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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Studie: In der deutschen See wären über 80.000 MW möglich
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WINDKRAFT OFFSHORE:
Studie: In der deutschen See wären über 80.000 MW möglich
Die gesteigerten Ausbauziele für Offshore-Windkraft im Jahr 2045 ließen sich noch um fast 12.000 MW steigern. Das haben Forschende für die Verbände BDEW und BWO errechnet.
 
Seit Anfang Juli ist es in Gesetzestext gegossen, dass die deutsche Windkraft auf See ihre elektrische Leistung von derzeit 7.800 MW bis 2045 auf 70.000 MW verneunfachen soll. 2045 ist das Jahr, in dem Deutschland in allen Sektoren klimaneutral werden will. Jetzt haben Forschende errechnet, dass bis dahin auf hoher See auch 81.600 MW "realistisch und umsetzbar" sind. Dies berichten die Auftraggeber, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Bundesverband Windparkbetreiber Offshore (BWO). Sie berufen sich dabei auf eine noch nicht veröffentlichte Flächenpotenzialstudie des Fraunhofer-Instituts für Windenergiesysteme (Iwes).

Demnach gibt es mehrere Wege, das Flächenpotenzial in der deutschen Nord- und Ostsee zu steigern:
  • Bestimmte Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für andere Nutzungen − Schifffahrt, Fischerei und Landesverteidigung − werden für die Co-Nutzung durch die Windkraft geöffnet. Mit diesen Interessengruppen hat das Iwes gesprochen und die Chancen und Hindernisse zusammengefasst. Der BWO will eine "erfreuliche Kompromissbereitschaft" wahrgenommen haben. Der Verband ziele darauf ab, dass es bei gemeinsamen Nutzungen keine Verlierer gibt. Umgekehrt hatte der BWO im Raumordnungsverfahren Nutzungsbegehren der Bundeswehr für Aufklärungsinstallationen oder Übungsflächen in Windparks unter Verweis auf Eigentumsrechte kategorisch abgelehnt.
  • Bestehende Windparks werden teilweise oder ganz repowert, wie es in der Onshore-Windkraft gang und gäbe ist, und / oder gelichtet, indem alte Windräder in neue Flächen umgesiedelt werden. Bei Leistungsdichten von teils über 10.000 MW/km2 sinke nämlich die tatsächliche Stromausbeute pro Megawatt durch Abschattungseffekte. Auf gut Deutsch nehmen die einen Windräder anderen Windrädern Wind weg beziehungsweise verwirbeln ihn zu ihren Lasten.
  • Technische Weiterentwicklungen, wie etwa schwimmende Anlagen, könnten den Anforderungen der bisher konkurrierenden Nutzer genügen und so Nutzungskonflikte in Luft auflösen.
Unter diesen Prämissen kommen die Forschenden auf 81.600 MW installierte Leistung und eine Erzeugungsmenge von bis zu 292 Mrd. kWh bei rund 3.580 Volllaststunden im Jahr 2045.

Dabei haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den seit 1. September 2021 gültigen Raumordnungsplan für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWS) herangezogen. Auf dessen Basis läuft derzeit die Konsultation des Flächennutzungsplans. Beides bezieht sich auf die deutsche Nord- und Ostsee zwischen der 12- und der 200-Seemeilen-Grenze. Im Küstenmeer, für das die Küstenländer jeweils eigene Raumordnungspläne erstellen, existieren in der Nordsee zwei Windparks − "Nordergründe" und "Riffgat" − und in der Ostsee einer − "EnBW Baltic 1" − und ein weiterer wird dort küstennah geplant: "Arcadis Ost 1".

Welche Co-Nutzungs-Flächen das Iwes ausgemacht hat, das wird sich bei der Veröffentlichung der Studie zeigen, die für das BWO-Sommerfest im September vorgesehen ist.

Im September 2021 hatte die Deutsche Windguard auf der Messe Husum Wind in einer Auftragsstudie vor allem das 1250 m2 große "Befristete Vorranggebiet Schifffahrt" in der Nordsee − auch "Schifffahrtsroute 10" genannt −, das die Windpark-Vorratsflächen vor dem sogenannten deutschen Entenschnabel durchschneidet, als Co-Nutzungsgebiet durchgerechnet und war damit für 2040 auf eine maximale Ausbeute von 60.700 MW gekommen anstelle von 40.000 MW in den bisherigen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für Windkraft (wir berichteten). Auch hier waren Abschattungseffekte berücksichtigt worden, von -1 bis -​2 MW/km2.
 

Georg Eble
Redakteur
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Freitag, 19.08.2022, 16:16 Uhr

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