzenlasten im Wärmebereich auffangen, die das Stromsystem bei einer umfassenden Elektrifizierung massiv herausfordern würden.

Ein weiterer Knackpunkt liegt nach Ansicht der Autorinnen und Autoren darin, dass die Transportinfrastruktur absehbar nicht auf eine umfassende Elektrifizierung aller Verbrauchssektoren ausgelegt ist: Bei einer vollständigen Elektrifizierung im Wärmemarkt im Jahr 2045 wäre die zusätzliche Strom-Spitzenlast mit 86.000 bis 124.000 MW mehr als doppelt so hoch wie heute und würde einen erheblichen zusätzlichen Ausbau der Stromnetze erfordern.

Eine zukünftige Wasserstoffinfrastruktur als Energiespeicher und -transporteur könnte den weiteren Stromnetzausbau sowie damit verbundene gesellschaftliche Akzeptanzprobleme deutlich reduzieren.

Da mit den vorhandenen Gasverteilernetzen bereits die Hälfte aller deutschen Haushalte erreicht werde, könne der Einsatz von Wasserstoff im Wärmemarkt einen wichtigen Beitrag zur schnellen und sozial verträglichen Dekarbonisierung des Wärmemarktes leisten. Die Wasserstoffnetze können zum überwiegenden Teil aus dem bestehenden Gasnetz heraus entwickelt werden, wodurch die Kosten im Vergleich zum Neubau von Infrastrukturen moderat bleiben.

Spätestens ab Mitte dieser Dekade, so die Studie weiter, werde die Heizungsbranche nur noch Geräte auf den Markt bringen, die hohe Wasserstoffanteile bis 100 % vertragen oder zumindest umrüstbar sind.

​Ariadne sieht lediglich "untergeordneten Beitrag"

Zu einem völlig anderen Ergebnis kam kürzlich die Forschungsgruppe Ariadne, die im Rahmen der Kopernikus-Projekte mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums die Energiewende untersucht. Nach dem Durchspielen verschiedener Szenarien sind die Forschenden zu dem Schluss gekommen, dass Wasserstoff „lediglich einen untergeordneten Beitrag zum Erreichen der Klimaneutralität im Gebäudebereich leisten kann“. 

Anbieten würde sich Wasserstoff dabei im Bereich der zentralen Wärmeerzeugung wie bei der Fernwärme. Die Vorteile liegen aber dabei eher bei der Entlastung und Stabilisierung der Stromnetze, wie das durch KWK-Anlagen ermöglicht wird, anstatt Haushalten einen finanziellen Vorteil zu bringen.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Dienstag, 14.09.2021, 12:45 Uhr

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