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KERNKRAFT:
Studie: Laufzeit-Verlängerung spart kaum Gas ein
Die letzten deutschen Meiler doch nochmal weiterlaufen zu lassen, um Gas zu ersetzen, − das lohnt den Aufwand nicht. So das Fazit von Green Planet Energy aus einer Auftragsstudie.
 
Eine Laufzeitverlängerung für die letzten drei deutschen Atomkraftwerke über 2022 hinaus würde bestenfalls 1 % des Erdgasverbrauchs in Deutschland einsparen. Das zeigt eine am 6. Juli veröffentlichte Analyse von Energy Brainpool im Auftrag der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy.

"Aufwand, Kosten und Risiken einer Laufzeitverlängerung stehen in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen" − mit diesem Fazit wendet sich Sönke Tangermann, Vorstand der ehemaligen Greenpeace Energy, gegen CDU/CSU und einzelne FDP-Politiker, die eine längere Laufzeit von Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland fordern. Laut der Atomausstiegs-Gesetzgebung nach dem Fukushima-GAU von 2011 ist für sie als letzte Meiler an Silvester 2022 Schluss. Dann erlischt ihre atomrechtliche Betriebserlaubnis. Die Unions-Bundestagsfraktion will am 7. Juli einen Antrag für eine Laufzeitverlängerung einbringen und so die verbale Geschlossenheit der Ampelkoalition auf die Probe stellen, wonach die Sache seit dem negativen Prüfungsergebnis des Wirtschafts- und des Umweltministeriums abgeschlossen sei.

Sollte eine Laufzeitverlängerung in einer Gasversorgungskrise helfen, so wäre ihr Effekt aber minimal, modelliert Energy Brainpool. Demnach würden alle drei Meiler zusammengenommen 2023 höchstens 8,7 Mrd. kWh Erdgas oder 1 % des deutschen Erdgas-Verbrauchs von 875 Mrd. kWh (2020) ersetzen. Dies rühre daher, dass Atomkraftwerke Grundlast bedienen und Gaskraftwerke vor allem Spitzenlast. Zudem koppeln viele Gaskraftwerke Wärme aus und werden nach dem Wärmebedarf gefahren statt nach dem Strombedarf.

Ließe Deutschland nur zwei der drei Meiler weiterlaufen, beliefe sich der Gas-Einspareffekt auf maximal knapp 5,5 Mrd. kWh pro Jahr, bei nur einem Atomblock auf 3,1 Mrd. kWh pro Jahr − beides im Promillebereich. Dabei seien das alles schon Best-Annahmen aufgrund von historischen Fahrweisen der Atommeiler, erklärte Fabian Huneke von Energy Brainpool. Wichtige Sicherheitsprüfungen müssten erst aufwändig nachgeholt werden, sodass die Revisions- und Drosselungszeiten der 34 bis 35 Jahre alten Blöcke wahrscheinlich höher lägen als bisher. Zudem fehle es an Personal und Uranbrennstoff, dessen Vorräte genau bis zum Stichtag Silvester eingekauft wurden.

In der Modellierung zeigte sich aber auch: Die letzten deutschen Atomkraftwerke verdrängen mit ihren addierten 4.300 MW vor allem Braun- und Steinkohlekraftwerke aus der Kraftwerks-Einsatzreihenfolge (Merit Order) und erhöhen die Stromexporte. Gegenüber der Laufzeitverlängerung wäre eine Bremsung des Kohleausstiegs daher CO2-intensiver. Den Klimaeffekt vergleichend zu berechnen, gehörte aber nicht zum Auftrag von Energy Brainpool.

Die Alternative aus Sicht von Green Planet Energy

Was also tun aus Sicht des Auftraggebers Green Planet Energy? "Wenn wir tatsächlich nennenswert Gas einsparen wollen, müssen wir dies im Wärmebereich tun", erklärte Sönke Tangermann. "Insbesondere gibt es eine Menge gasbefeuerter wärmegeführter Kraftwerke, wie etwa Blockheizkraftwerke, bei denen Strom nicht nachfrageorientiert produziert wird. Hier kann deutlich mehr Gas eingespart werden."
 

Georg Eble
Redakteur
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Mittwoch, 06.07.2022, 14:36 Uhr

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