VNB-Roadmap 2045. Quelle: VKU
Eine Studie von BET Consulting im Auftrag des VKU zeigt in Berlin, wie Stromverteilnetzbetreiber durch Kooperationen Ausbau und Digitalisierung der Netze effizienter umsetzen können.
Der Ausbau der Stromverteilnetze gilt als zentrale Voraussetzung für die Energiewende. Eine neue Studie sieht dabei erhebliche Chancen in einer stärkeren Zusammenarbeit der Betreiber. Das Gutachten „Kooperationen von Verteilnetzbetreibern – VNB-Roadmap 2045“ hat die Aachener Unternehmensberatung BET Consulting GmbH im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Berlin, erstellt.
Laut VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing können Kooperationen Skaleneffekte und Effizienzgewinne ermöglichen, ohne die regionale Verwurzelung und Selbstständigkeit der Unternehmen zu gefährden. Sie seien damit ein geeignetes Instrument, um wirtschaftliche Potenziale zu heben und zugleich die lokale Verantwortung zu erhalten. Entscheidend sei, dass Unternehmen vor Ort frei über passende Modelle entscheiden könnten.
Die Studie untersucht die aktuelle Struktur der Verteilnetzbetreiber in Deutschland und benennt Hemmnisse sowie Erfolgsfaktoren für Kooperationen. Demnach bietet die historisch gewachsene dezentrale Netzlandschaft mehrere Vorteile. Dazu zählen Präsenz vor Ort, kurze Entscheidungswege, Kundennähe, regionale Wertschöpfung und eine höhere Resilienz.
Vorteile der Region nutzenLiebing betont laut Mitteilung, gerade die kommunale Nähe sorge dafür, dass Netze bedarfsgerecht geplant und Bürgerinnen und Bürger entlastet würden. Diese Struktur dürfe auch angesichts geopolitischer Risiken und zunehmender Cyberangriffe nicht leichtfertig aufgegeben werden.
Gleichzeitig verweist die Untersuchung auf wachsende Herausforderungen für die Branche. Für Aus- und Umbau der Stromverteilnetze seien bis 2045 Investitionen von mehr als 235 Milliarden Euro erforderlich. Hinzu kämen steigende regulatorische Anforderungen, zunehmende Digitalisierung, hoher Fachkräftebedarf sowie mehrere parallel laufende Großinvestitionen. Viele Betreiber stießen dadurch an ihre Grenzen.
Als Antwort darauf nennt die Studie unterschiedliche Kooperationsfelder. Bereits heute gebe es Zusammenarbeit bei Digitalisierung und IT-Strukturen, beim Smart-Meter-Rollout, bei Netzanschlüssen, im Netzbetrieb sowie in der Netzplanung. Laut Gutachten sollten Unternehmen prüfen, welche Modelle zu ihren jeweiligen Strukturen passen, und daraus konkrete Vorhaben entwickeln.
Standardisierung nutzenEin zentrales Thema ist aus Sicht der Autoren die Standardisierung. Heinz-Werner Hölscher, Partner bei BET Consulting, erklärt laut Mitteilung, einheitliche Prozesse, Datenmodelle und Schnittstellen seien ein wesentlicher Schlüssel, damit freiwillige Zusammenarbeit wirksam werde und Systemkosten sinken könnten.
Nach Einschätzung der Autoren sind Standards auch dort notwendig, wo keine formalen Kooperationen bestehen. Nur mit einheitlichen Vorgaben ließen sich branchenweit Effizienzpotenziale heben, Skaleneffekte nutzen und neue Aufgaben wirtschaftlich bewältigen. Liebing sieht deshalb Politik, Regulierung und Verbände gleichermaßen in der Pflicht.
Der VKU fordert einen Rechts- und Regulierungsrahmen, der Kooperationen erleichtert und zugleich Investitions- sowie Planungssicherheit für Verteilnetze schafft. Wenn die Energiewende vor Ort effizient gelingen solle, müsse Zusammenarbeit einfacher werden, so Liebing. Nötig sei eine passgenaue Weiterentwicklung, die den jeweiligen Herausforderungen vor Ort entspreche, statt neuer Debatten über Zwangsfusionen oder Strukturreformen.
Die
VKU-Studie VNB-Roadmap 2045 steht als PDF zum Download bereit.
Mittwoch, 29.04.2026, 13:51 Uhr
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